Platzgummer holt stark auf, Rennen völlig offen

Christoph Platzgummer (ÖVP) hat realistische Chancen, das Rennen für sich zu entscheiden.
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Eineinhalb Wochen vor der Innsbrucker Gemeinderatswahl ist das Rennen nun völlig offen. Sowohl was die Fraktionen als auch die Bürger­meisterfrage betrifft, gibt es keinen klaren Favoriten mehr. Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, noch vor wenigen Wochen unangefochtene Umfragensiegerin, rutscht deutlich ins Minus und auch ihre Liste verliert an Zuspruch. In der aktuellen GMK-Umfrage im Auftrag des STADTBLATTes fällt die Bürgermeisterfraktion „Für Innsbruck“ sogar hinter die ÖVP auf Platz zwei. „Bei der ersten Frage nach der Parteipräferenz erhält die ÖVP sogar doppelt so viele Stimmen wie ‚Für Innsbruck‘. Da jedoch in Innsbruck für die Wähler­Innen oftmals die Unterscheidung der bürgerlichen Listen schwierig ist, haben wir bei deklarierten ÖVP-Wählern eine zusätzliche Präzisierungsfrage eingebaut, was das Bild für die Bürgermeisterfraktion etwas verbessert hat“, erläutert Meinungsforscher Anton Leinschitz. Nach dessen Hochrechnung liegt die ÖVP aktuell mit 20 bis 23 Prozent knapp in Front, gefolgt von FI mit 19-22 Prozent, den Grünen mit 18-21 Prozent und den Sozialdemokraten mit 16-19 Prozent. Etwas abgeschlagen liegen die anderen Fraktionen. Die Freiheitlichen kommen demnach auf 8-10 Prozent und die Liste „Rudi Federspiel“ auf 6-8 Prozent. „Zwischen diesen beiden Gruppierungen ist das Rennen jedoch völlig offen. Derzeit ist nicht abschätzbar, welchen Einfluss die Aufregung rund um die Wahlplakate der Freiheitlichen auf das Wahlverhalten haben wird“, betont Leinschitz.

Kommunisten überraschen
Während der Tiroler Seniorenbund mit 1-3 Prozent in etwa sein Ergebnis von 2006 halten wird, könnten die Kommunisten in Innsbruck für eine Sensation sorgen. Die KPÖ liegt nämlich derzeit bei 2-4 Prozent der Stimmen und könnte den Einzug in den Gemeinderat schaffen. Knapper sieht es für die Piratenpartei aus. Diese kommt jedoch auch aus dem Stand auf 1-3 Prozent der Stimmen der Befragten.

„Die Kommunisten scheinen ein gewisses Protestpotenzial ausschöpfen zu können. Dies gilt auch für die Piratenpartei. Mit einer Sensation wie in Deutschland können die Inns­brucker Piraten aus heutiger Sicht jedoch nicht rechnen“, erläutert Leinschitz. „Besonders auffallend war jedoch auch, dass die deklarierten ÖVP-Wähler den Wahlkampf signifikant intensiver verfolgen als die Wähler der anderen Fraktionen. Dies lässt auf einen Mobilisierungsschub durch den neuen Spitzenkandidaten Christoph Platzgummer schließen“, analysiert Leinschitz.

Spannende Direktwahl
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zeichnet sich indes auch in der Bürgermeister-Direktwahl ab. Lag Oppitz-Plörer vor wenigen Monaten noch mit etwa 50 Prozent klar vor ihren Herausforderern, hat die derzeitige Stadtchefin in den vergangenen Wochen massiv an Stimmen verloren. Nach derzeitigem Stand würden nur mehr 34-37 Prozent der WählerInnen Oppitz-Plörer im Amt bestätigen. Ihr stärkster Herausforderer, Christoph Platzgummer (ÖVP), hat mittlerweile mit 29-32 Prozent ebenfalls realistische Chancen, der erste direkt gewählte Bürgermeister der Landeshauptstadt zu werden.

„Der Amtsbonus von Oppitz-Plörer ist nach den vorliegenden Daten nur sehr gering einzuschätzen. Hinzu kommt, dass die Dynamik der vergangenen Wochen für Platzgummer zu sprechen scheint. Bei vergleichbaren Konstellationen zwischen einem schwächelnden Amtsinhaber und einem starken Verfolger war es in der Vergangenheit oftmals der Herausforderer, der am Schluss das Rennen für sich entscheiden konnte“, verweist Leinschitz auf Erfahrungswerte aus ähnlich gelagerten Wahlkämpfen. Hinter den beiden bürgerlichen Kandidaten formiert sich ein Verfolgerblock von drei Personen. Marie-Luise Pokorny-Reitter (SPÖ), Sonja Pitscheider (Grüne) und Rudi Federspiel liegen annähernd gleichauf – rund um zehn Prozent bzw. knapp darunter. „Federspiel hat durch die Kandidatur von Platzgummer an Stimmen eingebüßt. Interessant ist auch, dass es keinen klaren Kandidaten des ‚linken Lagers‘ gibt. Pitscheider und Pokorny-Reitter finden gleich viel Zustimmung. Die anderen Kandidaten, also Penz (FPÖ), Stingl (KPÖ) und Ofer (Piraten), spielen in der Frage der Direktwahl keine Rolle“, so Leinschitz.

Viele Unentschlossene
Dennoch betont der Meinungsforscher, dass das Rennen für alle wahlwerbenden Gruppen noch völlig offen ist. „Die letzten zehn Tage sind entscheidend. Die Zahl der Unentschlossenen und jener, die sich in ihrer Festlegung noch nicht sicher sind, ist noch immer hoch – etwa 40 Prozent der Wahlberechtigten. Am Wahltag wird es nach heutiger Sicht davon abhängen, wer seine Sympathisanten am besten mobilisieren kann, zur Wahl zu gehen“, ist Leinschitz überzeugt.

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