31.10.2017, 10:01 Uhr

Großklein dreht die Uhren zurück

Das Projekt-Team mit dem Bürgermeister von Großklein Johann Hammer. (Foto: Universalmuseum Joanneum/S. Kiszter)

Pflügen und Getreideanbau wie in der Steinzeit wird in Großklein im Rahmen des Projektes "PalaeoDiversiStyria" erprobt.

Im Rahmen des Projektes "PalaeoDiversiStyria" pflügten Wissenschaftler des Universalmuseums Joanneum und der Karl-Franzens-Universität Graz erstmals in Großklein einen Acker und bestellten ihn mit der Weizensorte Emmer. Anstatt moderne Geräte einzusetzen, wendeten sie Techniken an, die bereits in der Jungsteinzeit bekannt waren. Ausschlaggebend für den Versuch war der Fund eines jungsteinzeitlichen Tonlöffels bei den diesjährigen archäologischen Grabungen in Kleinklein, der die Besiedlung des Großkleiner Raumes schon vor 7.000 Jahren bestätigt. Ab 2018 informieren Tafeln neben dem Testfeld über den steinzeitlichen Getreideanbau.

Experimentalarchäologie

Die Archäologen bauten hierfür einen Holzpflug nach, wie er in der Jungsteinzeit zum Einsatz kam. Dieser sogenannte Ritzpflug wurde von ein bis zwei Personen gezogen und von einer weiteren Person gesteuert. Bei dem experimentalarchäologischen Versuch wurde sogenannter Emmer ausgesät. Der Emmer zählt zusammen mit dem Einkorn (Triticum monococcum) zu den ältesten kultivierten Weizenarten. Die ältesten Nachweise fanden sich im Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes im Nahen Osten aus der Zeit um 8.000 v. Chr. Trotz seiner früheren Beliebtheit verlor er jedoch in Europa relativ schnell an Bedeutung.
Ab dem nächsten Jahr können interessierte Besucher auf dem Testfeld einen direkten Vergleich zwischen dem modernen maschinellen und dem steinzeitlichen Getreideanbau sehen. Das Testfeld, das direkt neben der Straße zwischen Kleinklein und Mantrach in der Marktgemeinde Großklein liegt, wird mit Informationstafeln ausgestattet und kann jederzeit besichtigt werden.

Ziele des Projekts

Das Projekt "PalaeoDiversiStyria", das aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wird, hat sich zum Ziel gesetzt, aus archäologischen Grabungen mithilfe naturwissenschaftlicher Untersuchungen ursprüngliche Pflanzensorten, aber auch Nutz- und Wildtiere zu identifizieren, die von der Urgeschichte bis zum Beginn der Neuzeit in unserer Region vorgekommen sind. Heute teilweise in Vergessenheit geratene Nutzpflanzen sollen revitalisiert und wieder ins Bewusstsein gerückt werden. Aus ihnen sollen in naher Zukunft Produkte entwickelt werden, die in enger Verbindung mit der kulinarischen Tradition in der Steiermark und im nordöstlichen Slowenien stehen und Teil des Tourismusangebotes werden sollen.
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