09.11.2017, 20:31 Uhr

Herz-Zerbrechen

„Nicht der Kopf muss zerbrochen werden, um in der Wahrheit weiter zu kommen, sondern das Herz.“ Bischof Martin von Tours (Foto: SMG Kätzler)
Innsbruck: Tirol |

Gedanken zum Fest des heiligen Martin von Tours ---

„Nicht der Kopf muss zerbrochen werden, um in der Wahrheit weiter zu kommen, sondern das Herz.“ Diese Aussage schreibt man dem großen Mantelteiler zu. Tatsächlich muss der Soldat Martin und spätere Bischof von Tours eine sehr beeindruckende Person gewesen sein. Sein Lebenslauf zeigt uns, dass er bereits ein „Europäer“ war.
Martin wurde um 316 in Sabaria, dem heutigen Steinamanger in Ungarn, geboren. Mit fünfzehn Jahren wurde er in die Gardereiterei eingereiht und wenig später in den Westen versetzt. Am Stadttor von Amiens teilte er seinen Soldatenmantel mit einem frierenden Bettler; in der Nacht darauf erschien ihm Christus, mit dem abgeschnittenen Mantelstück bekleidet.

Warum hat er nur den halben Umhang geschenkt?

Ein römischer Soldat seiner Zeit musste seinen Mantel mindestens zur Hälfte aus eigener Tasche bezahlen, über diesen Teil konnte Martin also selbst verfügen. Seine im ersten Moment eher unvernünftig erscheinende Geste war also durchaus sinnvoll. Da Martin bei der kaiserlichen Garde war, trug er - so behaupten zumindest Militärhistoriker - die Chlamys, einen weiten weißen Überwurf, dessen oberer Teil mit Schaffell gefüttert war. (Die Maler waren dagegen eher für ein weißes Pferd, also wurde der Mantel bei ihnen meistens rot dargestellt.)

Vom Taufbewerber zum Bischof

Mit achtzehn Jahren ließ sich Martin taufen, diente aber noch bis 356 in der kaiserlichen Garde. Nach seinem Abschied vom Heer (in der Nähe von Worms) ging er zum Bischof Hilarius von Poitiers, der ihn in die pannonische Heimat zurückschickte. ­ Um 360 traf er wieder mit Hilarius zusammen. 361 gründete er Ligugé, das erste Kloster Galliens. 371 wurde er Bischof von Tours, 375 gründete er das Kloster Marmoutier an der Loire, das zu einem Mittelpunkt monastischer Kultur wurde und als Missionsseminar bezeichnet werden kann. Unermüdlich widmete er sich der Glaubenspredigt in den noch weithin heidnischen Gebieten. Er starb am 8. November 397 und wurde am 11. November in Tours begraben. Sein Grab wurde zum Nationalheiligtum der Franken. Martin ist der erste Nichtmärtyrer, der in der abendländischen Kirche als Heiliger verehrt wurde.
Das Pastoralamt der Diözese Eisenstadt, dessen Schutzpatron der heilige Martin ist, hat folgende Gedanken zum Festtag des Heiligen zusammen getragen:

Wie Martin ist...


… der Mann, der beim Bäcker dem Kind den Vortritt lässt.
… die Frau, die sich Zeit nimmt für die Erzählungen der Nachbarin.
... der Jugendliche, der der ausländischen Nachbarsfamilie bereitwillig beim Ausfüllen der Formulare hilft.
… die Familie, die ihr leerstehendes Ferienhaus kostenlos einer kinderreichen Familie für den Urlaub überlässt.
… der Junge, der für seinen Klassenkameraden eintritt, den die ande¬ren wegen seiner Trägheit verspotten.
… das Mädchen, das ungebeten im Haushalt hilft.
… die Frau, die sich vom Äußeren nicht abstoßen lässt und dem Jungen mit der Punkerfrisur geduldig zuhört.
… der Junge, der ungefragt mit dem kleinen Kind der Tante spielt, damit diese ein paar Stunden Zeit für sich selbst hat.
… das Mädchen, das von seinem vielen Spielzeug etwas verschenkt, weil es damit einer Freundin eine Freude macht.
… der Mann, der am Straßenrand hält, um bei einer Panne zu helfen,
obwohl er es eilig hat.
… die Familie, die einen einsamen Gast zu sich bittet, auch wenn sie lieber alleine bliebe.
Wie Martin ist...
... der, der kleine Dinge ernst nimmt und so handelt, als wären es große Dinge -
oder wie meinte der Heilige selber:
„Nicht der Kopf muss zerbrochen werden, um in der Wahrheit weiter zu kommen, sondern das Herz.“
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