Große Verantwortung für die Feuerwehren

Landesfeuerwehrkommandant Reinhard Leichtfried vor dem heimatlichen Rüsthaus in Mariazell.
  • Landesfeuerwehrkommandant Reinhard Leichtfried vor dem heimatlichen Rüsthaus in Mariazell.
  • Foto: mariazellerland-blog.at
  • hochgeladen von Markus Hackl

Sie helfen da, wo Menschen in Gefahr sind: Brandeinsätze, technische Einsätze, Verkehrsunfälle, Befreiung aus Notlagen  - in Zeiten von Corona steht auch die Feuerwehr vor außergewöhnlichen Herausforderungen.

WOCHE -Redakteur Siegfried Endthaler sprach mit dem steirischen Landesfeuerwehrkommandanten Reinhard Leichtfried.
Herr Kommandant, wie gehen die Feuerwehren und ihre Einsatzkräfte generell mit der
aktuellen Krise um?
REINHARD LEICHTFRIED: Wie bei allen Einsatzorganisationen ist auch bei uns der allgemeine Dienstbetrieb praktisch auf Null gestellt. Es gibt seit über zwei Wochen keine Sitzungen oder Besprechungen mehr, auch der Übungs- und Ausbildungsbetrieb ist eingestellt. Es werden zurzeit auch keine Bewerbe und Leistungsprüfungen durchgeführt. Veranstaltungen sind von den Feuerwehren auf vorerst unbestimmte abgesagt worden. Es gibt im Moment auch keine Kameradschaftspflege, wie Geburtstagsfeiern oder ähnliches. Feuerwehrfremde Personen können jetzt aus Sicherheit auch nicht ins Feuerwehrhaus. Auch die Feuerwehrschule in Lebring hat den Ausbildungsbetrieb vorübergehend ausgesetzt. Für alle Feuerwehren gilt: Einzig und alleine der Einsatzdienst – und alle dazu erforderlichen Instandsetzungsarbeiten – werden im Moment abgewickelt. Deswegen kommen unsere Leute auch nur dann zum Feuerwehrhaus, wenn sie wirklich gebraucht werden.

Warum ist das notwendig:
"Wir wollen nach menschlichem Ermessen das Bestmögliche dazu beitragen, um die Infektionskette, also die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus, von unseren Feuerwehren fernzuhalten. Sodass wir auch langfristig einsatzbereit sind und durch allfällige Quarantänemaßnahmen im Gesamtsystem nicht geschwächt werden. Daher schützen wir uns. So wie sich andere Einheiten oder Organisationen schützen. Deswegen auch die strikten Einschränkungen in vielen Bereichen des Feuerwehrlebens. Hier geht es allen Verantwortungsträgern einzig und alleine darum, dass die Einsatzbereitschaft unserer Mitglieder und unserer Feuerwehren auch in dieser herausfordernden Zeit voll aufrecht erhalten bleibt.

Gibt es spezielle Schutzmaßnahmen bei einem Einsatz, wie schaut es beispielsweise mit der Abstandhaltung aus?
"Wir versuchen, die Bestimmungen, wie den Sicherheitsabstand, auch im Einsatzfall so gut als möglich einzuhalten. In den allermeisten Fällen gelingt uns das auch. Darauf schauen auch die Einsatzleiter, wie auch darauf, dass das Schutzvisier heruntergezogen ist und Handschuhe getragen werden. Aber wir haben auch viele weitere Vorsorgemaßnahmen getroffen. Wir arbeiten jetzt meist nur in kleinen Teams. Diese werden, bei nicht zeitkritischen, sozusagen kleineren technischen Einsätzen, auch nicht über die Sirene alarmiert, sondern über alternative Kommunikationskanäle. Im Einsatzfall setzen wir auch ganz stark auf persönliche Hygienemaßnahmen, die unseren Mitgliedern ohnedies bestens vertraut sind. Sprich Ausrücken nur in Schutzkleidung, kontaminierte Kleidung noch an der Einsatzstelle ablegen, kein Essen an der Einsatzstelle, entsprechende Körperhygiene nach dem Einsatz. Bei größeren Einsätzen schauen wir darauf, dass wir situationsbedingt nicht benötigte Kräfte wieder zeitnahe von der Einsatzstelle abziehen, wie wir auch darauf achten, unsere älteren Feuerwehrkameraden bestmöglich zu schützen.

