Anrainer üben Kritik
Bäume im Villenviertel Kufstein für Wohnbauprojekt geschlagen
- Baumfällung im Villenviertel: Dort wo einst die Hafner-Villa stand, wurden für ein Wohnbauprojekt beinahe alle Bäume gefällt.
- Foto: Barbara Fluckinger
- hochgeladen von Barbara Fluckinger
Bäume in der Maximilianstraße mussten wegen Projekt für Wohnanlage mit 17 Wohneinheiten weichen. Anrainer zeigen sich enttäuscht.
KUFSTEIN. Wer dieser Tage im Villenviertel in Kufstein rund um die Bezirkshauptmannschaft unterwegs ist, wird verwunderte Spaziergänger beobachten können. Sie bleiben beim Grundstück in der Maximilianstraße 14 stehen, schütteln den Kopf oder heben nur ihren Blick kurz, bevor sie weitergehen.
Viele Anrainer waren dagegen
Wo einst ein Haus – konkret die sogenannte Hafner-Villa, – umringt von vielen Schatten spendenden Bäumen, situiert war, steht heute nichts mehr. "Zum Leidwesen sämtlicher umgebender Nachbarn, wurden die Bäume nun gefällt", erklärt Hans Peter Außerstorfer, der nicht unweit des Grundstücks wohnt. Er berichtet davon, dass eine Anrainerin mit einer Unterschriftenliste bei der Stadt Kufstein vorstellig wurde, um eine Baumfällung zu verhindern. Ohne Erfolg. "Es war für alle umliegenden Nachbarn ein Schock", schildert Außerstorfer gegenüber MEINBEZIRK KUFSTEIN nun nach der Baumfällung. Laut Außerstorfer sei es bislang noch zu keiner Bauverhandlung gekommen, bei der Anrainerinnen und Anrainer eingeladen wurden. Die Nachbarn empfinden Ärger und ein gewisses Gefühl der Machtlosigkeit. Sie zeigen sich von der Politik enttäuscht. "Die Bäume sind unwiederbringlich. Es ist eine große Enttäuschung in der Umgebung", sagt Außerstorfer.
- So sah das Grundstück vor der Baumfällung aus.
- Foto: Barbara Fluckinger
- hochgeladen von Barbara Fluckinger
Experte: Baumerhalt ist vorzuziehen
Die Causa gibt auch Alexander Spechtenhauser (Gärtnermeister und Baumsachverständiger) zu denken. "Dieser Fall zeigt erneut, dass die Bedeutung alter Bäume noch nicht ausreichend im Bewusstsein verankert ist", sagt der zertifizierte Baumsachverständige. Bei jedem Bauprojekt müsse frühzeitig geprüft werden, wie sich notwendiger Wohnraum und der Erhalt wertvoller Bäume bestmöglich miteinander vereinbaren lassen. "Baumerhalt ist einer Neupflanzung immer vorzuziehen, denn die Leistungen eines alten Baumes sind über Jahrzehnte nicht ersetzbar", so Spechtenhauser.
Bgm: Wünschenswert, aber Gesetz fehlt
Bürgermeister Martin Krumschnabel (Die Parteifreien) betont, dass dort seit Jahrzehnten alle Neubauten bereits als mehrgeschossige Wohnanlagen ausgeführt würden. Beim neuen Projekt handle es sich auch nicht um eine Villa. Geplant ist eine Wohnanlage mit 17 Wohneinheiten. "Es gibt also rechtlich keinen Grund, einem solchen Projekt nicht zuzustimmen", sagt Krumschnabel. Dennoch würden natürlich alle Einwendungen der Nachbarn im Raumordnungsverfahren geprüft.
Es geht in diesem Fall aber auch darum, was überhaupt möglich ist. Rechtlich sind der Stadt nämlich enge Grenzen gesetzt. Wenn Bäume keinen besonderen Schutzstatus genießen, kann die Stadt deren Erhalt derzeit nicht einfordern. Krumschnabel räumt zudem ein, dass es auch nach seiner Ansicht wünschenswert wäre, die Bäume zu erhalten. "Es ist gerade meine Fraktion, die seit über einem Jahrzehnt immer wieder versucht hat, beim Land Tirol genau dazu eine gesetzliche Regelung einzufordern. Wir möchten in Kufstein eine Baumschutzverordnung erlassen, die uns hier Möglichkeiten auf privaten Grundstücken einräumt, dies würde aber ein Baumschutzgesetz voraussetzen, welches es zwar in anderen Bundesländern, nicht jedoch in Tirol gibt. Der Tiroler Landtag konnte sich bislang nicht entschließen, ein solches Gesetz zu verabschieden", so Krumschnabel. Damit fehle jede gesetzliche Grundlage von einem Grundeigentümer einzufordern, dass er seine Bäume nicht umschneiden darf.
- "Wir möchten in Kufstein eine Baumschutzverordnung erlassen, die uns hier Möglichkeiten auf privaten Grundstücken einräumt, dies würde aber ein Baumschutzgesetz voraussetzen, welches es zwar in anderen Bundesländern, nicht jedoch in Tirol gibt", betont Bürgermeister Martin Krumschnabel.
