Im Interview
Barbara Unterkofler: Ich mache keine Symbolpolitik

Aus ihrem Büro blickt Barbara Unterkofler auf den Mirabellgarten, "für mich als leidenschaftliche Gärtnerin ein Traum".
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  • Aus ihrem Büro blickt Barbara Unterkofler auf den Mirabellgarten, "für mich als leidenschaftliche Gärtnerin ein Traum".
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Seit dem Frühjahr 2019 ist Barbara Unterkofler für die ÖVP als Vizebürgermeisterin in der Stadtregierung.

SALZBURG. Als ÖVP-Vizebürgermeisterin hat Barbara Unterkofler das Planungs- und Verkehrsressort inne und ist zudem für das städtische Gartenamt verantwortlich. Im Stadtblatt-Interview spricht Unterkofler über Maßnahmen im Stadtverkehr, günstige Ticketpreise und erklärt, warum ihr gerade das Gartenamt am Herzen liegt.

Frau Vizebürgermeisterin – von der Neos-Stadträtin zur ÖVP-Vizebürgermeisterin in der Stadtregierung. Wie wohl fühlen Sie sich in dieser Position?
Barbara Unterkofler
: Wir haben ein ambitioniertes Team in der ÖVP mit einem Mix aus jungen, frischen Gesichtern und Menschen mit viel Erfahrung. Ich fühle mich pudelwohl und habe mit meinen Zuständigkeiten ein sehr zukunftsorientiertes Ressort, das viel Gestaltungsmöglichkeiten beinhaltet. Das sind zwar Effekte, die nicht von heute auf morgen passieren, aber dafür sehr planerisch und zukunftsorientiert angelegt sind.

Bei der Wahl im März 2019 hat die ÖVP einen Erdrutschsieg eingefahren, die Machtverhältnisse im Schloss Mirabell wurden auf den Kopf gestellt. Andere Fraktionen monieren, dass die "Allmacht" der ÖVP seither sehr stark zu spüren sei.
Barbara Unterkofler
: Es gibt neue Mehrheiten, die rot-grüne Achse von einst gibt es nicht mehr. Von einer Allmacht sehe ich aber nichts, außer man setzt Aktivität und Gestaltungswillen mit Machtrausch gleich. Mein Eindruck ist vielmehr der, dass es bisher kaum einen Bürgermeister gegeben hat, der alle Fraktionen so intensiv miteinbezogen hat und konsensorientiert agiert.

Und mit Christoph Fuchs einen Klubobmann, der gerne als "Schattenbürgermeister" bezeichnet wird.
Barbara Unterkofler:
Dazu kann ich nur sagen, dass die Verantwortlichkeiten bei uns klar definiert sind. Was die politische Arbeit betrifft, laufen bei ihm als Klubobmann alle Fäden zusammen. Diese Rolle füllt er sehr gut aus und es gibt eine gute Zusammenarbeit.

Sie sind für den Verkehr ressortzuständig – speziell in der Stadt Salzburg eine Mammutaufgabe. Mit Landesrat Stefan Schnöll ist Ihr Parteikollege im Land für den Verkehrsbereich verantwortlich. Spüren Sie einen Druck, jetzt liefern zu müssen?
Barbara Unterkofler
: Im Gegenteil, es ist ein gutes Zeitfenster, um große Themen anzugehen. Bis Mai soll ein Konzept – basierend auf der Pendlerstromanalyse – stehen, wie der Stadtverkehr entflochten wird. Da wird es neue Linienführungen bei den Obussen geben sowie einen 7,5-Minuten-Takt, der mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem Umland abgestimmt ist. In einem nächsten Radius muss dann ein 15-Minuten-Takt und von weiter draußen ein 30-Minuten-Takt sichergestellt werden. Wir gehen, was die Dichte der Takte betrifft, von innen nach außen. Wir sind auch dabei, einen "Masterplan Gehen" zu erstellen, also: Wie verlaufen die Wege der Fußgänger bis zur nächsten Bushaltestelle oder der S-Bahn-Station? Ziel muss es sein, Haltestellen so zu positionieren, dass wir möglichst kurze Wege haben.

Neben den kurzen Wegen sind für viele auch die Ticket-Preise wesentlich, um auf die Öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. Die KPÖ-Plus fordert nach Luxemburger Vorbild gratis Öffis für alle, die Bürgerliste zumindest ein günstigeres Ticket für armutsgefährdete Menschen. Ist das auch für Sie vorstellbar?
Barbara Unterkofler
: Studien zeigen immer wieder, dass in erster Linie der Takt, die Wegdauer und die Linienführung entscheidende Kriterien für die Menschen sind. Entscheidend ist primär nicht der Preis, sondern das Angebot und hier müssen wir ansetzen.

Für Menschen, die am Ende des Monats die Heizkosten nicht mehr bezahlen können, dürften die Kosten aber kein unerheblicher Faktor sein?
Barbara Unterkofler:
Ich bin günstigen Tickets für armutsgefährdete Menschen nicht abgeneigt, aber das ist keine Frage, die ich allein entscheiden kann. Das muss man sich anschauen, was das in Kosten bedeutet. Ich möchte keine Symbolpolitik betreiben.

Die Raumplanung bezeichnen Sie als ein "Zukunftsressort, das Sie sich immer gewünscht haben". Was sind die zentralen Herausforderungen?
Barbara Unterkofler:
Die Fertigstellung des neuen Räumlichen Entwicklungskonzepts wird ein Großprojekt. Wesentlich ist die Schaffung von gefördertem Wohnraum, dabei dürfen wir auf das geförderte Eigentum nicht vergessen. Wir erleben es beim Dossenweg, da ist die Nachfrage nach gefördertem Eigentum sehr groß. Wir müssen zudem an einer Aufwertung durch Grünräume in allen Stadtteilen arbeiten. Derzeit wird an einer Begrünung bei der Neuen Mitte Lehen gearbeitet. Mit Bäumen und Beeten soll hier die Aufenthaltsqualität erhöht werden.

Sie sind für das Gartenamt zuständig, der übrige Bereich der städtischen Betriebe liegt bei Bernhard Auinger (SPÖ). Warum wollten Sie speziell die Stadtgärten?
Barbara Unterkofler
: Nachdem die Stadtplanung inklusive der Grünflächen bei mir liegt, war es für mich wesentlich, diesen Bereich auch bei mir anzusiedeln. Und zum anderen bin ich selbst leidenschaftliche Gärtnerin, das ist mein Ausgleich zu der politischen Arbeit. Das Stadtgartenamt ist ein wunderschöner und zugleich auch verantwortungsvoller Betrieb.

Barbara Unterkofler abseits des politischen Alltags:

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Meine Familie und gutes Essen, das Ganze würde ich dann als Urlaub titulieren.

Wer war die Heldin Ihrer Kindheit?
Pippi Langstrumpf.

Womit kann man Sie kulinarisch verwöhnen?
Mit Osttiroler Schlutzkrapfen von meiner Oma.

Was bringt Sie auf die Palme?
Wenn im Alltag der Humor verloren geht.

Welchen Beruf wollten Sie als Kind ergreifen?
Diplomatin.

Wo trifft man Sie an einem Frühlingswochenende?
In meinem Garten.

Ein ausführliches Interview mit SPÖ-Stadträtin Anja Hagenauer können Sie hier nachlesen

Das ausführliche Interview mit Bürgerlisten-Stadträtin Martina Berthold lesen Sie hier

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Autor:

Lisa Gold aus Salzburg-Stadt

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