Theaterkritik: Warten auf Godot

Spielen die berühmtesten Landstreicher der Theatergeschichte im Innsbrucker Kellertheater: Elmar Drexel und Helmuth A. Häusler
  • Spielen die berühmtesten Landstreicher der Theatergeschichte im Innsbrucker Kellertheater: Elmar Drexel und Helmuth A. Häusler
  • Foto: Kellertheater
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

INNSBRUCK. Stan Laurel und Oliver Hardy hielt er selbst für die Idealbesetzung seiner beiden famosen Landstreicher Estragon und Wladimir, doch als Samuel Beckett 1948 „Warten auf Godot“ schrieb, war er noch weit davon entfernt, sich Idealbesetzungen wünschen zu dürfen.

Tragisch-komische Figuren

Auch Karl Valentins rabenschwarzer absurder Humor soll Beckett ungemein inspiriert haben. Tatsächlich sind sowohl die zärtlich brachiale Hassliebe, die Stan und Oli geradezu magisch aneinander kettete wie auch Karl Valentins Hang zu lakonisch metasprachlichen Reflexionen in Klaus Rohrmosers Inszenierung auf ganz wunderbare Weise präsent. Das liegt nicht zuletzt an seinen beiden großartigen Protagonisten Helmuth A. Häusler und Elmar Drexel, die diesen beiden ganz und gar abgewirtschafteten tragisch-komischen Figuren eine so unglaubliche Würde verleihen, dass man ihnen noch gerne weiter zugesehen hätte bei ihren kreativ-abstrusen Bemühungen, sich Stille, Leere und Hoffnungslosigkeit auf Distanz zu halten.

Im Dialekt

Dass die beiden zunächst im Dialekt sprechen, lässt einen natürlich unwillkürlich aufhorchen. Und staunt dann nicht schlecht, wie sie fast unmerklich übergleiten in die Bühnensprache. Beklemmend schließlich der erste Auftritt von Michael Walde-Berger und Lucas Zolgar als Pozzo und Lucky, diesem paradigmatischen Abbild eines Herr- und Diener-Paars, bei dem sich die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse dann im zweiten Teil des Stücks in ihr ebenso bizarres Gegenteil verkehren werden. Klaus Gasperi Bühne weist dabei den Weg ins Nirgendwo und zeigt natürlich auch jenen Baumstumpf, der sich nicht einmal für einen Doppelsuizid nutzen lässt. Aber vielleicht liegt genau darin schon ein Keim Hoffnung. Mit „Warten auf Godot“ gelingt dem Kellertheater jedenfalls eine berührend nahe Umsetzung eines der größten Stücke der Weltliteratur.

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