10.07.2018, 00:00 Uhr

LEADER & Co. sind "Geldbringer" für Bezirk Kitzbühel

Was wäre unser Bezirk ohne die EU? Über LEADER & Co. fließen Gelder für sinnvolle Projekte in die Region.

BEZIRK KITZBÜHEL (niko). Vor allem über die Regions- und Landwirtschaftsförderungen profitiert auch unser Bezirk von der EU. LEADER, Interreg & Co. spülen Fördergelder für (regionale) Projekte ins Land. Man muss sich „nur“ die Mühe machen, sich darum zu bemühen.
Die EU-Landwirtschaftsförderungen sind auch in unseren Breiten ein wichtiges Instrument zum Erhalt der kleinstrukturierten bäuerlichen Betriebe. Dass es beim neuen Finanzrahmen 2021 bis 2027 in diesem Bereich zu empfindlichen Kürzungen kommen könnte, stößt in Österreich naturgemäß auf wenig Gegenliebe. „Wir wollen keine Kürzungen für unsere Bauern. Es soll nicht die industrielle Landwirtschaft, sondern vielmehr die kleinen Betriebe gefördert werden, daher braucht es statt Kürzungen eine neue Schwerpunktsetzung in diese Richtung“, so Kanzler Sebastian Kurz.
Derzeit gibt es eine lange Liste im Agrarbereich mit EU-Kofinanzierung. Stark eingebunden ist hier auch die Forstdirektion, vor allem im Bereich der Sicherung des Lebensraums (Schutz vor Naturgefahren), wie Alois Poppeller vom Land Tirol mitteilt. Gefördert werden u. a. auch die Verarbeitung, Vermarktung und Entwicklung bäuerlicher Erzeugnisse und die Schaffung und Entwicklung von kurzen Versorgungsketten und lokalen Märkten sowie unterstützende Absatzförderung. Aktuelle Beispiele aus dem Bezirk: Danzl Sebastian/Sennereigenossenschaft Schwendt (Anschaffung Käsepresswanne, Käsefertiger, CIP-Anlage u. a., Modernisierungen) und die Milchbuben KG in Hopfgarten (Errichtung einer Käserei am Hof).

LEADER & Co.

Die Regionalförderung ermöglicht zahlreiche EU-kofinanzierte (Infrastruktur-)Projekte im Bezirk.
Regionaler Pionier ist hier das PillerseeTal (mit Leogang), das als erstes auf die LEADER-Förderschiene aufgesprungen ist und seither eine große Menge an Projekten realisieren konnte. Zuletzt hat man die Region um das Leukental erweitert – nunmehr unter der Bezeichnung „Regionalmanagement – Leader regio3“.
„Wir verfolgen eine regionale Entwicklungsstrategie, die über die reine Leader-Schiene hinausgeht; wir sind auch Dienstleister für die Planungsverbände, Anlaufstelle für Förderungen aller Art und selbst aktiver Projektträger“, so Obmann Sebastian Eder. Im Vordergrund stehen regionale Projekte, wobei man über (Gemeinde-)Grenzen hinweg denke und agiere.
„Wir vernetzen uns auf allen Ebenen (von lokal bis international). Derzeit sind 97 Unternehmen und 55 Zivilgesellschaften von laufenden Projekten betroffen. Das Regionalmanagement steuert auch die Klimamodellregionen und übernimmt Projektträgerschaften“, so GF Stefan Niedermoser.

Derzeit sind 52 Projekte bewilligt, davon sind 23 abgeschlossen, 29 laufen noch. 26 Projekte sind über Leader eingereicht (49 %), der Rest wird über diverse Förderschienen abgewickelt (u. a. Land, Erasmus, AWS, EFS, Interreg, Klimafonds). „Das Projektvolumen beträgt derzeit 5,12 Mio. €, davon rund 2 Mio. € über Leader“, so Niedermoser.
Niedermoser, der auch Obmann des Leader-Forums Österreich ist, zum gesamteuropäischen Bereich: „Jetzt geht es ums Geld und die Verteilung der Budgets. Österreich ist derzeit Nettozahler; wir zahlen 2,5 Mrd. € an die EU, 1,6 Mrd. € fließen retour. Noch ist unklar, wohin die Reise der 2.600 Leader-Regionen (davon 77 in Österreich) geht. Positiv ist, dass in Tirol die Regionalmanagement-Struktur weiter ausgebaut wird.“

