StRH Wien
Kritik wegen Bettensperren & Gangbetten in WIGEV-Spitälern
- Kritik kam auch wegen der gestiegenen Zahl an verwendeten Spitalsgangbetten auf. (Archiv)
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Ein Bericht des Wiener Stadtrechnungshofs (StRH) nahm unter anderem die Bettenkapazitäten in den vom Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV) betriebenen Spitälern unter die Lupe. So war die Zahl der Bettensperren zwischen 2018 und Ende 2022 stark angestiegen. Auch die Zahl der Gangbetten hatte sich in dieser Zeit deutlich erhöht. Kritik gibt es vonseiten der Wiener Opposition.
WIEN. Wie aus einem 257-seitigen Prüfbericht des Stadtrechnungshofs Wien (StRH Wien) zu entnehmen ist, hatte der Wiener Gesundheitsbereich in den Jahren vor Ausbruch der Corona-Pandemie bis Ende 2022 mit vielen offenen Baustellen zu kämpfen. Unter die Lupe genommen wurde unter anderem die Bettenkapazitäten in den Spitälern des Wiener Gesundheitsverbunds im Zeitraum von 2018 bis 2022.
Wie aus dem Bericht hervorgeht, soll der sogenannte systemisierte Bettenstand zwischen 2018 und 2022 um 2,7 Prozent reduziert worden sein. Im Jahr 2018 gab es 7.589 vollstationäre Betten, im Jahr 2022 kam der WIGEV nur noch auf 7.381 vollstationäre Betten.
Mehr Bettensperren
Wie kommt es nun zur Bettensperre? Seit Dezember 2016 müssen beim WIGEV geplante und ungeplante Bettensperren über ein Formular an die Generaldirektion gemeldet werden. Geplante Sperren können durch bauliche Maßnahmen, Wartungen oder organisatorische Gründe entstehen. Ungeplante Sperren resultieren aus medizinischen, personellen oder technischen Problemen oder der Aufnahme von Sonderklassepatienten.
- Bedingt durch personelle Engpässe – vor allem im Pflegebereich – wuchs der Anteil an gesperrten Betten im Jahr 2018 von 10 auf rund 18 Prozent im Jahr 2022 an. (Symbolbild)
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Bedingt durch personelle Engpässe – vor allem im Pflegebereich – wuchs der Anteil an gesperrten Betten im Jahr 2018 von 10 auf rund 18 Prozent im Jahr 2022 an. Während es 2018 noch zu 762 Bettensperren kam, waren es Ende 2022 1.319.
Massiver Anstieg bei Gangbetten
Ferner wurde die Situation rund um Gangbetten, also außerhalb regulärer Patientinnen- bzw. Patientenzimmer aufgestellte Überbelagsbetten, unter die Lupe genommen. Die Zahl der Gangbetten, die mehr als zwölf Stunden für Patientinnen und Patienten aufgestellt wurden, ist von 1.259 auf 2.136 gestiegen.
Die Zahl der Gangbetten, die über 24 Stunden für Patientinnen und Patienten aufgestellt wurden, stieg zwischen 2018 und 2022 von 168 sprunghaft auf 820 an. Zurückgeführt worden sei die Entwicklung auf eine regelmäßige Überlastung der vorhandenen Bettenkapazitäten, hieß es.
Von den Abteilungen wurde laut Prüfbericht aber auch darauf hingewiesen, dass auf Überbeläge, die in der Statistik aufscheinen, nicht immer mittels Gangbetten reagiert wurde, sondern mit der Unterbringung in an sich gesperrten Betten in regulären Zimmern. Und: Stark alkoholisierte, aggressive oder auch verwirrte Patientinnen bzw. Patienten seien oftmals in ihren Betten in der Nähe der Stationsstützpunkte platziert worden, um aus Sicherheitsgründen erforderliche "Draufsicht" gewährleisten zu können, hieß es.
