Keine Lehre mehr für Asylwerber: Wirte sind verärgert

Ayman Ali ist seit Mai 2016 sehr erfolgreich als Kochlehrling im Gasthaus Vonwiller tätig. Im Oktober 2019 schließt er seine Lehre ab.
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  • Ayman Ali ist seit Mai 2016 sehr erfolgreich als Kochlehrling im Gasthaus Vonwiller tätig. Im Oktober 2019 schließt er seine Lehre ab.
  • hochgeladen von Helmut Eder

Die geplante Schließung der "Lehrlingsroute" und Abschiebungen von „Asylwerber-Lehrlingen“ erbost Wirte.

BEZIRK (hed). Gastwirt Günther Wolfmayr hat im Mai 2016 mit Ayman Ali erfolgreich einen syrischen Flüchtling im Restaurant VonWiller eingestellt. Ali fand im Rahmen der Aktion "Lehre für jugendliche Asylwerber bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres“ als Kochlehrling eine neue Zukunftsperspektive in Haslach. Die BezirksRundschau berichtete (https://www.meinbezirk.at/rohrbach/lokales/der-gastronomie-geht-das-personal-aus-d2195904.html). Der junge Mann ist laut seinem Chef sehr motiviert und hat sich gut integriert. "Er schließt Ende Oktober 2019 seine Lehre ab“, berichtet Wolfmayr. Dass aktuell vier Asylwerber-Lehrlinge aus Pfarrkirchen abgeschoben werden sollen (https://www.meinbezirk.at/rohrbach/lokales/vier-asylwerber-lehrlingen-aus-pfarrkirchen-droht-abschiebung-d2867627.html) stößt nicht nur bei dem Haslacher Gastronomen auf Unverständnis. „Die Lehre für unter 25-jährige Asylwerber ist ein Beispiel für gelungene Integration. Dass solche jungen, motivierten Leute abgeschoben werden, ist mehr als unverständlich“, ärgert sich der Gastwirt und ergänzt: „Die Gastronomie braucht diese Arbeitskräfte“.

"Wir sind enttäuscht"

Unterstützung erhält Wolfmayr von der Wirte-Sprecherin des Bezirks Rohrbach, Julia Falkner – und von Standeskollegen: „Ich habe zwei Asylwerber-Lehrlinge: Ramazan aus Syrien ist im dritten Lehrjahr und Sabiolo aus Afghanistan im zweiten. Beide sind hervorragende Mitarbeiter“, erklärt Christian Wundsam vom gleichnamigen Restaurant aus Neustift. Auch im Ort seien sie beliebt und im Fußballverein aktiv. Vor vier Wochen erhielten sie einen negativen Asylbescheid. „Wir haben dagegen berufen und verschiedenen Politikern – auch Landeshauptmann Thomas Stelzer – geschrieben", erzählt Wundsam. Doch Unterstützung hätte es wenig gegeben. „Wir sind sehr enttäuscht von unseren Politikern, besonders auch von unseren lokalen Vertretern bei der Wirtschaftskammer“, bedauert der Gastronom.

Geglückte Integration

Im Bergergut in Afiesl ist aktuell ein Küchenlehrling aus dem Nordirak im zweiten Lehrjahr angestellt und laut Chefin Eva-Maria Pürmayr eine große Unterstützung. Ob er bleiben kann, ist ungewiss. „Wir haben schon vorher gute Erfahrungen mit Asylwerbern gemacht und unser jetziger Lehrling ist auch sehr engagiert", berichtet Pürmayr. Er sei ein Vorzeigebeispiel für geglückte Integration. „Wenn solche Leute dann abgeschoben werden und die Regierung überdies beabsichtigt, die Lehre für Asylwerber zu stoppen, macht mich das grantig. Die wollen doch nur ein gewisses Klientel bedienen“, so Pürmayr.

Anträge rascher abwickeln

Wirtschaftskammer-Bezirks-obmann Herbert Mairhofer sieht das Ganze pragmatischer: “Grundsätzlich benötigen wir diese Lehrlinge. Die jetzige Situation ist aber auch nicht zufriedenstellend." Eine Lösung könnte er sich in der Erweiterung der Rot-Weiß-Rot Card vorstellen. „Ganz wichtig wäre es, die Asylanträge rascher abzuarbeiten, so wie aktuell in Deutschland“, ergänzt er. Als Übergangslösung schwebt ihm auch vor, dass jene Asylwerber, die aktuell bereits in einer Lehre sind, zumindest so lange bleiben dürfen, bis sie diese abgeschlossen haben.

Zur Sache

• Am Arbeitsmarkt Rohrbach sind aktuell 38 Asylwerber als Lehrlinge beschäftigt. 28 von ihnen kommen aus Afghanistan. Sie absolvieren ihre Lehre in sogenannten Mangelberufen, großteils in der Gastronomie und in der Hotellerie.

• Ende Juli waren laut AMS in ganz Österreich 1.023 Asylwerber unter 25 in einer Lehre. Davon 327 als Köche (fast ein Drittel), weitere 122 als Restaurantfachkraft und 76 als Gastronomiefachkraft.
• Das Gros der Lehrlinge ist in Oberösterreich beschäftigt (359), gefolgt von Salzburg (155) und Tirol (136).

• Rudi Anschober, Landesrat für Integration, Umwelt, Klima- und Konsumentenschutz, hat eine „open petition“ unter dem Motto „Ausbildung statt Abschiebung" gestartet. Mehr dazu unter: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/ausbildung-statt-Abschiebung

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