Volkshilfe will Kinderarmut abschaffen

Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, und Michael Fuchs, Studienautor am Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung, präsentierten das Modell der "Kindergrundsicherung".
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Mit der Einführung einer Kindergrundsicherung will die Volkshilfe Österreich die Kinderarmut bekämpfen. Armutsgefährdete Kinder sollen demnach bis zu 625 Euro monatlich erhalten.

WIEN. In Wien waren 2017 rund 98.000 Kinder unter 18 Jahren armutsgefährdet – also rund jedes fünfte Kind in der Bundeshauptstadt. Das ist zu viel, findet die Volkshilfe Österreich und kündigt an, die Kinderarmut abzuschaffen: „Es ist Zeit für einen großen Wurf“, so Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich.

Gemeinsam mit dem Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung wurde deshalb ein Modell für die Kindergrundsicherung präsentiert. Dieses soll bereits bestehende kinder- und familienbezogenen Leistungen ergänzen beziehungsweise ersetzen.

Dieses Modell sieht konkret so aus: Alle Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollen die Kindergrundsicherung erhalten. Sie soll zwölf Mal jährlich an die Eltern oder Erziehungsberechtigten ausbezahlt werden. Die Höhe der Leistung hängt vom Einkommen ab. Dabei gibt es zwei Komponenten: Die universelle von 200 Euro pro Monat, sowie die einkommensgeprüfte Komponente von maximal 425 Euro.

Ersetzen würde sie die Familienbeihilfe inklusive Geschwisterzuschlägen, das Schulstartgeld, den Mehrkindzuschlag, den Kinderfreibetrag und den Freibetrag für Kinderbetreuungskosten.

Bis zu 625 Euro pro Kind

Familien, deren Einkommen unter 20.000 Euro im Jahr liegt, sollen die einkommensgeprüfte Komponente zur Gänze ausbezahlt bekommen. Diese Familien würden somit auf 625 Euro pro Kind kommen. Bei einem Familieneinkommen ab 35.000 Euro soll nur die universelle Komponente von 200 Euro je Kind ausbezahlt werden. Bei Einkommen, die dazwischen liegen, variiert die Höhe der leistungsbezogenen Bezüge - im Durchschnitt würden Familien im Monat auf 334 Euro pro Kind kommen.

Die Höhe der Kindergrundsicherung setzt sich aus einer vorhergehenden Studie, die von der Volkshilfe in Auftrag gegeben wurde, zusammen. Dabei wurden vier Dimensionen definiert, die zur Berechnung der Kosten eines Kindes eine Rolle spielen: Die materielle Versorgung (Essen, Wohnen, Kleidung) mit 300 Euro pro Monat, die soziale Teilhabe mit etwa 95 Euro pro Monat, Bildungschance n mit Kosten von  200 Euro pro Monat und die gesundheitliche Entwicklung mit 30 Euro pro Monat.

Um allen Kindern eine altersgerechte Entwicklung garantieren zu können, will Fenninger das Modell zur Kindergrundsicherung durchsetzen: „Unser Ziel ist es, nicht mehr zuzusehen, dass Kinder durch den finanziellen Mangel eine nicht gelungenen Kindheit haben und letztlich ausgeschlossen werden von einer gelungenen Erwachsenenzeit.“

Mehrkosten von 2 Milliarden Euro

Das Modell wurde vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung durchgerechnet. „Das Modell wäre bei vertretbaren Kosten sozial erstaunlich treffsicher – bei gleichzeitig geringem administrativen Aufwand, da es auf einem bereits bestehenden Einkommenstest bei der derzeitigen Familienbeihilfe aufbaut“, sagt Studienautor Michael Fuchs. Das Zentrum kommt zum Ergebnis, dass bei Einführung der Kindergrundsicherung für alle Kinder Mehrkosten von rund 2 Milliarden Euro anfallen würden.

Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, und Michael Fuchs, Studienautor am Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung, präsentierten das Modell der "Kindergrundsicherung".
Autor:

Sophie Alena aus Mariahilf

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