18.10.2016, 15:29 Uhr

"Ich trete in große Fußstapfen"

Superior Pater Michael Staberl: "Die Werte der Benediktiner haben mich schon in jungen Jahren fasziniert."

Seit 1. Oktober ist Pater Michael Staberl als Superior der Basilika Mariazell in Amt und Würden.

Auf die Welt gekommen ist er im Feuerwehrhaus in Mariazell. Jetzt, 45 Jahre später, wirkt er nur einige Häuser weiter in der Basilika. Pater Michael Staberl ist ein waschechter Mariazeller. Kürzlich ist er vom Stadtpfarrer von Mariazell zum Superior aufgestiegen. Damit tritt er in die Fußstapfen von Pater Karl Schauer, der beinahe ein Vierteljahrhundert an diesem Ort wirkte und nun in der Diözese Eisenstadt das Amt des Bischofsvikars antritt.
Im WOCHE-Interview erklärt Pater Michael sein neues Aufgabengebiet:

Vom Stadtpfarrer zum Superior: Wie stark verändert sich Ihr Aufgabengebiet?
PATER MICHAEL STABERL: Es ist ein völlig neues Aufgabengebiet. Als Pfarrer war ich mit den Menschen vor Ort verbunden, sozusagen von der Taufe bis zum Begräbnis. Als Superior bin ich für die Wallfahrer, die nach Mariazell kommen, zuständig. Das Spektrum ist ein viel weiteres. Mariazell ist ein Wallfahrtsort im Herzen Mitteleuropas. In meiner neuen Funktion stehe ich weit mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit als bisher.

Gibt es eine Aufgabenteilung zwischen dem neuen Stadtpfarrer Pater Christoph Pecolt und Ihnen?
Bis zum Jahr 1949 lagen beide Ämter in einer Person vereint. Mittlerweile hat sich die Trennung der Ämter bewährt, es haben sich auch die Aufgaben vervielfacht. Als Superior bin ich für Haus und Kirche verantwortlich, darum muss sich der Stadtpfarrer nicht kümmern. Weiterhin möchte ich mich jedoch in die Jugendarbeit in Mariazell einbringen, das ist mir ein großes Anliegen. Ich werde auch Feuerwehrseelsorger für die Steiermark bleiben.

Wie groß ist der Einfluss des Stammordens St. Lambrecht auf die Basilika Mariazell?
Hier in Mariazell sind wir sozusagen eine Filiale des Stiftes St. Lambrecht. Der Abt in St. Lambrecht ist unser Chef, das ist so seit 1157. Der Superior ist defacto der Geschäftsführer der Filiale. Wir agieren jedoch ziemlich autonom. Einmal jährlich müssen wir den Rechnungsabschluss vorlegen. Mit Basilika, den Filialkirchen Sigmundsberg, St. Sebastian und Heiliger Brunnen sowie dem Ordenshaus und dem Stammpersonal von insgesamt acht Patres und geschätzten 500.000 Kirchenbesuchern ist es abgesehen vom spirituellen Wirken doch ein ansehnlicher Wirtschaftsbetrieb, den es zu verwalten gilt.

Wie steht es um die Basilika? Die Renovierungsarbeiten sind ja soweit abgeschlossen. Was ist noch zu tun?
Pater Karl hat beste Arbeit geleistet. Ich übernehme ein Haus, das mustergültig in Schuss gebracht wurde. Jetzt gilt es, dieses architektonische Erbe bestens zu erhalten. Wie bei jedem Haus, sollte man sich auch bei einer Kirche laufend um die Erhaltung kümmern. Die Aufgabe wird dadurch nicht kleiner.

Im Wallfahrtsort trifft Kirche auf Tourismus, Spiritualität auf Kommerz. Ist dieser Spagat aus kirchlicher Sicht überhaupt machbar?
Natürlich ist es ein Spannungsfeld. Für mich aber kein negatives. Man darf die Menschen nicht trennen zwischen Pilger und Touristen. Ein Wallfahrer, der Kerzen, Lebkuchen, Magenbitter und Mitbringsel kauft, hier sein Schnitzel isst, mit dem Ruderboot den Erlaufsee erkundet und mit der Seilbahn auf die Bürgeralm fährt, tut seinem Glauben ja keinen Abbruch. Es ist doch schön, wenn er das tut. Umgekehrt profitiert die Kirche davon, wenn ein Urlaubsgast hier in Mariazell mit der Kirche in Berührung kommt. Gerade deswegen sehe ich beispielsweise auch im Mariazeller Advent eine positive Kraft.

Was bedeutet dieser Wallfahrtsort Mariazell für Sie persönlich?
Mariazell ist mein Heimatort. Und: Mariazell hat ein Geheimnis, welches nicht erklärbar ist. Dieses Geheimnis ist nicht von Menschen gemacht. Unsere Aufgabe ist es, damit meine ich alle Mariazeller, mit dieser Strahlkraft gut umzugehen.

Lebenslauf:
Der Werdegang des Paters Michael Staberl:
• Geboren und aufgewachsen in Mariazell;
• HTL St. Pölten (Elektronik);
• Theologiestudium in St. Pölten und Wien;
• 1996 ins Benediktiner-Stift St. Lambrecht eingetreten;
• Doktoratsstudium in Wien (Kirchengeschichte);
• Kaplan in St. Lambrecht
• seit 2004 Stadtpfarrer von Mariazell;
• seit 2006 Landesseelsorger des Landesfeuerwehrverbandes Steiermark, auch aktives Mitglied der Feuerwehr Mariazell.

Hier gehts zu: Auszeichnung für Pater Karl Schauer
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