Areal Landespolizeidirektion am Innrain
Für die großen Visionen fehlt das Geld
- Vision für die Zukunft, das präsentierte Projekt wird nichtr umgesetzt.
- Foto: Obermoser/Partner, superwien
- hochgeladen von Georg Herrmann
Ein verkehrsfreier Marktplatz, neue Radwegführung, eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer mit Nutzungsmöglichkeiten, und vieles mehr. So waren die Visionen bei der Präsentation im Juli 2023. Zur Umsetzung fehlt jedoch das Geld. Jetzt stehen die aktuellen Entwicklungen rund um das innerstädtische Areal bei der ehemaligen Landespolizeidirektion am Innrain im Fokus und unter Kritik.
INNSBRUCK. Im Auftrag der Stadt Innsbruck sowie der Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) haben die Architekturbüros Superwien und Obermoser und Partner ein städtebauliches Leitbild für das sogenannte Marktviertel am Inn erstellt. Die Studie analysiert die topographischen Gegebenheiten sowie den bestehenden Gebäudebestand rund um die Innsbrucker Markthalle und zeigt mögliche Entwicklungsrichtungen für das Gebiet auf. Präsentiert wurde das Konzept bereits im Juli 2023. Vorgesehen ist eine „urbane Uferzone“ mit einer durchgehenden Uferpromenade als neuer Stadtraum entlang des Inns. Zusätzlich werden neue Verbindungen zwischen dem Innrain und dem Uferbereich angedacht, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und das Gebiet stärker mit der Innenstadt zu vernetzen. Auch der Bereich entlang des Innrains könnte verändert werden. Laut Studie wäre es denkbar, den bestehenden Gehsteig auf der Nordseite zwischen Marktplatz und Universitätsbrücke deutlich zu verbreitern und als großzügigen „Promenadengehsteig“ zu gestalten.
„Flanieren am Inn, Verweilen auf einer neuen Brücke mit Blick auf das Wasser, kulturelle Events, zahlreiche Gastronomiebetriebe, Einkaufen an den Ständen der Markthalle, spontane Treffen am Marktplatz und bei den Sitzmöglichkeiten an der Promenade und der Nähe des Flussraums ohne Konsumzwang, Veranstaltungen von Innsbrucker Vereinen – das Marktviertel könnte ein Ort sein, an dem wir die Vielfalt unserer Stadt leben und genießen", lautete die Beschreibung des damaligen Bürgermeisters Georg Willi.
Vor einem Jahr (März 2025) wollte StR Markus Stoll den aktuellen Stand rund um das Marktviertel wissen: "Seither wurden noch keine weiteren Planungsschritte zur Konkretisierung unternommen. Allerdings beschäftigt sich die Mag.-Abt. III, Stadtplanung, Mobilität und Integration, mit folgendem Themenbereich im Umfeld des Marktviertels: Erarbeitung eines Mobilitätskonzepts für den Bereich Anpruggen / Mariahilf / Marktviertel; Abschluss voraussichtlich Ende 1. Quartal 2025."
- 2023 wurde die Vision Marktviertel gemeinsam präsentiert.
- Foto: MeinBezirk
- hochgeladen von Georg Herrmann
Zukunftsvertrag
- Stadtteilverbindungen verbessern: Über- und Unterführungen für einen effizienten und sicheren Fuß- und Radverkehr in der Stadt. Besonderes Augenmerk soll auf die Bereiche Sieglanger/-Mentlberg, Sillzwickel/-Mühlau-Saggen, auf Bahnhöfe sowie die Markthalle gelegt werden.
- Direktvermarktung: Projekt Markthalle NEU verfolgen und Direktvermarktung von landwirtschaftlichen und regionalen Produkten stärken.
- Innere Stadt: Umsetzung von Projekten am Bozner Platz und am Vorplatz Haus der Musik, Neugestaltung des Hauptbahnhof-Areals, Entwicklung des Marktplatzes, Innufer und Englischen Garten attraktivieren, Markthalle neu für Erhalt der Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Produkten, Brücke für Rad- und Fußverkehr auf Höhe Markthalle (Entwicklung Marktviertel mit Bürger:innenbeteiligung).
