27.10.2016, 09:41 Uhr

Der bekannte deutsche Sterbeforscher Bernard Jakoby spricht über die Angst vor dem Tod

Bernard Jakoby ist am 4. November in Liezen zu Gast. (Foto: KK)
Muss man Angst vor dem Tod haben?

BERNARD JAKOBY: Die Angst vor dem Tod ist meiner Ansicht nach völlig unbegründet. Wir wissen heute mehr denn je darüber, was mit uns geschieht, wenn wir sterben: Ob durch die Beobachtung der Sterbeprozesse, durch die Hospizbewegung oder die vielfältigen Nahtoderfahrungen. Letztlich ist es wichtig, sich der Eigenverantwortung bewusst zu werden und Unerledigtes im Hier und Jetzt zu erledigen. Im Sterben tritt alles Unversöhnte an die Oberfläche des Bewusstseins und in den Nahtoderfahrungen ist das Hauptelement die Lebensrückschau, also die Konfrontation mit sich selbst. Wenn wir uns im Hier und Jetzt damit auseinandersetzen, brauchen wir den Tod nie mehr zu fürchten.

Was versteht man unter einer „Nahtoderfahrung“?
Nahtoderfahrungen sind Bewusstseinserweiterungen, die unter verschiedenen Umständen, insbesondere während eines Herzstillstandes, auftreten können. Ich bevorzuge die Umschreibung „vorläufiger Tod“ oder „echtes Todeserlebnis“, weil die Todeslinie in zahlreichen Fällen eigentlich schon vorübergehend überschritten wurde. Verblüffend ist die stetige Wiederkehr der übereinstimmenden Merkmale, was eindeutig auf das Leben nach dem körperlichen Tod verweist.

Warum gilt der Tod für viele noch immer als Tabuthema?
Es besteht eine große Berührungsscheu bei den Menschen, sich persönlich dem Thema Tod und Sterben anzunähern. Dadurch wird natürlich die Vergänglichkeit des Menschen verdrängt, wobei ich es als eine der wichtigsten existenziellen Fragen erachte – wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich? Je mehr wir uns damit frühzeitig auseinandersetzen, umso mehr verlieren wir die Angst vor dem Sterben und vor dem Tod.

Was ist ein „Sterbeforscher“ genau, wie sieht der Alltag aus?
Schon in frühester Jugend stieß ich auf das Buch von Raymond Moody, „Leben nach dem Tod“. Es handelte sich um die erste Studie, die das Phänomen der Nahtoderfahrung einem breiten Publikum bekannt machte. Durch diese vielfältigen Berichte boten sich tiefe Einblicke in das Leben nach dem Tod. Dann erkrankten meine Eltern parallel an Krebs und verschafften mir tiefe Einblicke in die Sterbeprozesse. Das führte dazu, dass ich mich ab 1990 intensiv mit dem Sterben beschäftigt habe. Ich wollte dazu beitragen, das heutige Wissen über das Sterben bekannter zu machen. Sich mit diesen Dingen zu beschäftigen und dadurch Licht ins Dunkel zu bringen, ist die Aufgabe eines Sterbeforschers.


Heute werden die meisten Gräber im Bezirk mit Reisigzweiglein oder Latschen geschmückt. (Foto: ServusTV_Kukuvec)

Ennstaler Traditionen rund um Allerheiligen

Zu Allerheiligen und Allerseelen werden die Gräber mit Gestecken, die nur mehr zum Teil selbst hergestellt werden, geschmückt. An Stelle der früher üblichen Kränze wird heute das Grab rundherum mit Reisigzweiglein oder Latschen ausgelegt. In der Sölk werden auch Kranawitt und Almrauschblätter genommen. Kerzen in allen Größen werden zum Andenken an die Verstorbenen auf den Gräbern entzündet. Durch den Friedhof gibt es einen Umgang (Lichterprozession), wobei die Musikkapelle oder ein Bläserquartett spielt und ein Wortgottesdienst gefeiert wird. In Aigen heißt es am Allerseelentag, dass "die Verstorbenen ausgelassen werden". Man kann mit ihnen bis sechs Uhr am Abend reden. Weder in der Großsölk noch in der Kleinsölk ist zu Allerheiligen der Brauch des Godngehens üblich. Hier geht man am Stefanitag und am Ostermontag. In den meisten anderen Orten gehen die Kinder am Allerheiligentag zur Godn und bekommen dort ihr Geschenk. Der große Godnstrutzn wird jetzt hauptsächlich beim Bäcker gekauft. In Admont werden an beiden Allerheiligentagen Verwandte besucht.


Profis aus der Region unterstützen im Trauerfall. (Foto: ServusTV_Kukuvec)

Schon zu Lebzeiten Vorkehrungen treffen

Vor allem für ältere Menschen gilt das Thema Tod oft als Tabuthema. Die meisten setzen sich erst dann damit auseinander, wenn erste gesundheitliche Einschränkungen auftreten. Dabei gibt es auch in der Region Firmen und Organisationen, die auf diesem Gebiet echte Spezialisten sind.

Profis aus der Region
Rechtsanwälte oder Notare geben Auskunft über die Abwicklung von Verfügungen oder Testamenten. Um erst gar keine Streitigkeiten aufkommen zu lassen, sollte man sich frühzeitig darüber informieren.

Rechtzeitig vorsorgen
Für die Trauerfeier kümmert sich das Bestattungsunternehmen um den Termin mit der Pfarre und der Friedhofsverwaltung, organisiert die Trauerfloristik, Steinmetzarbeiten und Bewirtung, sofern dies gewünscht ist. Vorsorge-Unternehmen legen bereits zu Lebzeiten fest, in welchem Rahmen die Bestattung durchgeführt werden soll, damit es für die Angehörigen zu keiner finanziellen Last wird.

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