Ausstellung von Judith Klemenc
Voila! Voler: im Glaskubus beim Landestheater

"RFDInsel"
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INNSBRUCK. Die Ausstellung "Reif für die Insel: Voilá! Voler" von Judith Klemenc wird noch bis 30. April 2021 im Glaskubus beim Landestheaters, Rennweg 4, zu sehen sein.

Judith Klemenc

Die Ausstellung

In ihrer Ausstellung VOILA! VOLER: im Zwischennutzungprojekt „RFDINSEl“ präsentiert Judith Klemenc neue Arbeiten, die feministische, Rassismus- und Klassismus-kritische Positionen erfahrbar machen und – wie der Titel andeutet – allzu festgefahrene Figuren in Bewegung versetzen wollen. Judith Klemencs Arbeiten zeugen von einer ephemeren Kraft, die der Materie stets schon immanent ist. Es ist das, was die Körper in die Luft heben und fliegen lässt, was Klemencs Arbeiten zeigen: „Voler, c ́est le geste de la femme, voler dans la langue, la faire voler, [...]“, schreibt die französische Autorin Hélène Cixous, und in der deutschen Übersetzung von Claudia Simma klingt es so: „Voler, (sich davon)stehlen, (ent)fliegen, das ist die Bewegung der Frau, in der Sprache stehlend entfliegen, die Sprache dazu zu bringen, sich flugs davonzustehlen.“1 Bisher war es das archaische Material Ton, wovon auch das Erdgeschoß der aktuellen Ausstellung mit den Arbeiten „worlds“ und „together“ zeugt, mit dem Judith Klemenc tradierte Welt- und Selbstverständnisse befragte. Doch jüngst zeigt sich eine Wende in ihrem Œuvre, auf die eine Neubestimmung von weiblich konnotierten Materialen wie Spitze, Seide, Watte und Kleidungsstücken wie beispielsweise Strümpfen und Schlüpfern hinweist. Im 1. Stock des Glaskubus vor dem Landestheater Innsbruck setzt sich die raumbestimmende Arbeit „Amen II. campaigning for the light of the world“ für eine Anerkennung von scheinbar am Boden liegenden Werten wie Fürsorge, Empathie und Abhängigkeit ein: Pulsierende leuchtende Körper wuchern durch den offenen Ausstellungraum und klettern die glatte Glasfront empor, um dort mit Boxhandschuhen auf eine Wertschätzung von humanistischen Werten zu pochen. Mit der Hinwendung zu den Materialien Seide und Spitze seien auch die Arbeiten „nurse“, „beyond the frame“ und „chora“ im selben Raum genannt, die für eine gesellschaftliche Anrufung sensibilisieren. Abgegrenzt davon thematisiert die Arbeit „0815 II“ das Begehren entlang eines Be- griffs von Normalität, der intersektionale Diskriminierungskategorien ausblendet. Der letzte Raum ist mit Federn gefüllt: Eine Pritsche übersät mit Federn spielt so- wohl auf ein Federn-Lassen an als auch auf ein sich oder andere In-Federn-Betten. Einige dieser Federn – „3 × 3 = 9“ – sind einzeln auf Wachs als Flügel erfasst und hinter einen Rahmen gebracht. Der Titel dieser Arbeit „wings“ führt zugleich zum Titel der Ausstellung: VOILA! VOLER:. Was bei Cixous als widerständige wie produktive Geste des Andersschreiben in Anschlag gebracht wurde, setzt sich in den Arbeiten Klemencs fort: Kritik an bild- und sprachimmanenten Strukturen von gesellschaftspolitischer Gewalt findet nie von außen statt, sondern regt sich immer schon inmitten der Verhältnisse. Ihre Kunst bleibt nicht bei der Kritik stehen, sondern vermag es bereits, neue Assoziationen zu mobilisieren und menschenwürdige Reflexionsräume zu eröffnen. Ein ethisch-ästhetischer Anspruch wird somit zentral: die Anerkennung aller Menschen in ihren unterschiedlichen Verletzbarkeiten.

Zur Künstlerin

„Judith Klemenc setzt sich in ihrer künstlerischen Arbeit, die Objekte, Installationen, Videos und Performances umfasst, intensiv mit dem wirklichkeitsstiftenden und transformatorischen Potential der Kunst auseinander. Entlang der subtilen Differenzlinien zwischen Körper und Sprache ist es immer wieder die Frage des Geschlechts, die zur Disposition steht. Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, soziale Anrufung, die Genese von Körperlichkeit – die künstlerische Bearbeitung dieser Fragen stellt eine Übersetzung vom Intelligblen ins Sinnliche dar. Wissenschaftliche Auseinandersetzung mündet in eine ästhetische und umso transformativere Formensprache. Darin zeigt sich wesentlich die Handschrift Klemencs: Kritik an bild- und sprachimmanenten Strukturen von gesellschaftspolitischer Gewalt findet nie von außen statt, sondern regt sich immer schon inmitten der Verhältnisse. Ihre Kunst bleibt nicht bei der Kritik stehen, sondern vermag es bereits, neue Assoziationen zu mobilisieren und menschenwürdige Reflexionsräume zu eröffnen. Ein ethisch-ästhetischer Anspruch wird somit zentral: die Anerkennung aller Menschen in ihren unterschiedlichen Verletzbarkeiten.“

Mehr Informationen: http://judithklemenc.at/about/

Öffnungszeiten Glaskubus beim Landestheater:
ausgenommen Osterferien!
Do - Sa: 16 - 19

"RFDInsel"
Judith Klemenc
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