Zweit- und Nebenwohnsitze
Wirtschaftlicher Impuls mit Schattenseiten
- Wohnraum und Wirtschaft im Blick: Hermagor steht stellvertretend für die Chancen und Herausforderungen rund um Nebenwohnsitze.
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Nebenwohnsitze bringen Kaufkraft in den Bezirk Hermagor, erhöhen aber auch den Druck auf Immobilien und Wohnraum. Wirtschaft und Gemeinde sehen Chancen und Herausforderungen.
HERMAGOR. Rund 2.550 Nebenwohnsitze gibt es in der Stadtgemeinde Hermagor-Pressegger See. Sie beleben Handel, Gastronomie und Dienstleistungen – gleichzeitig verschärfen sie die Wohnraumfrage.
Wirtschftskraft mit Nachteilen
Wenn am Wochenende die Koffer ausgeladen werden und in einer Wohnung wieder Licht brennt, beginnt für die regionale Wirtschaft ein kleiner zusätzlicher Wirtschaftskreislauf. Neben- und Zweitwohnsitzbesitzer verbringen Zeit in der Region, konsumieren, nutzen Freizeitangebote und beauftragen heimische Betriebe. Gleichzeitig stehen Gemeinden und Einheimische vor der Frage, wie viel Wohnraum für die Bevölkerung verfügbar bleiben muss und welche Rolle Immobilien für den Tourismus spielen sollen.
Kaufkraft für die Region
Für Christian Wastian, Bezirksleiter der Wirtschaftskammer Kärnten im Bezirk Hermagor, sind Nebenwohnsitze weder grundsätzlich positiv noch negativ zu bewerten. Entscheidend sei die Ausgestaltung. Wer regelmäßig im Bezirk lebt, wird zum Kunden für Handel, Gastronomie, Freizeitwirtschaft und persönliche Dienstleistungen. Auch Handwerker profitieren: Rund um Immobilien entstehen Aufträge für Bauunternehmen, Installateure, Elektriker, Reinigungsfirmen sowie Garten- und Landschaftspfleger.
- Christian Wastian, Bezirksleiter der Wirtschaftskammer Kärnten im Bezirk Hermagor
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Auch Tourismus profitiert
Nebenwohnsitzbesitzer nutzen zudem Ausflugsziele und touristische Angebote. Manche Wohnungen werden außerdem vermietet und tragen damit direkt zu Nächtigungen bei. Eine genaue Summe, welche zusätzliche regionale Wertschöpfung durch Nebenwohnsitze entsteht, könne die Wirtschaftskammer Kärnten allerdings nicht seriös beziffern. „Eine konkrete Summe oder Schätzung wäre daher aus unserer Sicht nicht seriös“, erklärt Wastian.
Hermagor zählt 2.550 Nebenwohnsitze
In der Stadtgemeinde Hermagor-Pressegger See gibt es laut Bürgermeister Leopold Astner derzeit rund 2.550 Nebenwohnsitze. Etwas mehr als die Hälfte davon befindet sich im Besitz von Inländern. Die Zahl steigt seit einigen Jahren leicht. Für Astner sind die Besitzer auch wirtschaftlich relevant: Sie nutzen die touristische Infrastruktur und sorgen für zusätzliche Nachfrage in Handel und Dienstleistungsbereich. Ein Teil der Wohnungen werde zudem touristisch vermietet.
- Leopold Astner, Bürgermeister Stadgemeinde Hermagor
- Foto: privat
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„Warme“ statt „kalte“ Betten
Für die gewerbliche Beherbergung kann eine starke Zunahme allerdings zum Problem werden. Hotels und professionell vermietete Ferienwohnungen schaffen laufend Nächtigungen, Beschäftigung und Wertschöpfung. Ein privat genutzter Zweitwohnsitz steht dagegen häufig einen Großteil des Jahres leer. Wastian spricht deshalb vom Unterschied zwischen touristisch bewirtschafteten „warmen Betten“ und zeitweise genutzten „kalten Betten“. Problematisch werde es vor allem dann, wenn Zweitwohnsitze Flächen binden, die für die touristische Entwicklung gebraucht würden.
Wohnraum wird zum Standortfaktor
Die zweite Seite der Entwicklung zeigt sich am Immobilienmarkt. Steigt die Nachfrage nach Wohnungen und Baugrund, können auch die Preise steigen. „Die einheimische Bevölkerung kann sich dann oft die Wohnung oder den Baugrund nicht mehr leisten“, sagt Astner. Für Unternehmen wird leistbarer Wohnraum zugleich zu einer wirtschaftlichen Frage: Finden Beschäftigte keine passende Unterkunft in Arbeitsplatznähe, wird die Suche nach Mitarbeitern schwieriger.
Nicht nur Zweitwohnsitze sind schuld
Wastian warnt jedoch vor einer zu einfachen Erklärung. Hohe Grundstücks- und Baukosten, geringe Neubautätigkeit, Leerstände und touristische Nutzungen beeinflussen den Wohnungsmarkt ebenfalls. Auch Astner verweist darauf, dass Nebenwohnsitze nicht immer neu geschaffen werden: Wird ein bisheriger Hauptwohnsitz innerhalb der Familie vererbt und von der nächsten Generation nicht dauerhaft bewohnt, kann daraus ein Nebenwohnsitz entstehen.
Abgabe bringt Einnahmen
Die Stadtgemeinde Hermagor-Pressegger See hebt für Wohnungen ohne Hauptwohnsitz eine Zweitwohnsitzabgabe ein. Das betrifft derzeit rund 500 Wohnungen. Die Höhe richtet sich nach der Wohnungsgröße. Das neue Zweitwohnungsabgabegesetz ermöglicht Gemeinden zudem eine Anpassung der Abgabe, um zusätzliche Kosten etwa für Straßen, Erhaltung und Beleuchtung abzudecken.
Geförderter Wohnbau als Lösung
Einheimischen dauerhaft leistbaren Wohnraum zu sichern, ist laut Astner besonders schwierig. „Wohnungen nur für die einheimische Bevölkerung sicherzustellen gelingt zumeist nur im geförderten sozialen Wohnbau“, sagt der Bürgermeister. Gleichzeitig müsse die Gemeinde darauf achten, welche Nutzung langfristig die größere wirtschaftliche Wirkung erzielt. Eine reine touristische Nutzung könne laut Astner eine höhere Wertschöpfung bringen als ein nur wenige Wochen im Jahr genutzter Zweitwohnsitz.
Balance statt Grundsatzstreit
Für die Wirtschaftskammer Kärnten geht es deshalb nicht um ein einfaches Ja oder Nein zu Nebenwohnsitzen. Sie bringen zusätzliche Nachfrage und können zahlreiche Branchen stärken. Gleichzeitig dürfen gewerbliche Tourismusangebote und leistbarer Wohnraum nicht ins Hintertreffen geraten. Wastian sieht die entscheidende Aufgabe daher in einer ausgewogenen Entwicklung: Nebenwohnsitze sollen wirtschaftliche Impulse bringen, ohne jene Flächen und Wohnungen zu verdrängen, die für einen funktionierenden Tourismus, die Bevölkerung und die Beschäftigten im Bezirk Hermagor benötigt werden.
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