Corona-Demonstrationen
Umgang mit Coronaleugnern und Querdenkern
- Die Demo gegen die Corona Beschränkungen am Grenzübergang Saalachbrücke zwischen Salzburg und Bayern lockte viele Menschen auf die Straße.
- Foto: Franz Neumayr
- hochgeladen von Sabrina Moriggl
Die derzeitigen Corona-Demonstrationen polarisieren. Mit friedlichem Protest gehen die Menschen zu den Veranstaltungen, auf denen unter anderem der Salzburger Thomas Schaurecker spricht. Er sieht sich selbst als "Friedensbote". Das Stadtblatt fragte beim Friedensbüro Salzburg nach, was "Friede" eigentlich bedeutet und wie sie diese Demonstration in der Stadt Salzburg sehen.
SALZBURG. Der Friedensbegriff ist nicht geschützt. Jeder kann den Begriff verwenden, erklärt Hans Peter Graß, Geschäftsführer des Friedensbüros Salzburg. "Das, was ich wahrgenommen habe, hätte mich nicht dazu veranlasst, an einer der sogenannten Corona-Demonstrationen teilzunehmen", sagt Graß, der es jedoch "legitim" findet, in Bezug auf die Corona-Maßnahmen Widerstand zu leisten. Probleme sieht der Friedensforscher allerdings in der fehlenden Abgrenzung gegenüber rechtsextremistischen Tendenzen bei den Demonstrationen.
Wer zu Corona-Demonstrationen hingeht
Bei den Kundgebungen – wie im Winter auf dem Residenzplatz – sprach unter anderem der ehemalige FPÖ-Politiker Thomas Schaurecker. Als Sicherheitsexperte, der zwei Sicherheitsfirmen leitet und mit diesen das Impfzentrum im bayerischen Ainring bewacht, gibt er den Demos ein Gesicht.
Er sieht sich selbst als "Friedensbote" und sagt über die Demonstrationen:
"Ja, die Rechten gibt es, es gibt auch Linke", so der 46-Jährige aus Liefering, der sich mit Martin Rutter* zeigt, über den er sagt, als Mensch sei dieser schwer in Ordnung. Hier widerspricht Graß auf das Schärfste:
"Martin Rutters Positionen sind bekannt, da geht es nicht um eine Relativierung von links und rechts. Diese Form der Verschleierung ist eine Missachtung der Personen, die an den Demonstrationen teilnehmen." Hans Peter Graß, Friedensbüro Salzburg
Neben einer klaren Abgrenzung von rechtem Gedankengut seitens der Veranstalter sieht Graß auch die teilnehmenden Menschen in der Verantwortung. "Ab dem Zeitpunkt, wo ich zwei-, dreimal dabei war und merke, dass da Personen teilnehmen, mit denen ich nicht auf einer Demo sein möchte, gehe ich nicht mehr hin", so Graß.
Umgang mit Querdenkern
Besucher einer Corona-Demonstration haben oft verschiedene Ängste, wissen Schaurecker und Graß aus Gesprächen: Angst vor sozialem Abstieg und Armutsgefährdung, vor Isolation und Einsamkeit, vor dem Verlust von Freiheit und Grundrechten. Graß mahnt jedoch zur Vorsicht: Er weiß, dass solche Ängste leicht für politische Interessen und das Schüren von Hass missbraucht werden können.
"Es ist wichtig zu sehen, worum es den Menschen geht. Ich würde den Dialog mit den Menschen suchen, die dort hingehen", so der Friedenspädagoge, der rät, den Kontakt zu jemandem, der anderer Meinung ist, nicht abbrechen zu lassen.
"Man kann sagen: Ich möchte mit dir nicht mehr über diese Fragen reden, aber ich freue mich, mit dir einen Kaffee zu trinken." Hans Peter Graß, Friedensbüro Salzburg
Schleichende Radikalisierung bei Corona-Demonstrationen
"Wut und Verzweiflung sind eine ganz gefährliche Mischung", weiß Schaurecker, der im Interview festhält, dass man Gewalt nicht verhindern könne. Auch Graß hält eine Radikalisierung für nicht unwahrscheinlich. "Es gibt Radikalisierungsprozesse (wie „Blasenbildungen“, in denen niemand mehr mit dem anderen spricht) in denen Links-Rechts-Schemata nicht mehr greifen. Da geht es vielmehr um Gruppenerfahrungen, die durch äußere Bedrohung forciert werden", erklärt Graß, der den zunehmend fehlenden Glauben an die Demokratie und an demokratische Prozesse jedoch viel gefährlicher findet.
Unter Deckmantel der "Heimatpflege"
"Wir haben den Verein aufgelöst", sagt Thomas Schaurecker über den Verein "Heimatpflege, Kultur und Friedensbewegung Salzburg", den man nach wie vor im Internet findet.
Schaurecker darüber: "Der Präsident des Vereins (Anm. d. Red.: Merlin Eilers) scheint in einer kriminellen Vereinigung tätig zu sein, das haben wir nicht gewusst. Für uns war es naheliegend, den Verein zu beenden." Das Friedensbüro** distanziert sich – wie auch die Salzburger Heimatvereine – von dieser "Friedensbewegung". Hans Peter Graß ergänzt: "Mit dem Friedensbegriff, für den wir stehen, hat dieser Verein nichts zu tun."
Video über die Corona-Demonstrationen
Im März hielt der Autor und Sozialarbeiter Michael Bonvalot einen Vortrag über die politischen Hintergründe der Corona-Demonstrationen. Die Veranstaltung ist vom Friedensbüro organisiert worden und wurde von der Jungk-Bibliothek mitveranstaltet. Seinen Vortrag kann man sich hier im Video anhören:
*Die Plattform gegen Rechts in Salzburg teilte mit, dass der ehemalige Politiker (BZÖ/Team Kärten) Martin Rutter seit Herbst 2020 unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehe und die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Verdachts der Verhetzung aufgenommen habe. Rutter hielt 2017 beim Ulrichsbergtreffen, einer Veranstaltung, an der laut "Wikipedia" unter anderem auch rechtsextrem und neonazistisch Gesinnte teilnahmen, die Rede: "Abwehrkampf gegen die Migration und Migrationslüge".
**Das Friedensbüro Salzburg setzt sich aktiv für die Thematik des Friedens ein. "Protestkultur ist ein Thema, das für uns wichtig ist. Wir sind selbst gelegentlich Akteure - etwa die klassischen Anti-Kriegsdemonstrationen wie den Irakkrieg. Es gibt aber auch Demonstrationen, die wir begleiten, wo wir nicht die Handelnden sind, aber zustimmen, wie der EU-Gipfel vor zwei Jahren in Salzburg. Jetzt natürlich auch die öffentlichen Kundgebungen der Jugendproteste wie Friday for Future, welche wir positiv wahrnehmen. Es gibt aber auch Proteste, zu denen wir ein distanziertes Verhältnis haben oder ein ambivalentes, weil es um Gewaltthemen geht oder inhaltliche Themen geht, die wir nicht unterschreiben können. Bei den Corona-Demos ist es so, dass wir uns damit beschäftigen, aber einen anderen Zugang haben.", sagt der Friedensforscher Hans Peter Graß vom Friedensbüro Salzburg.
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