Der gute Zweck
Jimi und die Besinnlichkeit

So wie das Leben gehörte immer auch der Müßiggang zu den heidnischen Heiligtümern. Nicht aktiv, tätig, nicht klug, nicht bewußt, nicht verantwortungsvoll sein, sondern absichtslos schauen. Lauschen. Geschehen lassen. Staunen. Zweckfrei, ohne gewählte Aufgabe.

Eine frivole Befindlichkeit, die heute oft nur als zulässig erwogen wird, wenn sie Ziel und Zweck eingebaut bekommt. Sich selbst finden, entwickeln, möglichst ein höhere Bewußtsein erlangen. Wie verdammt europäisch das ist! (Wenn ich schon andere nicht nutzbar machen und bewirtschaften kann, so wenigstens mich selbst.)

Die Aufforderung zur Tugend ist unter Umständen eine besonders perfide Version unsere Beziehungen zu ökonomisieren. „Da muß doch noch mehr drin sein! Streng dich an!“

Das sind feuchte Träume einer kleinen, privaten Erhabenheit. Muße wird mit Aufgaben befrachtet. Sich besinnen. Besinnlichkeit. Das hatten wir doch gerade! Advent, Advent, der Zähler rennt: wie viele Punkte auf einer nach oben und unten offenen Skala der Selbstergriffenheit wurden geschafft?

Ich kann und will keinesfalls immer auf der Hut sein, immer wachsam, achtsam, umfassend bewußt, und immer darüber grübelnd, was denn nun in kleinen und größeren Zusammenhängen zulässig sei.

Wir wissen so viel. Viel über die Dinge. Viel übereinander. Zuzüglich all der Phantasmen, Projektionen, Unterstellungen, die gerade in Mode sind. So stehe wir einander gegenüber und es ist nie genug.

Es gäbe immer noch etwas zu bedenken, etwas zu erkunden, etwas zu berücksichtigen, etwas zu erreichen. Egal, was jemand schafft, da ist stets wer, aufzeigend: „Aber da wäre noch dies und das, was du nicht berücksichtigt hast.“

Um es mit Jimi Hendrix zu sagen: „‘cuse me, while I kiss the sky!“

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