Gewissheit nach genetische Untersuchungen
Gerissene Schafe in Oberperfuss: Es war ein Wolf

Hohe Krafteinwirkung - wie von einem Bär: Gerissenes Schaf im Almgebiet von Inzing.
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OBERPERFUSS/INZING. Erste genetische Untersuchungen zeigen einen Wolf als Verursacher von toten Schafen in der Gemeinde Oberperfuss. Im Bereich Inzing ist man von einem Bär ausgegangen, DNA-Tests sollen hier noch Gewissheit bringen - siehe Bericht dazu hier: Tote Schafe im Inzinger Almgebiet - Risse deuten auf einen Bär hin

Ergebnis der 1. DNA-Analysen eingetroffen

Aus dem Gebiet zwischen dem Sellraintal und dem Inntal liegen dem Land Tirol derzeit Meldungen von 20 toten Schafen, etwa die Hälfte davon nachweislich mit Rissspuren, auf drei verschiedenen Almen vor.

Wolf auf Alm in Oberperfuss

Nun sind die ersten Ergebnisse der DNA-Analyse eingelangt. „Bei den vier toten Schafen, die im Gemeindegebiet von Oberperfuss untersucht wurden, konnte ein Wolf nachgewiesen werden. Das zeigen die ersten genetischen Untersuchungen“, gibt Martin Janovsky, Beauftragter des Landes für große Beutegreifer bekannt.

Hohe Krafteinwirkung - wie von einem Bär

Der Experte des Landes hatte nach einem Lokalaugenschein am Donnerstag vergangener Woche, 18. Juli, mehrfach darauf hingewiesen, dass man die Risse nicht eindeutig einem bestimmten Verursacher zuordnen könne. Es lagen auch keine Aufnahmen von Wildkameras vor. Insofern ist das Ergebnis der DNA-Analyse für Janovsky nicht sehr überraschend, auch wenn das unsystematische Vorgehen und die hohe Krafteinwirkungen eher auf einen Bären hingedeutet haben.

Weitere DNA-Proben angekündigt

Noch ausständig sind die Ergebnisse der weiteren DNA-Proben von gerissenen Tieren auf der Inzinger und der Flaurlinger Alm. Diese werden in ein bis zwei Wochen vorliegen. Die Untersuchungen werden vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde der Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführt.

Bär im Pitztal und im Außerfern

Soeben eingelangt sind auch die Untersuchungsergebnisse der Tupferproben aus dem Pitzal und dem Außerfern vom Juni dieses Jahres. Bei den drei gerissenen Schafen im Pitztal sowie dem Rotwildkadaver im Außerfern wurde jeweils ein Bär als Verursacher genetisch nachgewiesen. Ob es sich in beiden Fällen um denselben Bären handelt, ist aus dem Untersuchungsergebnis nicht abzulesen.

Keine weiteren Schadensmeldungen

Seit den letzten gemeldeten Rissen Mitte letzter Woche hat es aus dem Gebiet zwischen Sellrain und Inntal keine weiteren Schadensmeldungen gegeben. Auch gab es keine konkreten Hinweise auf einen großen Beutegreifer in Form von Aufnahmen aus Wildkameras. Jene Schafe, die kürzlich im Pitztal tot aufgefunden wurden, waren bereits stark verwest. Eine DNA-Analyse ist hier nicht mehr möglich.

Antrag auf Entnahme von Beutegreifern

Bei der Bezirkshauptmannschaft ist heute, Mittwoch, 24.7., ein Antrag auf Entnahme von Beutegreifern nach dem Jagdgesetz eingegangen. „Die Behörde agiert hier in einem sehr engen rechtlichen Rahmen mit strengen Prüfmaßstäben, da es sich bei großen Beutegreifern um geschützte Tierarten handelt. Wir werden den Antrag prüfen“, erläutert Klaus Wallnöfer, Vorstand der Abteilung landwirtschaftliches Schulwesen, Jagd und Fischerei.

