Katholische Kirche im Salzkammergut
Predigt von Sabine Pesendorfer für 6. September 2026
- Sabine Pesendorfer.
- Foto: Pesendorfer
- hochgeladen von Kerstin Müller
Die Predigt für den 6. September 2026 stammt von Sabine Pesendorfer, Wortgottesleiterin und Begräbnisleiterin in Ohlsdorf, und beschäftigt sich mit Matthäus 18, 15-20.
SALZKAMMERGUT. Oh, tut das weh! Ich hatte erwartet, dass man meine Situation versteht. Aber stattdessen kamen nur Vorwürfe. „Wie kannst du nur so dumm sein!“ „Dann schau einmal selbst, wie du da wieder herauskommst!“
Solche Worte sind keine Hilfe!
Ich denke ein jeder ärgert sich, wenn er nicht verstanden wird. Aber Vorwürfe eines Freundes oder des sonst so netten Nachbarn, aber auch besonders, wenn sie vom Ehepartner kommen, die tun weh. Wie sollen wir uns in so einer Situation verhalten? Sollen wir die Enttäuschung, den Ärger in uns „hineinfressen“ und nichts sagen? Vielleicht wäre es besser, einfach wegzugehen. Aber hat das etwas mit Nächstenliebe zu tun? Darf ein Christ zeigen, dass ich mich über solche Worte ärgere, dass ich enttäuscht und frustriert bin?
Was sagt Jesus dazu?
„Sag deinem Gegenüber sofort, dass er dich verletzt hat. Sag ihm, wie weh es dir tut. Wenn er auf dich hört und es ihm leidtut, dann hast du ihn als Freund oder eben als Freundin zurückgewonnen!“ Jesus fordert uns auf: „Schweigen und so tun, als wäre nichts gewesen, das zerstört vieles.“ Denn jede Verletzung und jedes Unrecht das nicht besprochen wird, das nagt in einem dahin. Und jeder geht dann eigene Wege. Das soll nicht sein. Wir wollen doch alle Verständnis und Friede.
Also rede!
Aber sag es mit Worten, die dein Gegenüber nicht verletzen! Auch wenn er dich vorher verletzt hat! Sei trotz allem: taktvoll und behutsam mit deinen Worten. Das ist oft wirklich gar nicht so leicht. Denn wir können zwar gut austeilen, aber schlecht einstecken. Doch jeder Streit lässt sich nur mit Worten lösen, die den anderen nicht verletzen. Klingt logisch, aber ist schwer! Natürlich ist es viel einfacher, wenn wir verärgert und beleidigt weggehen und dann mit einer dritten Person darüber reden können. Ja, gerne schimpfen wir hinter dem Rücken des anderen und ziehen über diese Person her. Doch, ehrlich: bringt das etwas? Mit Sicherheit wird kein Streit damit aus der Welt geschafft.
Was aber, wenn das Reden nicht hilft?
Wenn mein Gegenüber meine gut überlegten einfühlsamen Worte nicht annehmen will? Ja, auch das gibt es. Er oder sie behandelt mich weiterhin von oben herab. Dazu gibt Jesus folgenden Rat: hole noch zwei oder drei andere dazu und besprecht in Ruhe das Ganze noch einmal. Aber, und das ist wichtig: dabei soll niemand fertig gemacht oder bloßgestellt werden. Sondern jeder soll helfen, dass eine Versöhnung wieder möglich ist. Nur wenn einer der beiden überhaupt nicht für eine Lösung bereit ist, dann ist der Weg zum Frieden verbaut. Jesus sagt sogar, dann soll man den Kontakt vorläufig abbrechen. Trotz allem sollen wir versuchen, dem anderen zu vergeben. Aber wie oft soll ich dem anderen vergeben? Jesus Antwort: „Siebzig mal siebenmal!“ Das wären: 490 Mal! Puh, ja das ist viel. Das heißt, wir sollen immer vergeben und das ist wichtig. Denn schließlich will auch ich, dass die anderen bei mir immer und immer wieder ein Auge zudrücken. Mir auf die Schulter klopfen und sagen: Schwamm drüber.
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