Abschied von der Kommunalpolitik
Erich Temmel: "Ich bin kein Sesselkleber"

Erich Temmel hat sich nach 20 Jahren aus der Trofaiacher Kommunalpolitik zurückgezogen, er konzentriert sich jetzt auf Beruf und Familie.
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  • hochgeladen von Wolfgang Gaube

Der Trofaiacher ÖVP-Stadtrat Erich Temmel hat nach 20 Jahren Abschied von der Kommunalpolitik genommen.

TROFAIACH. "Nach 20 Jahren in der Kommunalpolitik lege ich mit Ende Februar mein Amt als Stadtrat und als Stadtparteiobmann zurück": Dieses Facebook-Posting des ÖVP-Kommunalpolitikers Erich Temmel kam für Außenstehende überraschend, aber parteiintern wurden längst die Weichen für seine Nachfolge gestellt.
"Wir haben bereits 2018, bei den Vorbereitungen zur Gemeinderatswahl 2020, festgelegt, dass Michael Winkler einmal mein Nachfolger werden wird. Das plötzliche Ableben meines Schwagers hat meine Entscheidung beschleunigt, damit ich mehr Zeit für die Familie habe,", sagt Temmel.
Jetzt sei Gelegenheit für jüngere Gedanken in der Trofaiacher ÖVP, ein neues Team könne sich bis zur Wahl im Jahr 2025 profilieren. Er selbst sei ganz bestimmt kein Sesselkleber, der jungen, engagierten an Politik interessierten Menschen im Weg stehen wolle.

Ein Mann mit Weitblick

Der Blick zurück erfüllt Temmel keinesfalls mit Zorn, sehr viele positive Ereignisse haben seine Arbeit in der Kommunalpolitik geprägt. Er erinnert sich an eine Podiumsdiskussion in Trofaiach im Jahr 2013: "Bei der Diskussionen um das Stadtzentrum habe ich vorgeschlagen, dass wir Häuser wegreißen sowie Parkplätze und ein Innenstadtflair schaffen müssen, es gilt auch den Hauptplatz zu beleben und Veranstaltungen schaffen. Dann gab es ein Raunen unter den Zuhörern, sie haben sich wohl gedacht: Was will der Depp? Mittlerweile ist die Stadtgemeinde meinen damaligen Gedanken gefolgt, das zeigen Projekte, wie der neue Parkplatz am Beginn der Hauptstraße und die Neugestaltung der Friedhofsgasse mit dem Wegfall der Engstelle."
Wichtig sei Temmel stets der Kontakt mit den Menschen gewesen. Unter dem Motto "Beim Reden kommen die Leute zusammen" lassen sich viele vermeintliche Probleme lösen. "Der schlechteste Kompromiss ist meist besser als Prozesse zu führen, das sieht man bei unserer Stadtgemeinde wohl anders, wie sonst sind die exorbitant gestiegenen Kosten für Rechtsberatung zu erklären", kritisiert Temmel.
Schnelle Hilfe war ihm und seinen Parteifreunden stets wichtig. Beispielsweise wurde nach einem Wohnungsbrand in Vordernberg der betroffenen Familie am gleichen Tag finanziell geholfen.

Lösungsorientierte Politik

Er habe aufgrund seiner Tätigkeit im Gemeinderat auch Freunde verloren, weil er sich an die Gesetze gehalten und sich nie verbogen habe: "Ich habe ja einen Eid auf die Gemeindeverfassung geleistet. Populistische Politik bringt keine Lösungen, das sieht man aktuell am Verhalten mehrerer Parteien zum geplanten Hühnerzuchtbetrieb in Edling."
Politisches Taktieren im Gemeinderat hat Erich Temmel oft verärgert: "Durch das Hinausschieben von Lösungen und wichtigen Maßnahmen, die oft für Widerspruch sorgen, sind Nachteile für die Bevölkerung wie auch für Grundeigentümer oder Unternehmer entstanden."

Kritik am politischen Gegner

In Punkto Mobilität in der Innenstadt hat Temmel klare, wenngleich nicht von allen in der Stadtpolitik Verantwortlichen mitgetragene Vorstellungen: "Wir müssen den Verkehr von der Hauptstraße wegbringen, die dortige Begegnungszone bringt wenig, wir müssen großräumiger denken und den Durchzugsverkehr aus dem Zentrum bringen."
Die Finanzen der Stadt Trofaiach sieht Temmel nicht so rosig, wie sie die SPÖ-Mehrheitsfraktion darstellt: "Unsere Kommunalsteuern sind – Trofaiach ist ja eine Wohnsitzgemeinde – sehr gering. Wir müssen ausgabenseitig sparen, da sind für mich auch die Personalkosten in der Stadtverwaltung ein Thema."
An die 1.000 Trofaiacherinnen und Trofaiacher haben bei der Gemeinderatswahl im Jahr 2020 die ÖVP gewählt. "Das sind ehrliche Stimmen, die Wählerinnen und Wähler sind mit unserer Arbeit zufrieden. Sie schätzen mein Team und mich als Menschen", sagt Temmel. Ein Stimmenzuwachs von 16,8 Prozent bedeutete gleichzeitig ein Mandat mehr im Gemeinderat.
Seinem Nachfolger Michael Winkler will Temmel eines auf seinen politischen Weg mitgeben: "Ich helfe gerne, werde mich aber bestimmt nicht einmischen. Und er soll nicht – so wie ich – zu brav sein, er soll nicht mit Kritik am politischen Gegner sparen, aber sachlich muss sie sein!"

Mehr Zeit für die Familie

In seiner Zukunft ohne Politik will sich Erich Temmel, wie anfangs erwähnt, mehr der eigenen Familie und seiner Verwandtschaft widmen: "Ich will das Leben mit vollen Zügen genießen, statt politischer Abendtermine mehr Zeit mit meiner Frau, meinen Kindern und Schwiegerkinder verbringen, bei einem Glas Wein zur Ruhe kommen, ohne dass das Mobiltelefon läutet. Und ich will, über meinen Beruf als Förster hinaus, noch mehr in der Natur unterwegs sein."

Zur Person:

Erich Temmel (55)
Familienstand: verheiratet mit Evelyne, drei Kinder:
zwei Söhne, eine Tochter
Ausbildung: Höhere Bundeslehranstalt für Forstwirtschaft Bruck/Mur
Studium: Donau-Universität Krems
Beruf: Förster bei der Realgemeinschaft Leoben
Politik: 20 Jahre für die ÖVP Trofaiach im Gemeinderat tätig, neun Jahre als Stadtrat
Hobbys: Familie, alle Arten von Sport, besonders Schwimmen, Laufen und Radfahren


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