Info-Veranstaltung in Wörgl
Zuhörer gaben 5G wenig Chance

Die Stadt Wörgl lud am Donnerstag, den 17. Oktober zu einer Informationsveranstaltung zum Thema "5G – Chance oder Risiko?" ins Komma.
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Auf Informationsveranstaltung zu 5G-Netz in Wörgl folgten emotionale Diskussion und viele Fragen. Ein Großteil der Zuhörer zweifelte Ausführungen von geladenen Experten an.

WÖRGL (bfl). Ist 5G eine Chance oder ein Risiko? Diese Frage stellte sich die Stadt Wörgl bei ihrer Informationsveranstaltung am Donnerstag, den 17. Oktober im Komma. Wörgl ist seit einiger Zeit eine 5G-Stadt – zumindest im Zentrum. Dies nahm Bürgermeisterin (Bgm) Hedi Wechner zum Anlass, die Bürger im Zuge der Veranstaltung zu informieren. Die Mehrheit der Zuhörer im Saal machte im Diskussionsteil allerdings lautstark deutlich, dass für sie das 5G-Netz ein Risiko und keine Chance darstellt.
Der Name 5G steht für "fifth generation", beschreibt also salopp gesagt die fünfte Generation des mobilen Internets und der Mobiltelefonie. Dieses neue, schnelle Datennetz ist nun auch in Wörgl installiert, nicht flächendeckend, aber vorerst zumindest im Zentrum. Derzeit gibt es noch wenig Endgeräte, die 5G-fähig sind, diese sollen erst im Herbst auf den Markt kommen. Dennoch ist das Thema brandaktuell, hat doch diese nächste Generation von Mobilfunknetzen eine Reihe an Diskussionen und Horrormeldungen in sozialen Medien hervorgerufen.
In der Informationsveranstaltung ging es nun darum, alle Aspekte zum neuen Mobilfunkstandard 5G zu beleuchten. Am Podium waren neben Bgm Hedi Wechner drei Referenten. "Die Stadt Wörgl hat hier die Gelegenheit ergriffen und hier ein Pilotprojekt gestartet", sagte Wechner in ihren einleitenden Worten. Grund dafür sei der im Jahr 1998 begonnene Glasfasernetz-Ausbau, der nun zu achtzig Prozent realisiert und "Grundlage" für das 5G-Netz sei.

Experte: Keine Gefahr für die Gesundheit

Gleich zu Beginn erklärte der Vortragende Gernot Schmid von "Seibersdorf Laboratories" die Technik hinter dem 5G-Netz. Er studierte unter anderem Elektrotechnik in der Fachrichtung Mess- und Regelungstechnik und ist auch Mitglied der deutschen Strahlenschutzkommission. Zu Beginn nahm Schmid Bezug auf Meldungen, die besagen, dass 5G viel höhere Frequenzen bringen würden, die dem Menschen schaden. Im 5G bewege man sich in Frequenzkanälen 3,4 bis zu 3,8 Gigahertz (GHz) abspielen. Was also momentan via 5G übertragen werde, liege mitten im Bereich der Frequenzen, die man jetzt schon durch etablierte Technologie erreiche, sagt Schmid.
Mit höheren Frequenzen sei in rund fünf Jahren zu rechnen, dann werde die Übertragungstechnik bei 26 GHz oder mehr liegen. Zu gesundheitlichen Auswirkungen von diesen höheren Frequenzen auf den Menschen sagte Schmid: "Je höher die Frequenz, umso weniger tief dringt die Strahlung ein und wird schon an der Oberfläche vom menschlichen Körper absorbiert." Er räumte aber ein, dass für höhere Frequenzen bei 26 GHz noch keine Daten vorliegen würden und hier noch Forschungsbedarf sei.
Vorteile sieht Schmid auch bei den 5G Antennen, die die Strahlungen besser dorthin "leiten" können, wo sie gebraucht werden. "Bei 5G wird die Energie dorthin gesendet, wo sie vorwiegend benötigt wird", so Schmid. Dort wo viel "downgeloaded" wird, werden die Basisstationen also höhere Immissionen haben, dort wo wenige User sind, wird es weniger Immissionen oder Strahlungen geben.
Schmids Fazit: Es herrsche in der Wissenschaft Einigkeit darüber, dass es noch Forschungsbedarf rund um 5G gebe, aber eine deutliche Mehrheit von Wissenschaftlern sehe keine Gefahr für die Gesundheit.

