Terror aus dem Netz: Kettenbriefe auf WhatsApp

Der dreizehnjährige Stephan-Patrick erhält im Durchschnitt fünf Kettenbriefe im Monat - Beliebtheitsbarometer inklusive.
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  • Der dreizehnjährige Stephan-Patrick erhält im Durchschnitt fünf Kettenbriefe im Monat - Beliebtheitsbarometer inklusive.
  • hochgeladen von Maria-Theresia Klenner

WIEN. Kettenbriefe sind nichts Neues, bereits vor dem Internet-Zeitalter wurden solche Nachrichten mit der Post verschickt. Enthielten diese Briefe früher überwiegend positive Botschaften von Freunden, sieht ein Kettenbrief heutzutage ganz anders aus. Schnell erstellt und mit einem Fingerdruck unkompliziert weitergeleitet, bieten soziale Netzwerke wie WhatsApp den idealen Nährboden für anonyme Angstmacherei und psychische Attacken.

"Solche Drohungen im Internet gibt es, seitdem es soziale Netzwerke gibt", erklärt der Projektleiter der Initiative "Safer Internet", Matthias Jax. "Von den Angstmacher-Kettenbriefen auf WhatsApp erfuhren wir im vergangenen Jahr, als Kinder dieses Problem vermehrt an uns herangetragen haben."

"...dann stirbt deine Mutter"

Konkret haben diese Nachrichten massive Drohungen wie "Wenn du das nicht weiterschickst, dann stirbt deine Mutter. Aber erst in einem Jahr." oder Horrorversprechungen wie "Ich bin ein Monster und schlafe unter deinem Bett. Heute um 23.59 komme ich und bringe dich um. Ganz hart." zum Inhalt. Manchmal werden diese Meldungen noch mit Fotos, Videos oder Audiodateien verstärkt. Würden Erwachsene über solche Nachrichten nur den Kopf schütteln oder lachen, kommen die Worte bei Kindern anders an: Da es sich bei den Empfängern vorrangig um Volksschüler im Alter zwischen acht und zehn Jahren handelt, werden diese Drohungen und Todesprognosen für bare Münze genommen. Wer sich nun über das Alter der Smartphonebesitzer wundert - die meisten Kinder erhalten laut Jax ihr erstes Smartphone bereits zur Erstkommunion. "In diesem Alter haben Kinder am meisten Angst und brauchen daher Unterstützung. Wie groß die Furcht ist, hängt weniger vom Geschlecht als von der Medienkompetenz der Eltern ab", so Jax. 

So wird Eltern von "Safer Internet" empfohlen, gemeinsam mit ihren Kindern erhaltene Kettenbriefe durchzugehen und ihnen Mut zu machen, auch mit künftigen Nachrichten zu ihnen zu kommen. Wiederholt sollte betont werden, dass nichts Schlimmes passiert, wenn ein Kettenbrief nicht weitergeschickt wird - diese Frage wird auch häufig den Mitarbeitern von "Rat auf Draht" (erreichbar unter der Telefonnummer 147) gestellt. Auch der Hinweis, dass ein Kettenbrief nichts mit dem Empfänger zu tun hat, ist enorm wichtig. Gerade bei Beliebtheitsbarometern, in denen aufgefordert wird, Freunden und Bekannten mit einem Smiley mitzuteilen, was man von ihm hält. Neben positivem Feedback wie "Du bist cool" und "Ich mag dich" stehen natürlich auch negative Attribute wie "Du bist scheiße" und "Ich hasse dich" zur Auswahl. Das Ergebnis: Es wird ein hoher sozialer Druck aufgebaut, der zu psychischen Problemen führen kann.

"Kinder und Jugendliche sollten versuchen, diese Kettenbriefe zu stoppen bzw. zu unterbrechen", rät Matthias Jax. Im Falle eines Weiterschickens macht sich das Kind übrigens nicht strafbar. "Wenn Bilder oder Videos, die urheberrechtlich geschützt sind, mitgeschickt werden, kann geklagt werden. Aber rein vom Text her ist es schwer, eine Klage einzubringen", so Jax.

Zur Sache

Besonders Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren stehen im Visier der Kettenbriefverfasser. Diese Nachrichten, die meist über WhatsApp verschickt werden, haben zu einem großen Teil gruselige Drohungen oder Todesprognosen zum Inhalt. Untestrichen werden diese Drohungen mit Falschmeldungen, so genannten Fake News. Als Motive für den Verfasser werden laut der Initiative "Safer Internet" Langeweile, Machtausübung oder ein Reichweitentest genannt. Durchschnittlich erhalten Kinder und Jugendliche bis zu zehn Kettenbriefe pro Woche. Weitere Infos auf www.saferinternet.at

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