- Marktviertel: Das Stadtentwicklungsgebiet Marktviertel soll in Fortführung der bisher erarbeiteten Ziele weiter konkretisiert und mit der Umsetzung soll begonnen werden. Neben der Entwicklung der einzelnen Baufelder mit baukulturell hochwertiger Architektur soll die Neugestaltung der Uferpromenade mitsamt einer neuen Fuß- und Radbrücke über den Inn sowie des Marktplatzes weiter vorangetrieben und umgesetzt werden.
Ohne Visionen
Auch der heutige Bürgermeister Anzengruber stand diesen Beschlüssen zustimmend gegenüber. Inzwischen ist das Projekt nicht realisierbar. "Das ist keine bloße Verschiebung – das ist eine politische Absage an ein zentrales Stadtentwicklungsprojekt", erklärt die StR Markus Stoll im Feber 2026. Jetzt üben die GR Franz Jirka und Lucas Krackl scharfe Kritik an den aktuellen Entwicklungen rund um das innerstädtische Areal bei der ehemaligen Landespolizeidirektion am Innrain. „Die Entwicklung des Marktviertels nach einem internationalen Architektenwettbewerb und die anschließende Vertiefung gemeinsam mit Stadtplanung, Architekten, Innsbrucker Immobiliengesellschaft und Politik war ein Paradebeispiel dafür, wie Stadtentwicklung funktionieren sollte: transparent, unter Einbindung des Gemeinderats und mit fachlicher Expertise. Es ist mehr als bedauerlich, wie kurzfristig hier agiert wird und eine echte Chance für die langfristige Entwicklung des Marktviertels und des gesamten Areals am Innrain einfach gestoppt wurde“, so Lucas Krackl, ehemaliger langjähriger Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung.
Anfragebeantwortung irritiert
Besonders kritisch sehen Jirka und Krackl dabei, dass für die Entwicklung des Marktviertels und des gesamten Areals nach wie vor ein aufrechter Gemeinderatsbeschluss besteht. Dennoch soll laut Anfragebeantwortung die Innsbrucker Immobiliengesellschaft bereits beauftragt worden sein, eigenständig Nutzungsüberlegungen für das Areal anzustellen – offenbar ohne Einbindung des Gemeinderats oder der Stadtplanung.
„Das ist ein Affront und zeigt, welchen Stellenwert Zusammenarbeit für den Bürgermeister offenbar hat: nämlich keinen. Ein aufrechter Stadtsenatsbeschluss vom 26.05.2021 wird sich nicht einfach durch eine Medienaussendung des Bürgermeisters aushebeln lassen. Umso mehr stellt sich die Frage, welche politischen Absprachen und rot-grünen Deals hier im Hintergrund bereits getroffen wurden und welche konkreten Nutzungen künftig tatsächlich vorgesehen sind. Hoffentlich denkt man nicht schon wieder ernsthaft darüber nach, die Verwaltung weiter aufzublähen und zusätzliche Verwaltungsräume auf einer derart wertvollen innerstädtischen Fläche zu schaffen“, so Franz Jirka.
Stadtentwicklung kein Einzelprojekt
„Stadtentwicklung ist kein Einzelprojekt des Bürgermeisters oder einer Beteiligungsgesellschaft, sondern eine breit gemeinsam anzugehende Aufgabe. Wir fordern eine Rückkehr zum Dialog zwischen Stadtplanung, Gemeinderat und den eingebundenen Beteiligungsunternehmen. Chancen wie diese müssen gesamthaft betrachtet und bewertet werden. Leider scheint breite Zusammenarbeit bei der aktuellen Stadtregierung nach wie vor keinen hohen Stellenwert in ihrer Arbeit zu haben“, so Jirka und Krackl abschließend.
- Kein Geld für die Idee der Marktbrücke
- Foto: © obermoser + partner / Superwien
- hochgeladen von Georg Herrmann
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