- Unter die Lupe nahm der Stadtrechnungshof Wien unter anderem die Bettenkapazitäten in den Spitälern des Wiener Gesundheitsverbunds (WIGEV) im Zeitraum von 2018 bis 2022. (Symbolbild)
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Über 90 Prozent der jährlichen Gangbettenfälle sollen laut Bericht in der Unfallchirurgischen Abteilung der Klinik Ottakring sowie in der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie und der 2. Medizinischen Abteilung der Klinik Donaustadt verzeichnet worden sein.
Hierfür gebe es laut StRH weiteren Handlungsbedarf, "da die Maßnahmen des Gesundheitsverbundes zur Vermeidung dieser problematischen Versorgung nur bedingt die beabsichtigte Wirkung erzielten". Dem WIGEV wurde diesbezüglich "die Schaffung einer effektiven und nachhaltigen Lösung unter Einbindung der betroffenen Expertinnen bzw. Experten" nahegelegt.
WIGEV verweist auf Pandemiejahre
Der WIGEV erläuterte in Bezug auf die Gangbetten-Situation in seinen Spitälern, dass aufgrund des Versorgungsauftrags auch bei hoher Bettenauslastung neue Patientinnen und Patienten aufgenommen werden müssen. Einflussfaktoren seien unter anderem die Verteilung der Rettungseinsätze innerhalb Wiens. Zudem gäbe es viele ältere Patientinnen sowie Patienten, die zwar keine unfallmedizinische Betreuung mehr benötigen, jedoch aufgrund anderer Erkrankungen nicht entlassen oder zur Weiterbehandlung verlegt werden können.
- Zum Prüfbericht des Stadtrechnungshofs bezog der WIGEV Stellung – und verwies auf die besonderen Umstände während der Coronapandemie. (Symbolfoto)
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Am Dienstagabend folgte schließlich eine detallierte Stellungnahme des WIGEV zum StRH-Report. "Der Bericht des Stadtrechnungshofes bezieht sich auf die Jahre 2018 bis 2022, also größtenteils auf den Zeitraum während der Pandemie. Aus heutiger Sicht, im Jahr 2024, hat sich die Situation in den Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes seit den Pandemiejahren deutlich verbessert", betont Michael Binder, ärztlicher Direktor des WIGEV in einer Aussendung. Zudem hätte sich die Personalsituation in den Häusern des WIGEV im Vergleich zu den Pandemiejahren deutlich verbessert.
Im Jahr 2022 war die Belastung durch die Corona-Pandemie für die Krankenhäuser besonders hoch. Die Bettenauslastung erreichte ihren Höhepunkt, und es mussten Überbelagsbetten geschaffen werden, um Engpässe zu überbrücken. Seitdem habe sich die Situation entspannt: Aktuell seien laut WIGEV 1.129 Betten frei. Ein Bettenmonitoring ermögliche es, Patienten bei Bedarf in andere Häuser zu verlegen. Auch die Personalsituation habe sich im Vergleich zu den Pandemiejahren deutlich verbessert.
Kritik von Opposition
Die Opposition reagierte angesichts des StRH-Prüfberichts jedenfalls mit Kritik. FPÖ Wien-Chef Dominik Nepp sprach von "unhaltbaren Zuständen" und verwies auf den Bericht, der zahlreiche unbesetzte Stellen aufzeige – mehr zur Personalsituation hier:
Ärzte und Pflegekräfte würden "regelrecht in Scharen davonlaufen", weil die Arbeitsbedingungen unerträglich geworden sind, so Nepp in einer Aussendung. Er forderte Konsequenzen von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ).
Auch ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec kritisierte "Fehlplanungen" und "Missmanagement" beim WIGEV. Zahlreiche Abteilungen hätten mit Personalmangel zu kämpfen. Zudem habe die Zahl der Überlastungsanzeigen seit 2016 stark zugenommen, von 13 im Jahr 2016 auf 117 im Jahr 2022.
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