Kommen jetzt auch vermehrt Zivildiener, die sich freiwillig gemeldet haben, zum Einsatz?
"Jene Zivildiener, die sich aufgrund der Coronavirus-Mobilmachung freiwillig gemeldet haben, werden nicht bei den Feuerwehren, sondern ausschließlich in Gesundheitsbereichen, wie bei  Pflege oder bei den Rettungsdiensten eingesetzt.

Merkt man, dass aufgrund der Ausgangsbeschränkungen weniger Einsätze bei Bränden oder Unfälle zu verzeichnen sind?
"Die derzeitigen Einschränkungen wegen des Coronavirus auf das Alltagsleben stehen natürlich auch im Zusammenhang mit den derzeitigen Einsatzzahlen. Und ja, diese sind im Moment tatsächlich weniger, das merkt man. Aktuell beträgt der Rückgang, so die Beobachtung in der Landesleitzentrale Florian Steiermark, etwas mehr als fünfzig Prozent, also rund die Hälfte gegenüber dem gewohnten Alltagsbetrieb. Aber trotzdem gibt es nach wie vor zahlreiche Brände, Brandmeldealarme, Unfälle und Schadstoffeinsätze, zu denen unsere Feuerwehren ausrücken müssen.

Weniger Ausgang heißt für die meisten Menschen vermehrt zuhause sein, ob beruflich oder privat:
"Durch den Umstand, dass die Menschen sehr viel Zeit im eigenen Zuhause verbringen, lauern hier einige Brandgefahren, auf die wir immer wieder hinweisen. Mögliche Gefahrenquellen sind da in punkto Homeoffice beispielsweise Laptop oder Akkus. Weitere Gefahren reichen über das Heizen (offener Kamin, Gasthermen) oder über Kochen (heißes Öl bzw. Fett) bis hin zum Rauchen am Balkon (Zigarettenstummel, heiße Asche). Natürlich betrifft das auch offenes Kerzenlicht.
Gerade in Zeiten von Corona ist es wichtig, die Brandgefahren so niedrig als möglich zu halten. Daher mein bzw. unser Appell - trennen Sie nicht genutzte Geräte von der Stromzufuhr. Denn elektrische Geräte erzeugen allesamt Hitze und Wärme und können bei Unaufmerksamkeit oder durch unsachgemäße Bedienung zu einem Brand führen. Brennbare Gegenstände, dazu zählt auch Kleidung zum Trocknen, gehören nicht in die Nähe von Wärmequellen wie Heizkörper, Öfen oder gar in die Nähe von heißen Kochplatten.
Während des Kochens oder während des Bügelns bitte nicht ablenken lassen. Wenn das Telefon läutet zuerst den Herd ausschalten, dann die Töpfe oder Pfannen auf die Seite stellen und erst dann den Anruf entgegennehmen. Selbiges gilt natürlich für das Bügeln. Das Bügeleisen ausschalten, gesichert abstellen, und erst dann zum Telefon greifen.
Und wenn sich heißes Öl doch einmal entzünden sollte, dann auf gar keinen Fall mit Wasser löschen!! Denn brennendes Öl oder Fett, das mit Wasser gelöscht wird, führt zu einer explosionsartigen Brandausbreitung, ein riesiger „Feuerball“ entsteht. Da besteht akute Lebensgefahr. Daher: wenn Öl oder Fett zu brennen beginnt, nicht in Panik verfallen, sondern Flammen am besten mit dem Pfannendeckel oder mithilfe einer Löschdecke ersticken.

Was können die Menschen sonst noch tun, um in diesen Zeiten die Arbeit der Feuerwehr zu unterstützen bzw. zu erleichtern?
"Was wir für den Moment wirklich empfehlen ist, die Maßnahmen der Regierung ernst zu nehmen und auch entsprechend einzuhalten. Das hilft uns allen. Und für die Zeit nach der Corona-Krise – besuchen Sie wieder die Veranstaltungen Ihrer Feuerwehr. Damit unterstützen Sie uns am besten. Oder werden Sie selbst Teil unserer großen Feuerwehrfamilie. Aber das Wichtigste für Jetzt: passen Sie gut auf sich und Ihre Lieben auf – und bleiben Sie gesund!

In diesem Zusammenhang möchte ich auch allen unseren Feuerwehrmännern und Feuerwehrfrauen danken, die sich in dieser besonders herausfordernden Zeit den strikten Maßnahmen unterwerfen und sich für ihre Mitmenschen in Not einsetzen. In diesen Tagen und Wochen kommt auf alle von uns eine große Verantwortung zu. Jede und jeder einzelne von uns hat es in der Hand, wie sich die Situation entwickelt. Danke für euer Verständnis, aber auch Danke für eure Menschlichkeit!!


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