Dust Bolt: Die Thrash-Aufsteiger im Interview

Sänger Lenny (links) und Bassist Bene im Gespräch mit dem Bezirksblatt.
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  • Sänger Lenny (links) und Bassist Bene im Gespräch mit dem Bezirksblatt.
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Bezirksblatt: Ihr seid ja sehr schnell sehr berühmt geworden. Wie geht es euch dabei und was ist euer Erfolgsrezept?

Lenny:
Wir würden uns jetzt nicht als "berühmt" bezeichnen, da sich in unseren Augen nicht viel geändert hat. Wir sind die Gleichen geblieben und machen immer noch das, was wir früher schon gemacht haben. Wir arbeiten hart daran, dass wir weiterkommen, und jetzt werden wir für unsere Arbeit belohnt, indem wir Headliner-Shows spielen können und eigene Fans haben. Und das freut uns riesig.

Wie stehen denn eure Eltern zu eurer Musik? Gehen die auch auf eure Konzerte?

Bene: Ja mein Vater ist heute lustigerweise auch in Innsbruck und schaut sich das Konzert an. Unsere Eltern haben uns von Anfang an mit allen Kräften unterstützt, haben uns zu Gigs gefahren, uns unsere Instrumente gekauft und den Musikunterricht bezahlt. Und auch als die Musik dann härter wurde, haben sie uns immer unterstützt. Wir sind ihnen dafür echt dankbar, denn ohne die wär es nie so weit gekommen.

Von den Anfängen als Coverband habt ihr ja bald begonnen, eigene Musik zu machen. Wann ist euer allererster eigener Song entstanden? Wurde der je veröffentlicht?

Lenny: Nein, der wurde nie veröffentlicht. Da war man halt 13 oder 14 und das klang halt dementsprechend furchtbar...

Bene: Wir haben noch Aufnahmen von ganz ganz früher, und die anzuhören fühlt sich so an wie eine Mischung aus Comedy und Scham. Am Anfang haben wir Punk gespielt und dann kam halt so der verzweifelte Versuch, ein bisschen Metal zu machen…wir waren halt saujung und das hört man da.

Ihr hattet ja zu dieser Zeit auch noch einen anderen Bandnamen, oder?


Lenny:
Ja, "Die Letzten" hießen wir damals. Zu dem punkigen Zeug und den deutschen Texten hat das super gepasst. Aber du kannst nicht Thrash Metal machen und auf englisch singen und dann heißt du "Die Letzten".

Euer Musikstil hat einen starken Bezug zu den 80er-Jahren. Nachdem ihr ja die 80er selbst nicht miterlebt habt – habt ihr eine besondere Verbindung zu dieser Zeit oder gefällt euch einfach nur der Stil?

Lenny: Schwer zu sagen. Erst kam halt, dass man die Musik aus den 80er Jahren, der "Blütezeit" des Thrash Metal, gehört hat, dann hat man halt angefangen, sich ein bisschen damit zu beschäftigen, welche Sachen damals so waren. Aber ich würd jetzt nicht sagen, dass wir "Retro-Typen" sind, die um jeden Preis wieder in den 80ern leben wollen. Es war halt 'ne coole Zeit für Metal und es gab das Internet und die ganzen Downloadsachen noch nicht und daher waren z.B. Konzerte auch noch intensiver, da sie einfach was "Besonderes" waren. Sonst hören wir aber auch Sachen aus den 60er oder 70er-Jahren, so wie Black Sabbath und Led Zeppelin und co.

Und wie steht es bei euch um "moderne", elektronische Musik? Hat es euch auch schon mal auf eine Technoparty verschlagen?

Bene: Ja, desto später die Stunde… Wie du sagst, einen "verschlägsts" auf so 'ne Party. Wir würden niemals sagen: "So, heute gehn wir auf 'nen Rave", weil wir alle jetzt nicht so die Tanzmäuse sind, aber wir sind andererseits auch nicht so und sagen: "Boah, in so nen Laden gehen wir nicht rein, bei uns darfs nur Metal sein".

Lenny: Es ist auch mal witzig, die "andere" Seite zu sehen, ich nehm das dann immer mit Humor.

Wie sieht euer Touralltag aus? Habt ihr überhaupt noch Zeit um euch in den Städten umzuschauen oder geht's da von einem Gig zum nächsten?

