Ein mehr als außergewöhnliches Hobby
Nostalgie auf zwei Rädern

Ein aufwendiges Hobby: Gernot Marcher in seiner Werkstatt.
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  • Ein aufwendiges Hobby: Gernot Marcher in seiner Werkstatt.
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  • hochgeladen von Peter Wagner

Der "Wahlkraubather" Gernot Marcher frönt einem außergewöhnlichen Hobby. Er sammelt und restauriert Waffenräder.

KRAUBATH. Wenn man bei Gernot Marcher in Kraubath das Haus verlässt und ihm in die Werkstatt folgt, ist das fast wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Für den Besucher herrscht hier vielleicht ein ziemliches Chaos, der "Hausherr" findet aber bei jedem Griff zielsicher das gewünschte Werkzeug. Dominiert wird dieser Raum von einem ziemlich robusten, fast hundert Jahre alten Fahrradmontageständer. "Den habe ich mit dem Auto aus Stuttgart geholt. Mit der Post wäre es aufgrund des Gewichts sicher zu teuer gewesen", erzählt der Eisenbahner mit einem Lächeln und ergänzt: "Ich wollte meine Waffenräder einfach nicht auf einem modernen Montageständer 'bearbeiten'. Darum habe ich mir das gute Stück zugelegt!"

Außergewöhnliches Hobby
Auf die Frage, wie man auf die Idee kommt, Waffenräder zu sammeln beginnen die Augen des Lokführers zu leuchten und er beginnt zu erzählen, dass er sich eigentlich schon immer für alte Sachen interessiert hat. Waffenräder seien ihm schon in der frühen Kindheit ein Begriff gewesen. Ausschlaggebend war dann aber ein Gespräch mit einem Arbeitskollegen. "Seit damals bin ich Mitglied im Verein 'Freunde der Waffenräder Knittelfeld'. Mein Ziel war damals, ein oder zwei fahrbare Räder zu besitzen. Mittlerweile sind es rund 30 Waffenräder, davon kann man mit 20 Rädern auch wirklich fahren". Bei den restlichen Waffenrädern fehlen noch einige Ersatzteile um damit fahren zu können. "Und diese Teile über das Internet zu organisieren ist die eigentliche Kunst!", erklärt Marcher.

Einige Raritäten dabei
Das älteste Waffenrad in der Sammlung von Gernot Marcher ist ein Damenrad aus dem Jahr 1897. Erkennbar sind (Vollscheiben-) Räder aus dieser Zeit am Kettenblatt mit dem Schriftzug "Waffenrad". Das Lieblingsrad von Marcher stammt aus dem Jahr 1907 und ist auch ein solches Vollscheibenrad. Die "Hardliner" unter den Sammlern bevorzugen Räder bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. "Ab diesem Zeitpunkt wurde die Radproduktion von der Waffenfabrik Steyr zu Puch nach Graz verlegt und gelten daher nicht mehr als echte Waffenräder". Er selbst sammelt jedoch auch Räder aus späteren Jahren.  "Ich will mit meinen Rädern ja auch fahren. Darum ist mir das Alter nicht ganz so wichtig!" Wichtig ist Gernot Marcher aber die Verwendung von Orignalteilen und Zubehör. So ist auf seinem Lieblingsrad auch ein Säbelhalter zu finden. Ein jüngeres Rad hat er zum Beispiel nur gekauft, weil darauf eine original Radlaufglocke montiert war und eine solche sehr schwer zu bekommen ist.

Ausfahrten bis Zell am See
Die weiteste Ausfahrt mit dem Rad war zu einem Waffenradtreffen nach Zell am See. "260 Kilometer mit einem Waffenrad sind schon ein echtes Erlebnis!", erzählt der Hobbyradler lachend. Der Verein organisiert von Mai bis Oktober immer wieder Ausfahrten und Aktivitäten für die in etwa 20 Mitglieder. Und wenn jemand mitfahren möchte der kein Waffenrad hat, springt Marcher mit einem seiner Leihräder gerne ein. Auf die Frage, ob er in Bezug auf sein Hobby noch Wünsche hat gibt er sehr bescheiden zu Protokoll: "Materialmäßig habe ich schon mehr als ich mir jemals erträumt habe. Vielleicht fahre ich mit meinem Lieblingsrad noch über die Großglockner Hochalpenstraße oder ans Meer!"

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