- Foto: Barbara Fluckinger
- hochgeladen von Barbara Fluckinger
Baumschutzgesetz in Kufstein
Im Bundesland Tirol gibt es kein allgemeines Baumschutzgesetz und auch keine flächendeckende Baumschutzverordnung. Die Stadt Kufstein hatte bereits im Jahr 2024 einen Anlauf für ein Baumschutzgesetz in Kufstein gestartet, um Bäume im innerstädtischen Bereich zu schützen. Ohne ein Landes-Baumschutzgesetz ist das aber nicht möglich. "Ein gut ausgearbeitetes Tiroler Baumschutzgesetz ist längst überfällig", betont auch der Baumsachverständige Spechtenhauser. Es dürfe Fortschritt und leistbaren Wohnraum nicht verhindern, müsse aber klare Regeln für eine naturverträgliche Planung schaffen.
Krumschnabel: Versäumnis von Land
Kufsteins Stadtchef sieht die Angelegenheit ähnlich: "Ich fordere dringend nochmals vom Land Tirol, dass endlich eine gesetzliche Regelung uns den Baumschutz auf Privatgrundstücken ermöglicht, wie dies in anderen Bundesländern bereits der Fall ist", sagt Krumschnabel, der gleichzeitig jene Parteien in die Verantwortung nimmt, die im Tiroler Landtag sitzen. Die Kritik treffe nicht die Stadt Kufstein, sondern das Land Tirol als Gesetzgeber und "damit auch die im Landtag in Tirol vertretenen Parteien, die hier dieses Versäumnis zu verantworten haben".
- "Ich halte es für einen Widerspruch, zusätzliche Dichte mit ökologischer Qualität zu begründen, wenn für das Projekt gleichzeitig ein großer, bestehender und gesunder Baumbestand weichen muss. Deshalb habe ich diesem Projekt in dieser Form nicht zugestimmt", so Vize-Bgm Stefan Graf (Grüne).
- Foto: Barbara Fluckinger
- hochgeladen von Barbara Fluckinger
Graf: Sorgfältiger umgehen
Vizebürgermeister Stefan Graf (Grüne) hatte sich bereits vor der Baumfällung in der jüngsten Ausgabe des Stadtmagazins kritisch über das Projekt geäußert. Für ihn zeige der Fall sehr deutlich, dass die Stadt mit zusätzlicher Dichte, Gebäudehöhe und den Bonuskriterien in der Raumordnung wesentlich sorgfältiger umgehen müsse. Bei dem Projekt wurden nämlich zusätzliche Höhe, Dichte und Bonuskriterien eingeräumt. "Ich halte es für einen Widerspruch, zusätzliche Dichte mit ökologischer Qualität zu begründen, wenn für das Projekt gleichzeitig ein großer, bestehender und gesunder Baumbestand weichen muss. Deshalb habe ich diesem Projekt in dieser Form nicht zugestimmt", so Graf.
Seiner Ansicht nach hätte man für die höhere Dichte bei den Verhandlungen mehr Gegenleistungen einfordern können – "etwa einen möglichst weitgehenden Erhalt des bestehenden Baumbestandes oder entsprechende Anpassungen des Projekts".
- Dieser Baum ist einer jener, die von der Fällung vorerst verschont blieben.
- Foto: Barbara Fluckinger
- hochgeladen von Barbara Fluckinger
Das sagt der Projektbetreiber
Seitens der Schütz Immobilien GmbH, die für das Projekt verantwortlich ist, betont man, dass man Bedenken der Anrainer sehr ernst nehme, bislang aber noch keine direkte Anfrage erhalten habe. "Beim betroffenen Grundstück handelt es sich um gewidmetes Bauland mitten im Stadtgebiet. Es ist ausschließlich für eine Wohnbebauung vorgesehen, keinen Park und keinen Wald", erklärt Stefan Schütz von der Schütz Immobilien GmbH. Das Projekt beschäftigt sein Büro schon seit über drei Jahren. "Es soll ein kompaktes Gebäude mit höchsten ökologischen Vorgaben und möglichst geringer Bodenversiegelung entstehen", betont Schütz.
Wenige Bäume bleiben
Laut ihm sollten Bestandsbäume stehen bleiben, soweit es die geplante Bauführung zulässt. Entfernt werden sollten laut dem Projektbetreiber ältere Bäume, deren "dauerhafte Standsicherheit aufgrund von Schäden und/oder starkem Schiefwuchs" nicht mehr gewährleistet ist, sowie eine Robinie, die als Neophyt gilt. Betroffen sei auch eine Esche, die bereits Anzeichen des Eschentriebsterbens aufwies. "Nach der geplanten Bauführung sollen zusätzlich zum Baumbestand, mindestens zwölf standortgerechte, heimische Bäume, sowie Sträucher und Hecken gesetzt werden. Es soll wieder eine grüne Oase entstehen", sagt Schütz abschließend.
Ein halbes Dutzend Bäume sind nach der Fällung jedenfalls am Rande des Grundstücks stehen geblieben – darunter ein Baum entlang der Maderspergerstraße. Bei den Nachbarn löst dieser stehen gebliebene Baum eher Verwunderung als Begeisterung aus. "Da muss man sich schon fragen, das ist wie im Fasching", sagt Außerstorfer.
Weitere Beiträge aus und rund um den Bezirk Kufstein findest du hier.
Die Nachrichten des Tages im WhatsApp-Kanal „MeinBezirk Tirol“ gibt's hier.
Diese Beiträge könnten dich auch interessieren:
Link einfügen
Video einbetten
Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.
Karte einbetten
Social-Media Link einfügen
Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.
Code einbetten
Beitrag oder Bildergalerie einbetten
Foto des Tages einbetten
Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten
Du möchtest selbst beitragen?
Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.