29.03.2017, 07:51 Uhr

Neue Zivildiener braucht das Land

Drei Zivildiener, die ihren Dienst in Liezen verrichten. Die meisten können sich ihren Einsatzort selbst aussuchen.

Aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge fehlen dem Roten Kreuz steiermarkweit Zivildiener.

Nachdem sich in den vergangenen Jahren immer mehr junge Männer für den Zivildienst entschieden haben, erfolgt nun eine Trendumkehr. Aber nicht deswegen, weil wieder vermehrt Burschen den Präsenzdienst beim Bundesheer leisten, sondern aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge. "Wir haben uns schon seit drei Jahren mit dieser Thematik befasst. Aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen", sagt Ronald Vala, Geschäftsführer der Rotkreuz-Bezirksstelle Liezen.
Zurzeit dauert der Zivildienst neun Monate, das sind um drei mehr als beim Bundesheer. Dafür ist jeder "Zivi" ein ausgebildeter Rettungssanitäter. "Das ist bei der Arbeitsplatzwahl ein großer Vorteil, weil große Firmen laut Gesetz einen ausgebildeten Ersthelfer brauchen", klärt Vala auf.

Dienstort selbst aussuchen

Zu Beginn des Zivildienstes beim Roten Kreuz steht ein sechswöchiger Kurs im Bildungs- und Einsatzzentrum Laubegg (Bezirk Leibnitz) am Programm. Dort werden sowohl Theorie- als auch Praxisarbeiten ausgeführt. Danach geht es für den Zivildiener zurück zur jeweiligen Einsatzstelle. Aufgrund der Tatsache, dass dringend Zivildiener gebraucht werden, können die meisten auch tatsächlich den Dienst an ihrer gewünschten Rotkreuz-Stelle verrichten. Sollte dies nicht möglich sein, wird zumindest darauf geachtet, dass der Zivildiener im Bezirk Liezen bleiben kann.

Zwei Kriterien

Für Ronald Vala gibt es zwei große Herauforderungen für einen Zivildiener: "Es ist kein Job für Weicheier, weil du ständig mit irgendwelchen Unfällen zu tun hast und das Einsatzgebiet ist die gesamte Steiermark." Wer sich nun für den Zivildienst beim Roten Kreuz interessiert, sich aber vom Ablauf lieber selbst ein Bild machen möchte, der kann vorher einen Schnupperkurs machen. "Wir empfehlen das sogar. Viele, die zu uns kommen, haben bereits einen familiären Hintergund beim Roten Kreuz, sprich, sie kennen das meiste schon. Aber wer es gerne ausprobieren will, kann jederzeit gerne kommen", so Vala. Seit 2016 ist es auch möglich, dass junge Frauen das "Freiwillige Soziale Jahr" beim Roten Kreuz leisten.

Männlichkeits-Ritual

Über 70 Prozent der Zivildiener bleiben dem Roten Kreuz zumindest zwei Jahre lang erhalten. Von 25 bis 50 Jahren fehlen freiwillige Helfer, erst ab 50 finden viele wieder vermehrt Zeit für den Rettungsdienst. Davor steht bei den meisten naturgemäß die Familie im Vordergrund.
Für Ronald Vala beginnt mit dem Bundesheer oder Zivildienst eine neue Zeitrechnung. "Früher bist du zum Mann geworden, wenn du einen Bären erlegt hast, heute beginnt damit das Erwachsenwerden."
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