Reaktionen aus der Politik


Georg Dornauer, SPÖ:

"Seit heute wissen wir: Bär und Wolf sind in Tirol unterwegs. Und wir wissen, dass weder der schwarze Landeshauptmann noch seine grüne Stellvertreterin einen Plan haben, wie wir damit umgehen sollen", kritisiert Georg Dornauer, Vorsitzender und Klubobmann der neuen SPÖ Tirol. "Unsere Wälder und Berge sind längst zu wichtigen Rückzugs-, Erholungs- und Freizeiträumen geworden, die wir Tirolerinnen und Tiroler sowie die Menschen, die Tirol besuchen, schätzen und lieben. Große Beutegreifer passen nicht in dieses Bild. Darüber müssen wir offen sprechen", fordert Dornauer: "Dass sich Wolf und Bär nach Tirol wagen, ist weder ein Geheimnis noch neu. Hier hätte man lange schon reagieren und konkrete Maßnahmen für Tirol definieren müssen."
"Es braucht ein langfristiges und umfassendes Konzept, damit sich Almbewirtschafterinnen, Förster, Naturliebhaberinnen, Jäger und Touristinnen auf diese Situation vorbereiten können", nimmt Dornauer Platter und Felipe in die Pflicht. Für Dornauer kommt sowohl eine Narkotisierung der Tiere mit anschließender Auswilderung in einem besser geeigneten Gebiet in Frage, als auch - im Notfall - der Abschuss, "insofern Wolf oder Bär in besiedeltes Gebiet vordringen und eine Gefahr für Menschen darstellen."

Patrizia Zoller-Frischauf, ÖVP:

„Sicherheit für Mensch und Familie hat immer Vorrang“
Besonders wandernde Familien mit Kindern, die jetzt in der Ferienzeit vermehrt am Berg und im Wald unterwegs seien, dürfen nicht gefährdet werden, meint Familienlandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP): „Der Aufenthalt im Wald und in der Natur ist für Kinder ein ganz wichtiges Erlebnis, das ihre Entwicklung fördert. Selbst wenn die Begegnung mit einem Wolf oder Bären sehr unwahrscheinlich ist – Ich möchte einfach nicht, dass Eltern mit ihren Kindern in Gefahr geraten oder sich aus Angst nicht trauen, wandern oder spazieren zu gehen.“
Gänzlich konfliktfreies Zusammenleben kaum vorstellbar
„Klar ist, dass Wolf und Bär bei uns eine vielfältig genutzte Landschaft auf überwiegend dicht besiedeltem Raum vorfinden und keine unberührte Wildnis“, so die Landesrätin. Ein gänzlich konfliktfreies Zusammenleben sei da nur schwer vorstellbar, besonders bei wachsenden Populationen von Wölfen und Bären. „Alles andere ist eine Illusion, so ehrlich muss man sein“, betont LRin Zoller-Frischauf.
Es gehe ihr nicht um einen übertriebenen Alarmismus, sondern um eine offene Diskussion mit der Gegenüberstellung verschiedener Interessen und Prioritäten, versichert die Familienlandesrätin. „In dieser Debatte sehe ich mich als Fürsprecherin von besorgten und verunsicherten Eltern, die bereits an mich herangetreten sind.“

Tourismus-Obmann Hackl:

"Für Bär und Wolf ist in unserem Land kein Platz!"
Ebenso wie Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger und LAbg. Mario Gerber hat Spartenobmann Josef Hackl kein Verständnis für gefährliche Raubtiere in Tirol: „Tirol ist nicht Alsaka oder der Yukon. Wölfe und Bären gehören in Tirol in den Alpenzoo oder andere geschützte Gehege", stellt Josef Hackl, Obmann der Sparte Tourismus in der Tiroler Wirtschaftskammer, klar und ergänzt: "Spätestens wenn es den ersten Zwischenfall mit Menschen gibt, wird der Ruf nach der Verantwortlichkeit laut - dann ist es aber zu spät und der Schaden schon angerichtet."
Hackl kennt als passionierter Jäger die Gefahren, die von diesen Raubtieren ausgehen können. Der Schutz von Menschen muss für ihn deshalb unbedingt gewährleistet sein - nicht nur für Einheimische, die in den Wäldern und Bergen arbeiten und Erholung suchen, sondern auch für die mehr als 12 Millionen Gäste, die jährlich nach Tirol kommen und dort ihren Urlaub sicher verbringen wollen. „Es darf nicht sein, dass man beim Wandern in unserer einzigartigen Bergwelt Angst vor wilden, unberechenbaren Tieren haben muss. Ich fordere daher rasche und wirksame Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung von Wölfen und Bären zu vermeiden, bevor tatsächlich Schlimmeres passiert“, so Hackl abschließend.

Weiterer Beitrag dazu vom 31.7.2019:
Wolfsartiger Kadaver ohne Kopf aufgefunden

Buch-Tipp zum Thema - Link:
Wenn der 'böse' Wolf kommt ...

Autor:

Georg Larcher aus Telfs

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