Lenny: Normalerweise sind wir am Wochende unterwegs, weil wir unter der Woche arbeiten und studieren gehen. Da fahren wir dann selber mit dem Van und planen das je nach Stadt ob wir früher losfahren. Und jetzt haben wir eine Tour, die drei Wochen am Stück geht, und da hängt es immer davon ab, wann man ankommt. Es gibt halt auch immer was zu tun den ganzen Tag, aber meistens schaffen wir es schon, dass wir uns die Städte anschauen können. Das ist das Coole, wenn man an so kurzer Zeit an so vielen Orten ist und massenhaft Eindrücke mitnehmen kann.

On Tour verbringt man ja fast 24 Stunden am Tag miteinander. Wie kommt ihr da miteinander klar, gibt's da öfters Reibereien?

Bene: Mich erschreckts selber, ich hab heute nachgedacht über die letzte Woche und untereinander funktioniert es so krass gut, also als Dust Bolt und auch mit der ganzen Crew verstehen wir uns astrein. Wenn wir daheim im Proberaum sind, knarzt es öfter mal als hier.

Lenny: In der Konstellation sind wir auch schon 8-9 Jahre unterwegs, und es kennt jeder jeden. Klar gibts ab und zu schon Streitereien, aber daran zerbricht ja nicht gleich die ganze Freundschaft, sondern da sagt halt der eine "He du Depp" und der andere sagt "Ja, ok" und dann passt es wieder. Auf Tour sind wir so um die 20 Leute und man hängt ja nicht dauernd nur zu viert untereinander ab.


Seid ehrlich: Wie schauts jetzt in diesem Moment in eurem Proberaum aus? Herrscht da Messie-Chaos?

Bene: Absolut, voll, ja.

Lenny: Es sah richtig schlimm aus, als wir raus sind...

Bene: Wir haben unser neues Musikvideo "Agent Thrash" im Proberaum gedreht und seitdem haben wir nicht mehr aufgeräumt. Zum Proben haben wir halt alles so ein bisschen auf die Seite gekickt.

Probt ihr jede Woche?
Bene: Ja schon; es hängt immer davon ab, was gerade ansteht. Wenn wir ins Studio gehen, planen wir das Proben auf die Ferien, sodass wir zwei Wochen am Stück haben. Und vor Konzerten schauen wir auch, dass man einen Tag davor nochmal proben kann und die Sachen packt.

Das Jahr 2015 hat für euch ja schon mal mit einer großen Tour begonnen – was habt ihr denn heuer noch alles vor?
Lenny: Erstmal diese Tour mit Obituary und danach ein bisschen ausruhen im Vergleich zum letzten Jahr. Also ein bis zwei Monate spielen wir dann gar nicht und dann hauptsächlich Festivals, und weniger Clubshows. Letztes Jahr haben wir sehr viel in Clubs gespielt, und wir wollen nicht alles doppelt spielen.

Bene: Vielleicht fangen wir mal an 2015 ans neue Album zu denken. Konkret haben wir aber noch nichts geplant. Wir wollen ohne Druck in den Proberaum gehen und spielen, da wollen wir uns auch ein bisschen mehr Zeit nehmen, ganz ohne Stress.

Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

Bene: Also als Band ist das schwierig abzuschätzen. Hoffentlich sind wir noch aktiv und auf größeren Bühnen unterwegs. Unser Traum wär halt, dass wir mit unserer Musik über die Runden kommen und irgendwie davon leben können, aber wir denken da eher von Jahr zu Jahr und haben keinen großen Masterplan.

Ihr habt ja alle sehr schöne lange Metal-Mähnen. Was würdet ihr machen, wenn ihr euch versehentlich die Haare abfackeln würdet?

Bene: Booaaah, erstmal drei Wochen trauern. Ich hab manchmal echt Alpträume, dass mir die Haare ausfallen. Aber noch sind sie da und alles ist gut.

Lenny: Ja wenn die weg wären, müsste man echt mal lange nachdenken wie man weitermacht. Haare schütteln gehört auf der Bühne einfach dazu!

Vielen Dank für das Gespräch!

Hier geht's zum Konzertbericht von Obituary, Dust Bolt, M-Pire Of Evil und Posthum am 23. Jänner im Weekender Innsbruck.


Weitere Tourstopps der "Inked In Blood Tour 2015":

24.01.15 IT – Romagnano / R&R Arena
25.01.15 CH – Luzern / Schüür
27.01.15 SP – Barcelona / Salamandra
28.01.15 FR – Toulouse / Metronum
29.01.15 FR – Paris / Divan du Monde
30.01.15 NL – Enschede / Atak
31.01.15 BL – Turnhout / Zaal de kuup
01.02.15 UK – London / Underworld

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