30. Jänner 2016: Inside Akademikerball - oder: Von der Entzauberung des rechten Walzers

Christoph Schwarz ist Chefredakteur der bz-Wiener Bezirkszeitung.
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Um den Akademikerball, der am Freitag wie jedes Jahr in der Hofburg gefeiert wurde, ranken sich mittlerweile Mythen. Er ist zum Sinnbild, zum Symbol für die vernetzte Rechte geworden - eine unanständige Tanzerei zwielichtiger Gestalten mit noch zwielichtigerem Geschichtsverständnis.

Dem muss fast zwangsläufig so sein. Dass eine Veranstaltung, gegen die Tausende demonstrieren und die - von behelmten Polizisten bewacht - hinter Absperrgittern stattfindet, so einen Eindruck vemittelt? Wenig verwunderlich. Auch die wenigsten Medien machen sich ein objektives Bild vor Ort, sondern entsenden Praktikanten in verdeckter Lauschmission zum Ball. Das trägt nicht zu einer distanzierten, qualitätsvollen Berichterstattung bei.

Tatsächlich sind die Lehren eines Besuchs des Burschenschafterballs - nennen wir ihn doch einfach der Klarheit halber so - andere.

Erstens: Die Menschen dort treffen sich - so scheint es fast -, um einen netten Abend zu haben. Klingt trivial, ist aber so. Viele tanzen. Manche besser, andere weniger gut. Der Unterschied zu anderen Bällen? Keiner. Außer, dass sich der Burschenschafterball mit einer musikalisch abwechslungsreichen, mutigen Eröffnung dieses Jahr vielleicht sogar moderner gab als es manch anderer Traditionsball gemeinhin tut.

Zweitens: Keiner der anwesenden FPÖ-Granden verbrachte den Abend damit, vor Mikrofonen oder in belauschbaren Gesprächen sich oder sonst jemanden als "neuen Juden" zu bezeichnen oder unterstützt von zweifelhafter Gestik "drei Bier" zu bestellen. Ganz sicher hat irgendwann mal jemand drei Paar Würstel bestellt. Wahrscheinlich, weil er Hunger hatte und drei Paar Würstel essen wollte.

Drittens: Was man am Burschenschafterball an ausländer-, minderheiten- oder frauenfeindlichen Witzen oder Bemerkungen zu hören kriegt, liegt im Durchschnitt einer normalen österreichischen Gesellschaftsveranstaltung. Das muss man nicht gut finden. Wer einmal auf einer Abendveranstaltung der ÖVP länger als bis zum zweiten Gin-Tonic durchgehalten hat, hat aber sicherlich schon schlechtere Witze zu Ohren bekommen.

Fazit: Wahrscheinlich ist der Burschenschafterball tatsächlich einfach ein Ball. Das soll nicht darüber hinweg täuschen, dass sich dort auch Menschen treffen, deren Gesinnung man nicht teilen oder gar mögen muss. Man kann sie sogar verwerflich finden. Und wenn man glaubt, gegen Menschen mit anderer Meinung demonstrieren zu müssen, kann man sogar das (gewaltfrei) tun. Dass unsere Gesellschaft ein paar unterschiedliche Meinungen auch ohne Demonstration ganz gut verkraften würde, ist ein anderes Thema.

Den hochstilisierten Kampf zwischen Links und Rechts - Straßensperren, verwüstete Geschäftslokale und verängstige Besucher inklusive -, rechtfertigt der Ball an sich jedenfalls nicht.

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Autor:

Christoph Schwarz aus Wien

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