Hausgemachte Erdäpfel-Krise
"Das ist Lebensmittelverschwendung im gigantischen Ausmaß"

Produzent Christian Böhm, Bauernbundobmann Eduard Köck und Landwirtschaftskammer-Obmann Nikolaus Noé-Nordberg mit den letzten heimischen Kartoffeln.
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  • Produzent Christian Böhm, Bauernbundobmann Eduard Köck und Landwirtschaftskammer-Obmann Nikolaus Noé-Nordberg mit den letzten heimischen Kartoffeln.
  • hochgeladen von Peter Zellinger

Während der Drahtwurm heimische Erdäpfel zerstört werden Kartoffeln im großen Stil aus Nordafrika importiert. Schuld sind absurd strenge Gesetze, kritisieren die heimischen Bauern.

WAIDHOFEN. "Die letzten ihrer Art" steht auf der Holzkiste. Im Inneren befindet sich eine Handvoll Erdäpfel, liebevoll auf Stroh gebettet. Die heimischen Erdäpfelbauern warnen nämlich vor einem dramatischen Engpass: Heimische Knollen gibt es aktuell so gut wie nicht mehr, Speisekartoffeln werden aktuell aus Ländern wie Ägypten importiert.

130.000 Tonnen vernichtet

Schuld ist der Drahtwurm. Der Schädling bohrt sich in die Erdäpfel nicht um sie zu fressen, sondern um in ihnen zu wohnen. Denn die Würmer lieben die Feuchtigkeit. Das Problem: Die angebohrten Kartoffeln sind so gut wie unverkäuflich. "Tatsächlich bleiben die meisten befallenen Kartoffeln auf den Feldern liegen", erklärt der Obmann der Landwirtschaftskammer Waidhofen Nikolaus Noé-Nordberg. "Das ist Lebensmittelverschwndung im gigantischen Ausmaß". Etwa 30 Prozent des Kartoffel-Ertrages ist aktuell vom Drahtwurm betroffen. 130.000 Tonnen Speiseerdäpfel wurden vernichtet, so Bauernbundobmann Eduard Köck.

Was den Bauern besonders zu schaffen macht: Eine Bekämpfung ist so gut wie unmöglich, wie sich bei einem Besuch am Hof von Christian Böhm in Kleinreichenbach zeigt. Böhm ist mit seinem Erdäpfel-Lieferservice und seinen Spezialsorten wahrscheinlich einer der innovativsten Kartoffelbauern in der Region. "Das einzige, was den Landwirten übrig bleibt, ist eine mechanische Bearbeitung des Bodens, damit die Larvennester zerstört werden", so Böhm. Das Problem: Intensive Bodenbearbeitung passt nicht gut mit nachhaltiger Landwirtschaft zusammen.

Spritzmittel verboten

Die Schädlings-Plage nahm derart katastrophale Ausmaße an, weil Schädlingsbekämpfungsmittel gegen den Drahtwurm verboten wurden, weil diese Neonikotinoide enthalten. Was die Bauern besonders aufregt: Anderswo sind diese Mittel nach wie vor zugelassen - und genau aus diesen Ländern werden jetzt Kartoffeln importiert. "Das ist natürlich ein Wettbewerbsnachteil für unsere Bauern", so Köck. Deshalb fordern die Landwirte nun eine Neuzulassung der Spritzmittel um der Plage Herr zu werden. EU-weit sind diese Mittel nämlich nicht verboten. Die zweite Forderung der Bauern: Auch für Import-Erzeugnisse sollen einheimische Standards gelten. "Nur in Österreich werden diese Standards einmal mehr übererfüllt, aber das ist bei Hühnern, Eiern, Weizen und ähnlichem nicht anders" erklärt Köck.

Bis dahin hoffen die heimischen Produzenten darauf, dass die Endkunden mit ihrer Geldbörse abstimmen. "Sie haben es in der Hand, ob sie Erdäpfel aus Ägypten wollen", so Noé-Nordberg.

Importe werden wohl noch länger dauern

Ob sich die Lage entspannen wird ist unklar. Die aktuell herrschende Trockenheit begünstigt die Drahtwurm-Ausbreitung. Mindestens zwei Monate lang, werden heimische Knollen selten sein, bevor im Juni die ersten Heurigen auf den Markt kommen, so sie denn unbeschädigt sind. "Die großen Mengen kommen aber erst im September auf den Markt", so Böhm. Bis dahin wird wohl importiert werden müssen.

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