Neues Buch
Günther Freitag sucht das Ungewöhnliche im Alltäglichen
- Der Leobener Autor Günther Freitag beim Interview für MeinBezirk im Café "Himml auf Erdn".
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Vom Leobener Autor Günther Freitag ist im Wieser-Verlag ein neues Buch erschienen. "Irre Läufer" ist ein Remix-Roman, Ausgangspunkte sind literarische Vorlagen bekannter europäischer Literaten.
LEOBEN. Im exakten Zwei-Jahres-Rhythmus veröffentlicht der Leobener Autor Günther Freitag seine Romane. Sein neuestes Werk "Irre Läufer" – erschienen im Klagenfurter Wieser Verlag – bezeichnet er als "Remix Storys".
"Die Geschichte ist insofern anders, dass sie kein Roman ist, sondern eine Sammlung von kürzeren Texten. Ausgehend von dem Gedanken, auf dem mich der Maler Georg Baselitz gebracht hat, ein sehr bekannter deutscher Maler. Er hat begonnen, eine Remix-Serie zu malen, in der er sein eigenes Oeuvre neu erfunden hat. Und ich habe literarische Vorlagen hergenommen – mit Anfangssätzen – und diese Texte neu geschrieben. Was insofern interessant war, weil es die Fantasie gefordert hat, etwas ganz anderes daraus zu machen, als der ursprüngliche Text es dargestellt hat", erklärt Günther Freitag
Die Vorlagen sind zum Teil aus dem Italienischen von Giorgio Manganelli, aus dessen Kultroman "Irrläufe. Hundert Romane in Pillenform". Das hat Freitag auch zum Titel seines neuen Buches "Irre Läufer" inspiriert.
- Günther Freitag: Ein nachdenklicher Blick in die Zukunft der deutschsprachigen Literatur
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Geschichte wird zurückerzählt
Weitere Ausgangspunkte für Günther Freitags "Remix Storys" sind Ermanno Cavazzonis "Kurze Lebensläufe der Idioten", R. P. Arlatis "Dies unbeschreibliche helle Licht im Fenster" sowie Ilse Aichingers "Spiegelgeschichte".
Darin wird vom Tod an zurückerzählt, daher Spiegelgeschichte. "Ich habe das Gleiche gemacht mit einer sehr persönlichen Geschichte eines befreundeten Arztes, dessen Gattin an einer Krebserkrankung gestorben ist. Diese Krankengeschichte wird zurückerzählt, ins Leben hinein", sagt Freitag.
Von Cavazzonis Roman hat Günther Freitag bereits vor einigen Jahren Variationen für ein Buch verwendet, das die EU zur Einführung des Euro herausgegeben hat. "Man hat aus allen Ländern, in denen der Euro eingeführt wurde, einen Text genommen, und ich hatte das Glück, dass meine Cavazzoni-Variationen zum Teil dafür ausgewählt wurden", berichtet Freitag.
Ungewöhnlich erzählte Kurzprosa
Von großen Gefühlen am Rand der Lächerlichkeit und unerreichbaren Zielen, von kleinen Niederlagen und vom Scheitern handeln die Texte, wenn sie sich auf die Suche nach dem Ungewöhnlichen im Alltäglichen begeben.
Günther Freitags Werke sind keine klassische Spannungsliteratur, die Sprache ist poetisch, mitunter sogar schräg. Es sind Texte, die eher reflektierend als handlungsgetrieben sind. In "Irre Läufer" ist es mitunter experimentelle oder ungewöhnlich erzählte Kurzprosa.
- Literarisches "Kaffeesudlesen" im Kaffeehaus
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Günther Freitags Themenschatz
"Man hat seine Themen, man hat seine Lieblingsfiguren, die wird man ein Leben lang nicht los. Mein erstes Buch ist vor mittlerweile 41 Jahren erschienen. Das heißt, wenn man so lange als Autor arbeitet, dann ist man irgendwo auch schon in einen Formelschatz, in einen Themenschatz eingebettet, den man ungern verlassen würde. Es ist krankhaft, nach etwas zu suchen, was möglicherweise aktuell ist, das wäre lächerlich und würde ja auch nichts bringen", sagt Günter Freitag mit großer Überzeugung.
Mainstream oder Randliteratur
Angesprochen auf das abnehmende Interesse für Literatur im deutschsprachigen Raum wird Freitag nachdenklich: "Die Literatur, wie die Kunst generell, wird wenig verändern. Sie wird bei manchen Leuten, die ohnedies dafür empfänglich sind, das Bewusstsein vielleicht sensibilisieren. Aber grundsätzlich geht keine Wirkung von ihr aus."
Wie wird die Literatur in zehn Jahren aussehen? Günther Freitag: "Dort, wo sie heute ist. Sie wird sich den Themen und den Formen anpassen. Die Vermarktungsindustrie wird immer Bestseller-Autoren finden, die den Verlagen Geld einspielen. Die nicht so gängige Randliteratur, die den Mainstream nicht bedient, wird immer mehr Boden verlieren. Das ist ganz klar vorgezeichnet."
- Buchcover von "Irre Läufer"
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Buchtipp:
Günther Freitag: Irre Läufer
Remix-Storys
220 Seiten, 21 Euro
Wieser-Verlag
ISBN 978-3-99029-693-6
Zur Person
Günther Freitag wurde am 29. Februar 1952 in Feldkirch/Vorarlberg geboren und wuchs in Graz auf, wo er Germanistik und Geschichte studierte. Zudem belegte er Klavier am Konservatorium.
Erste Kontakte zur Literatur ergaben sich für ihn durch das Forum Stadtpark in Graz, welches vom Dichter Alfred Kolleritsch und dem Maler Günter Waldorf geleitet wurde. So erschienen seine ersten literarischen Veröffentlichungen auch in der Literaturzeitschrift "manuskripte", deren Autor er heute noch ist.
1985 nahm er auf Einladung Manfred Mixners am Ingeborg Bachmann Wettbewerb in Klagenfurt teil.
Er schrieb Hörspiele für den ORF, die Theaterstücke Drei Traumkongruenzen (UA 1990 Forum Stadtpark Theater Graz), Rost (UA 2010 Stadttheater Leoben) und Donna Annas Gebiss (UA 2022 Stadttheater Leoben) sowie zahlreiche Romane.
Der Autor erhielt mehrere Preise: Forum Stadtpark Literaturpreis der Stadt Graz (1982); Literaturstipendium des Landes Steiermark (1990); Kulturpreis der Stadt Leoben (1992).
Er lebt in Leoben/Steiermark.
Im Wieser Verlag sind erschienen:
Piazza.Trieste (2006), Bienenkrieg (2008), Café Olympia (2013), Die Entführung der Anna Netrebko (2015), Melancholische Billeteure (2017), Mahlers Taktstock (2019), Bacons Schatten (2021) und Den Wald vor lauter Bäumen … (2023).
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