13.07.2016, 05:30 Uhr

Kampf um den Grazer Hausberg

Mit Regeln für ein optimales Miteinander ist Freizeit im Wald möglich. (Foto: bilderBox)

Mountainbiker krachen mit Waldbesitzern und Förstern zusammen – Zeit, um Lösungen zu finden.

Sonntags gemütlich durch den Wald spazieren und die Rehlein aus der Ferne beobachten. Das war einmal. Der Wald ist längst zu einem hart umkämpften Territorium der Schwammerlsucher, Tourengeher und Wanderer geworden. Vor allem aber die Mountainbiker machen sich den Grazer Hausberg zu eigen. Um die Interessen aller Waldnutzgruppen bestmöglich zu wahren, folgte St. Radegunds Bürgermeister Hannes Kogler der Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung der ARGE und des Vereins XENOS.

Zuordnungen müssen her

Dass Mensch, Tier und Pflanzen sich überhaupt ein Ökosystem teilen, ist dem Forstgesetz aus dem Jahr 1975 zu verdanken, das die Wälder zum Freizeitterrain für alle erklärte. Von der Idylle im Grünen ist aber immer weniger zu spüren. Die Freizeitindustrie sorgt seit Jahren dafür, dass zwischen Sportlern und Wald- und Jagdbesitzern Konflikte entstehen. "Seit der Downhill-Europameisterschaft 2003 am Schöckl haben wir das Problem, dass sich niemand mehr um die Strecken gekümmert hat", sagt Bürgermeister Kogler. Trotz vereinbarter Nutzungsstrecken wird oft gefahren, wo nicht hingeschaut wird. Zum Ärger der Grundbesitzer und Förster. Dies mache die Kommunikation zwischen den Parteien bis dato schwierig. Für den Ortschef ist die Situation eindeutig: "Es müssen klar definierte Strecken und Zuordnungen her. Eine Nachfolgelösung hat es nie gegeben."

Naturschutz vs. Freizeitspaß

Für Ex-Handballtrainer und Mountainbiker Gunnar Prokop sind Biker auf illegalen Waldstrecken eine leidige, aber unvermeidbare Angelegenheit, gehören diese doch zu den "billigsten Sportstätten inmitten der Natur". Dietmar Gruber von der Mountainbikeinitiative 'upmove' setzte bei den Möglichkeiten des Tourismus an. Förster Gert Siebeneichler forderte eine Schadensminimierung und eine deutliche Kennzeichnung der Radler, damit Regelverstöße auch bestraft werden können. Darüber hinaus könnten, so Siebeneichler, nicht einfach alle Wege freigegeben werden, immerhin gelte das Eigentumsrecht. Auch auf Brunft- und Balzzeit sowie Wildruhezonen werde zu wenig geachtet. Forstbesitzer und Mountainbiker Harald Liess steht in der Mitte. Er selbst weist darauf hin, dass Mountainbiker seit den 1980er-Jahren vermehrt Ablehnung erfahren, obwohl es zu keinerlei Beeinträchtigungen für die Jagd an sich komme. Geeinigt hat man sich bei der Diskussionsveranstaltung auf die Festlegung von befahrbaren Zonen und Regelungen zwischen Forstbesitzern, Jägern, Naturfreunden, dem Alpenverein und den Mountainbikern.
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