11.10.2017, 16:45 Uhr

Wildunfälle: Jetzt ist "Hochsaison"

(Foto: Wildtierstation)

In Oberösterreich ereignet sich alle 36 Minuten ein Unfall mit einem Wildtier, Vorsicht am Waldrand.

SALZKAMMERGUT (km). Der Herbst erfordert besondere Vorsicht im Straßenverkehr. Jetzt, wenn die Tage wieder kürzer werden, steigt die Gefahr des Zusammentreffens mit Wildtieren stark an. Zudem fällt die Hauptverkehrszeit genau in die Dämmerung oder Dunkelheit. Dann sind viele Tiere besonders aktiv und die Sichtverhältnisse meist schwierig einzuschätzen. Besondere Aufmerksamkeit ist auf Straßen entlang von Waldrändern und vegetationsreichen Feldern geboten. "Gerade jetzt, in der Zeit der Maisernte, besteht erhöhte Gefahr für Wildunfälle. Für die heuer 'gesetzten' Kitze, die im Maisfeld leben, ändern sich die Lebensumstände dramatisch. Das ist, wie wenn man einen Menschen aus seinem Haus vertreibt. Die jüngeren Tiere flüchten panisch und laufen auf die Straße", erklärt Bezirksjägermeister Johann Enichlmair aus Laakirchen. Die gewaltigen Kräfte, die bei einer Kollision mit Wild auf das Fahrzeug einwirken, werden häufig unterschätzt: So beträgt das Aufprallgewicht eines Wildschweines mit 80 Kilo Körpergewicht auf ein 50 km/h schnelles Auto zwei Tonnen. Nicht angepasste Geschwindigkeit ist die häufigste Ursache für Kollisionen mit Wildtieren. Der OÖ. Landesjagdverband hat viele Tipps, wie man Kollisionen vermeiden kann (siehe Infokasten). Sollte es dennoch zu einem Unfall kommen, muss die Polizei informiert werden. "Die Beamten haben eine Liste der zuständigen Jäger, die sie bei Bedarf rufen. Auf keinen Fall darf der Autofahrer das tote Wild mitnehmen, dabei handelt es sich um Wilddiebstahl. Außerden ist Fallwild nicht genusstauglich!", warnt der Bezirksjägermeister.

Wildtierstation übervoll

Doch nicht nur größere Tiere wie Wildschwein oder Reh sind im Herbst auf den Straßen in Gefahr. Auch kleine Wildtiere wie Igel oder Eichkätzchen werden täglich getötet. "Ich habe derzeit 15 Siebenschläfer bei mir, bei zwölf davon wurde die Mutter zusammengefahren. Die kleinen Siebenschläfer werden nun bei uns aufgepäppelt. Auch kleine Igel werden immer wieder zu uns gebracht, auch diese sind 'Waisen' und würden alleine noch nicht überleben. Jeder Autofahrer sieht derzeit, wie viele tote Eichkätzchen auf der Straße liegen – viele von diesen hinterlassen Junge", erklärt Gabriele Kaar, Leiterin der Wildtierstation Igelhof Aurachtal in Altmünster.

Arbeitsaufwand gering

Tierwaisen oder verletzte Tiere werden immer wieder zur Wildtierstation in Altmünster gebracht und dort zeitintensiv gepflegt. "Derzeit platzen wir wieder aus allen Nähten und suchen dringend Schlafplätze für mindestens 50 Igel. Am besten eignen sich Gartenhütten oder alte Heustadel. Der Arbeitsaufwand hält sich gering: Die Igel brauchen nur noch Futter, das wir zur Verfügung stellen, sowie eine Schüssel Wasser. Sobald es kalt genug ist, schlafen die Tiere". Helfer können sich unter Tel. 0664/3979171 melden. "Ich habe im Vorjahr schon über die BezirksRundschau einen Rundruf gestartet, der Erfolg war enorm – wir konnten 268 Igel vermitteln. Ich hoffe, dass mich auch heuer wieder viele Tierfreunde anrufen und unterstützen werden!"

Was man als Autofahrer tun kann, um Kollisionen zu vermeiden:

• Warnzeichen "Achtung Wildwechsel!" beachten
• Tempo reduzieren, vorausschauend und stets bremsbereit fahren
• ausreichend Abstand zum Vorderfahrzeug einhalten

Springt Wild auf die Straße:
• Gas wegnehmen
• hupen (mehrmals kurz die Hupe zu betätigen, nicht dauerhupen)
• abbremsen, wenn es die Verkehrssituation zulässt (Vollbremsungen vermeiden)
• falls möglich abblenden

Kommt es trotzdem zu einer Kollision, muss wie bei jedem anderen Unfall reagiert werden: Warnblinker einschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen, gegebenenfalls Verletzte versorgen. Die Polizei muss auf jeden Fall unter 133 verständigt werden.
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