04.09.2014, 04:00 Uhr

Das harte Match mit dem eigenen Körper

Abläufe durchgehen: Mentalcoach Kathrin Pletschnig (r.) betreut Triathletin Lisi Gruber beim Schwimmtraining in der Auster. (Foto: geopho.com)

Mentaltrainer helfen Sportlern dabei, ihre Leistung zu steigern und Grenzen auszuloten.

Deine Beine fühlen sich an wie Blei, jeder Schritt tut weh, dein Kopf brummt und dein ganzer Körper schreit: Bleib stehen! Setz dich hin! Lass es endlich gut sein! Aber dein Kopf flüstert ganz leise: Mach weiter, du schaffst das, es ist gar nicht mehr so weit. Und obwohl du gerade kilometerweit geschwommen, radgefahren und gelaufen bist und jeder deiner Muskeln das Gegenteil will, machst du weiter und du weißt: dein Kopf hat deinen Körper besiegt! Doch der Weg zu diesem Triumph über sich selbst kann lang und hart sein.


Positive Gedanken

Die Aufgabe eines Mentaltrainers ist es, dem Sportler dabei zu helfen, dieses Match im eigenen Körper zu gewinnen. Denn egal, ob Triathleten, Tennisspieler oder Fußballer, egal, ob im Training oder im Wettkampf: Jeder Sportler hat schon mit negativen Gedanken zu kämpfen gehabt. Gedanken, die ihn davon abhalten, seine Ziele zu erreichen.

Fokus

„Es geht immer um den richtigen Fokus: Wenn sich ein Athlet im Wettkampf schlapp fühlt und ärgert, nicht öfter trainiert zu haben, nützt ihm das nicht. Er muss sich auf das Hier und Jetzt und seine Leistung in diesem Moment konzentrieren“, erklärt Kathrin Pletschnig, Mentalcoach und sportpsychologische Beraterin.

Technik

Diese Fähigkeit kann durch bestimmte Techniken trainiert werden: etwa mit Konzentrations-, Entspannungs- und Meditationsübungen, bei denen der Sportler lernt, sich auf den eigenen Körper zu fokussieren. „Wenn man so etwas regelmäßig trainiert, kann man es auch im Wettkampf abrufen“, so Pletschnig.

Der Körper als Maschine

Triathletin Lisi Gruber vom „Pewag Racing Team“ aus Graz erwartet sich vom Mentalcoaching durch Kathrin Pletschnig, ihre eigenen Grenzen weiter auszuloten: „Ich muss mich noch stärker selbst überwinden und in den Schmerz hineingehen“, erklärt die Ausdauersportlerin. „Es hilft mir zum Beispiel mir vorzustellen, dass mein Körper eine gut funktionierende Maschine ist, um wieder in den Rhythmus zu kommen, wenn ich im Wettkampf mit den Gedanken abschweife.“

Lösungen finden

Zusätzlich können sportpsychologische Ansätze dabei helfen, leistungshemmende Faktoren wie etwa Stress oder Angst zu bekämpfen. „Es steht immer der Sportler im Mittelpunkt. Er kommt mit einem Anliegen zu mir und wir versuchen gemeinsam, dem Problem auf den Grund zu gehen. Meine Aufgabe ist es, mit ihm zusammen Lösungen dafür zu finden“, erklärt die Sportwissenschafterin. Das können – je nach Fall – zum Beispiel Hypnose oder verbesserte Kommunikationsprozesse zwischen Trainer und Athlet sein.

Nicht ohne Fitness

Klar ist aber, dass mentales Training alleine nicht ausreicht: „Die sportliche Leistungsfähigkeit setzt sich aus drei Komponenten zusammen“, weiß auch Pletschnig, „den technischen Fähigkeiten, der physischen Vorbereitung, – also Kraft, Kondition, Beweglichkeit usw. – und natürlich aus dem psychischen Aspekt“.
(Weitere Informationen unter www.kathrinpletschnig.com)

WOCHE Wissen

Mit dem SK Sturm und den Graz 99ers kommen die zwei größten Sportvereine der Stadt ohne Mentalcoach aus.
Einzelne Spieler, wie z. B. Sturm-Goalie Christian Gratzei, lassen sich trotzdem mental betreuen.
Mentaltrainer ist in Österreich kein geschützter Berufstitel.
Wer mentales Training in Anspruch nimmt, sollte sich über die Ausbildung des Trainers erkundigen.
160 Tage Ausbildungsdauer sind ein Richtwert, der Titel Coach statt Trainer ein Qualitätsmerkmal.
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