In Erinnerung an eine Legende
Hermann Buhl, Nanga Parbat-Erstbesteiger, vor 100 Jahren geboren
- Hermann Buhl bei einem Interview nach der Bezwingung des Nanga Parbat, Pakistan, 1953 (Alpenverein-Museum Nachlass Buhl)
- Foto: Chaudhry, Lahore.
- hochgeladen von Georg Herrmann
Die Tiroler Bergsteigerlegende und Erstbesteiger der beiden Achttausender Nanga Parbat und Broad Peak, Hermann Buhl, wäre 100 Jahre alt geworden. Der 1924 in Innsbruck geborene Extrembergsteiger verunglückte mit nur 32 Jahren auf der Chogolisa im Karakorum.
INNSBRUCK. Hermann Buhl wird als einer der Pioniere des modernen Alpinismus angesehen, da er auf seinen Touren mit minimaler Ausrüstung und ohne künstlichen Sauerstoff aufstieg. Zu seinen Ehren organisiert das Land Tirol eine Gedenkveranstaltung. Buhl zählt zu den herausragendsten Persönlichkeiten der Bergsteigergeschichte, zahlreiche Solo- und Erstbesteigungen sind ihm zu verdanken. Seine ersten Klettererfahrungen sammelte er in den Bergen seiner Heimat, darunter die Innsbrucker Nordkette, das Kaisergebirge, das Wettersteingebirge und die imposanten Kalkkögel. Nach seiner Zeit als Gebirgsjäger im Zweiten Weltkrieg, gefolgt von amerikanischer Kriegsgefangenschaft, machte der ausgebildete Speditionskaufmann durch eine Bergführerausbildung seine Leidenschaft zum Beruf.
- Hermann Buhl wäre dieser Tage 100 Jahre alt geworden.
- Foto: Archiv
- hochgeladen von Florian Haun
"Killer Mountain"
Hermann Buhls Entdeckungsdrang führte ihn bald auch in die Schweizer Alpen, die er mit dem Fahrrad und Zug bereiste. 1952 meisterte er die anspruchsvolle Nordostwand des Piz Badile. Nach dem Abstieg machte er sich sofort auf den Rückweg, war jedoch so erschöpft, dass er während der Fahrt einschlief, von seinem Rad stürzte und in den reißenden Inn fiel. In letzter Minute gelang es ihm, sich aus dem Fluss zu retten. Im selben Jahr bezwang er auch die berüchtigte Eiger-Nordwand und wurde zur ersten deutsch-österreichischen Nanga-Parbat-Expedition nach dem Zweiten Weltkrieg eingeladen.
Die Besteigung des Nanga Parbat, der wegen seiner Gefährlichkeit auch „Killer Mountain“ genannt wird, machte Buhl weltweit bekannt. Am 3. Juni 1953 erreichte er als Erster im Alleingang den unberührten Gipfel auf 8.125 Metern. In seinem Gepäck befanden sich ein Eispickel, eine Gipfelfahne und ein Fotoapparat.
Die Bedingungen waren äußerst widrig, da ein Monsun über den Berg hereingebrochen war. „Plötzlich setzt ein gewaltiger Sturm ein“, erinnerte sich Buhl später. „Er rüttelt an den Zelten, drückt gegen meine Zeltseite und zwingt mich immer mehr in die Mitte.“ Während sein Begleiter Otto Kempter den Aufstieg aufgab, setzte Buhl seinen Alleingang fort und erreichte nach 17 Stunden den Gipfel. Doch der Abstieg wurde noch dramatischer: Er musste in einer Felswand im Stehen biwakieren und kehrte erst nach 41 Stunden in das Lager auf 6.900 Metern zurück. Die Expedition forderte ihren Preis: Buhl erlitt schwere Erfrierungen und verlor mehrere Zehen.
Lesung am 19. November im Tiroler Landesarchiv
Das ewige Grab
Vier Jahre nach seiner legendären Nanga-Parbat-Besteigung brach Hermann Buhl zusammen mit Kurt Diemberger, Fritz Wintersteller und Marcus Schmuck zu einer weiteren großen Herausforderung auf: dem 8.051 Meter hohen Broad Peak. Die Erstbesteigung gelang der Gruppe, und Buhl wurde der erste Mensch, der zwei Achttausender bezwungen hatte. Doch nur 18 Tage später, am 27. Juni 1957, fand er im Masherbrum-Gebirge in Pakistan seinen tragischen Tod. Beim Abstieg von der Chogolisa wurde er von einer abbrechenden Schneewechte in die Tiefe gerissen. Buhl und Diemberger hatten wegen eines Schneesturms ihren Versuch, den Gipfel zu erreichen, abbrechen müssen. Beim Abstieg bemerkte Diemberger nur ein plötzliches Vibrieren der Schneedecke im dichten Nebel, bevor sein Kamerad verschwand. Buhl hinterließ seine Ehefrau Eugenie und drei Töchter. Seine Kindheit war von schwierigen Umständen geprägt: Nach der Einweisung seiner Mutter in eine psychiatrische Anstalt wuchs der gebürtige Innsbrucker zeitweise in einem Waisenhaus auf. Laut seiner Tochter Kriemhild, die in einer ServusTV-Dokumentation zu seinem 100. Geburtstag sprach, erzählte Buhls Vater den Kindern, ihre Mutter sei gestorben. Tatsächlich wurde sie jedoch von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Mauthausen ermordet.
- Gertrud von Kunowski, "Ich bezwang den Nanga Parbat", Porträt von Hermann Buhl, Aquarell, 1953
- Foto: Alpenverein-Museum, Innsbruck.
- hochgeladen von Georg Herrmann
Mehr zu Hermann Buhl auf MeinBezirk finden Sie hier
Gedenken
Das Land Tirol erinnert am 19. November an einen seiner größten Söhne. Das Tiroler Landesarchiv und der Österreichische Alpenverein laden zu einer Lesung mit Kriemhild Buhl und einem Gespräch mit Kurt Diemberger. LH Anton Mattle, selbst begeisterter Alpinist, lobte Buhls Nanga Parbat-Erstbesteigung als "eine bis heute unvorstellbare Leistung. Der zu seiner Zeit beste Bergsteiger der Welt bleibt weiterhin eine Bergsteigerlegende mit vielen Bewunderern." Und auch einer von Buhls Nachfolgern als Alpinismus-Ikone, Reinhold Messner, will dem Tiroler offenbar ein Denkmal setzen - und zwar mit einem Film über dessen 1953er-Erstbesteigung des Nanga Parbat, sollte er die notwendigen Mittel dafür aufstellen können. "Richtig auserzählt ist diese Geschichte immer noch nicht. Es handelt sich um die größte österreichische Berg-Erfolgsgeschichte, die es gibt. Was da passiert ist, das ist sehr spannend", erklärte Messner jüngst im APA-Interview anlässlich seines 80. Geburtstages voller Hochachtung über Buhl und dessen Leistung.
- Der Hermann-Buhl-Platz am Fuße der Innsbrucker Nordkette.
- Foto: OeAV/Norbert Freudenthaler
- hochgeladen von Georg Herrmann
Link einfügen
Video einbetten
Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.
Karte einbetten
Social-Media Link einfügen
Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.
Code einbetten
Beitrag oder Bildergalerie einbetten
Foto des Tages einbetten
Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten
Du möchtest selbst beitragen?
Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.