Kitzbüheler Alpen

Umtriebig, was die Lukrierung von (EU-)Fördergeldern angeht, ist auch das Regionalmanagement „Kitzbüheler Alpen“, das die Leader-Regionen Hohe Salve und Mittleres Unterinntal vereint. „Unsere Projekte und Netzwerke sind Impulsgeber für die Entwicklung und Garant für Nachhaltigkeit“, so Obmann Rudi Puecher.
In Netzwerken haben wurden übergreifende Kooperationen geschaffen. Als „Leuchtturm-Projekte“ werden u. a. die Brixentaler KochArt, touris-tische Qualitätsoffensive oder die Vor-Ort-Mobilität im Tourismus angeführt.
25 Projekte wurden vor Kurzem abgeschlossen oder laufen aktuell in der Region, von der Demenz-Selbsthilfe im Brixental oder Radweganalysen in Bad Häring, Parkplatzkonzepte in Brandenberg bis zur Personal-offensive und Qualitätsanalyse in Betrieben.

Martin Traxl aus der Abteilung Landesentwickung & Zukunftsstrategie des Landes Tirol bringt dabei noch die Perspektive des Landes und der Europäischen Union auf‘s Tapet „an der Schwelle der nächs-ten Periode“, die 2021 beginnt. Er lobt die Netzwerkinitiativen in der Region, besonders das „Netzwerk Handwerk“ sei ein spannendes Projekt mit Potential über die Region hinweg. Auch die Kooperationen mit den benachbarten Leader-Regionen und der „Euregio Inntal“ sei beispielgebend im Land. Sowohl die Arbeit des Regionalmanagements „Kitzbüheler Alpen“ als auch die gesamte Umsetzung der Regionalentwicklung im „Tiroler Modell“ errege in Österreich und der EU durchaus Aufsehen: „Das notwendige Bedürfnis näher zum Bürger zu kommen“ sei ein großes Interesse der Union, so Traxl, sodass eine „maßgeschneiderte Regionalentwicklung wie im Modell Tirol für die EU wichtig bleiben“ werde. „Es braucht ein gewisses Verständnis dafür, wo der Schuh drückt und wohin wir gehen“, so Traxl.
Eine zielgerichtete, von den Regionen selbst verantwortete Entwicklung, unterstützt durch Fördermittel aus der Union, sei für ihn ein wichtiger Baustein zum Vertrauen in die Union und ein Schritt zu mehr Bürgernähe.

Am jüngsten: KUUSK

Jüngste Regionalmanagement- bzw. Leader-Region ist „Kufstein und Umgebung, Untere Schranne, Kaiserwinkl (KUUSK)“. Zur Region gehören zwölf Mitgliedsgemeinden, darunter Kössen und Schwendt.
Zur Halbzeit dieser ersten Förderperiode von 2014 bis 2020 konnten bereits 35 Projekte, darunter neun Kooperationsprojekte und drei transnationale Vorhaben, gestartet werden. Hiermit wurden bereits über 2 Millionen € an Fördergeldern für die Region lukriert, so GF Melanie Steinbacher.
Für 2018 haben sich zwei Themenschwerpunkte ergeben:
Durch die Unterstützung und Vernetzung der regionalen Kunstschaffenden im neugegründeten Verein „Netzwerk Kultur“ und der Ermöglichung eines kreativen Sommercamps für Jugendliche konnte viel im Bereich Kultur bewirkt werden. Aber auch Fragen der Mobilität finden Gehör (u. a. „eCar-Sharing, Machbarkeitsstudie zu selbstfahrenden Transportmitteln).
Es wird die Umsetzung innovativer Projekte für die Region gefördert – vom Ausbau sozialer Dienstleistungen bis hin zur Förderung von Tourismus- und Forstwirtschaft.
Für die Region „KUUSK“ stehen von 2014 bis 2020 3,5 Millionen Euro EU-Fördergelder zur Verfügung.

Was ist „Leader“?

Seit 1991 fördert das EU-Projekt „Leader“ Regionen im ländlichen Raum. Insgesamt gibt es in Tirol acht solcher Leader-Regionen, also freiwillige Zusammenschlüsse von Gemeinden.

Projekt-Liste

Ein (höchst unvollständiger) Auszug aus der Liste umgesetzter bzw. derzeit in Arbeit befindlicher Projekte: * Glockendorf Waidring * Attraktivierung Kaiserbachtal * Netzwerk Handwerk * KochArt * Triassic Park * grenzenlose Radwege (Tirol-Bayern) * Chefansage * Wunschoma * Museum goes Wild....seeloder * Neophytenbekämpfung * Bildungsoffensive * Marktanalyse Nahversorgung * KEM Leukental * Umsetzung SEP 750 (Stadtjubiläum Kitzbühel) .....

Fotos: TVBs, Regionalmanagements/LEADER, KochArt, Netzwerk handwerk, Kogler
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