"Wir überbringen Todesnachrichten"

Bezirksblatt-Redakteurin Karin Zeiler im Gespräch mit Klaus Steindl vom Krisentinterventionsteam des Roten Kreuzes Tulln.
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  • Bezirksblatt-Redakteurin Karin Zeiler im Gespräch mit Klaus Steindl vom Krisentinterventionsteam des Roten Kreuzes Tulln.
  • Foto: Christian Hartung / Rotes Kreuz
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Krisenintervention seit 19 Jahren: Rotes Kreuz bei mehr als 900 Einsätzen

TULLN / BEZIRK. "Das ist eine kurzzeitige psychosoziale Betreuung von Menschen, die gerade eine schwere Krise durchleben", erklärt Klaus Steindl seinen Job beim Kriseninterventionsteam des Roten Kreuz.
Am Montag, 21. Jänner 2019, wurde die 32-jährige, zweifache Mutter Zamire K. in Tulln von ihrem Ehemann mit einem Dolch getötet. (Die Bezirksblätter haben ausführlich berichtet). Die Nachricht über ihren Tod hat das Kriseninterventionsteam überbracht, Bruder, Eltern und die Kinder wurden betreut.

Was ist das Ziel der Krisenintervention?
Den Betroffenen in den ersten Stunden zu helfen. Wir sagen immer, dass wir versuchen, die Handlungsfähigkeit herzustellen. Weitere Einsätze übernehmen dann die Kollegen des Aktteams Niederösterreich.

Wie überbringt man so eine Nachricht?
"Ehrlich. Ohne viel Herumgerede. Mit wenigen Worten, kurz und prägnant", so Steindl. Wenn allerdings Kinder betroffen sind, dann "wird dies gemeinsam mit den Angehörigen gemacht. Im eigenen Umfeld".

Wie lange dauern die Einsätze durchschnittlich?

Unterschiedlich lang. Bei einem Suizid vor einem Zug wird unverzüglich der Lokführer betreut, auch die Zugpassagiere. In weiterer Folge werden die Angehörigen verständigt. Die Todesnachricht wird dann von uns – gemeinsam mit der Polizei – überbracht. Da kann es sein, dass unser Einsatz auch bis zu sechs Stunden andauert.

Wie schaffen Sie es, solche Momente zu verarbeiten?
Bei einer Nachbesprechung des Einsatzes, sich selber das Erlebte von der Seele zu reden. Das geht in Richtung Supervision. Aber es geht an die Nieren, es wäre gelogen, dass es bei uns irgend jemanden gibt, den so etwas kalt lassen würde.

13 Mitarbeiter zeichnen im Bezirk Tulln für die Krisenintervention verantwortlich. Das Kriseninterventionsteam ist eine einmalige, kurzzeitige psychosoziale Betreuung von Menschen, die gerade eine schwere Krise durchleben. Krisen sind vielfältig, sie reichen von Verlust von nahestehenden Personen bis hin zum Verlust des Hauses nach einem Brand.

Die Einsätze:
2015: 38
2016: 45
2017: 42

Betreute Personen:
2015: 65
2016: 106
2017: 88

Gesamt kann man davon ausgehen, dass das Kriseninterventionsteam in den  letzten 19/20 Jahren – also seit Bestehen – zu 900 Einsätzen gerufen wurde.

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