Vorteile für automatisierte Mobilität und Medizin

Mario Döller, Rektor der Fachhochschule Kufstein Tirol, sprach in seinen Ausführungen vom Nutzen der Technologie in der automatisierten Mobilität. Mit 5G könnten viel mehr Daten über Kanäle transportiert werden. Die Technologie schaffe damit die notwendigen Voraussetzungen für ein sicheres automatisiertes Fahren. Wie sie zum Einsatz kommen kann, zeigte Döller am Beispiel von automatisierten Drohnenflügen. Mit diesen kann zum Beispiel bei Feuerwehreinsätzen festgestellt werden, ob eine akute Gefahr vorliegt, bevor die Feuerwehrleute selbst zum Geschehen vordringen. Hier arbeite die FH bereits mit der Bezirksfeuerwehr Kufstein zusammen, sagt Döller.
Unfallchirurg Dr. Stephan Papp berichtete von Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin. Vorteile bringe 5G hier vor allem in der Übermittlung von Daten, die patientenrelevant sind – dies hauptsächlich in der Bildgebung und bei Bilddaten. Deren Übermittlung könne dank der Technologie in Echtzeit oder sehr kurzer Zeit erfolgen. Auch bei der Überwachung chronischer Patienten eröffne 5G neue Möglichkeiten.

Zuhörer stellen sich gegen 5G

Auf die Ausführungen der Vortragenden folgte eine lange und emotionale Fragerunde, die verdeutlichte, dass die Zuhörer im Komma der neuen Technologie alles andere als eine "Chance" geben wollten. Die Grenzwerte würden von einem Verein festgelegt, der von der Mobilfunkindustrie finanziert werde, sagte eine Besucherin. Von einem internationalen Appell von 240 Wissenschaftlern aus 41 Ländern 5G zu stoppen, berichtete eine andere. Es gebe keine Langzeitstudien zu Auswirkungen, also gelte das Vorsorgeprinzip, sagte ein weiterer Zuhörer. Bedenken hatten die Zuhörer auch bei biologischen Effekten – Auswirkungen von Strahlungen auf die menschliche Zelle. Diese Auswirkungen seien zu wenig untersucht worden. Eine anwesende Ärztin berichtete von Beobachtungen und Messungen, die ein verändertes Verhalten von Spermien unter Bestrahlung mit Mobilfunk zeigen würden. Ebenso wurde kritisiert, dass die Veranstaltung selbst nicht gut beworben gewesen sei. Eine weitere Besucherin berichtete von Demonstrationen in der Schweiz, nach der Einführung von 5G und gesundheitlich negativen Symptomen, die Menschen dort nach Einführung entwickelt hätten.
"Wir können uns den Fakten und Tatsachen nicht entziehen und bitte geben wir uns nicht der Heuchelei hin, dass wir jetzt keinerlei Strahlen haben, dass wir jetzt nichts ausgesetzt sind", sagte indes Hedi Wechner. "Ich trage Verantwortung, aber ich trage Verantwortung für alle – das heißt: ich muss abwägen, was kann ich tun bzw. was kann ich nicht tun". Über kurz oder lang werde 5G ohnehin kommen, ob man das wolle oder nicht.

Mehr zum Start des 5G-Netzes finden Sie hier.
Mehr zur ersten Präsentation des Netzes in Wörgl und Alpbach finden Sie hier.

Autor:

Barbara Fluckinger aus Kufstein

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