Zwiespältige Bilanz der steirischen Skigebiete

Fabrice Girardoni, hier im Depot des Mürzzuschlager Wintersportmuseums, beziffert den Umsatzentfall aller steirischen Skigebiete mit rund 14 Millionen Euro.
  • Fabrice Girardoni, hier im Depot des Mürzzuschlager Wintersportmuseums, beziffert den Umsatzentfall aller steirischen Skigebiete mit rund 14 Millionen Euro.
  • Foto: Foto: Pashkovskaya
  • hochgeladen von Markus Hackl

Fabrice Girardoni, Geschäftsführer der Stuhleck-Bergbahnen und Obmann der steirischen Seilbahnen, zieht im exklusiven WOCHE-Interview eine zweigeteilte Bilanz über die abgelaufene Wintersaison.

Die Wintersaison wurde aufgrund der Corona-Maßnahmen abrupt beendet. Ist es möglich trotzdem Bilanz zu ziehen?
FABRICE GIRARDONI: Das verfrühte Saisonende kam für alle überraschend – der guten Ordnung halber muss dazu gesagt werden, dass die Endabrechnung der Kartenpools ist noch im Laufen ist, es kann daher bei dem ein oder anderen Skigebiet zu Verschiebungen im Ergebnis kommen – was einen allgemeinen Trend anbelangt können wir aber schon Aussagen tätigen.

Wie ist aus Sicht der steirischen Seilbahnbetreiber die Saison ausgefallen?
Wenn man die Saison 2019/2020 in zwei Teile teilt – den vor der allgemeinen Beendigung der Wintersaison und den danach zeigt sich folgendes Bild: Die Saison ist im ersten Teil für die steirischen Seilbahnbetreiber zum überwiegenden Teil sehr gut gelaufen. Vor allem, wenn bedenkt, dass die Wettersituation gerade am Anfang der Wintersaison alles andere als winterlich war. Dennoch haben alle Gebiete die auf maschinelle Beschneiung zurückgreifen können einen Saisonstart rechtzeitig im Dezember geschafft. Die Weihnachtsferien sind sehr gut gelaufen und haben die meisten mit einem satten Plus im Vergleich zum Vorjahr abschneiden lassen. Teilweise hat im Jänner das Schönwetter im Vergleich zum Vorjahr nicht so mitgespielt, dieses Bild hat sich auch durch den Februar gezogen. Am Ende der steirischen Semesterferien ist die Branche dadurch in etwa wieder auf Niveau der Saison 18/19 gelegen.

Die zweite Saisonhälfte wurde natürlich von den Corona-Maßnahmen überschattet?
Im zweiten Saisonteil – also nach dem 15. März waren nur jene Skigebiete betroffen, die noch länger, z.B. bis Ostern, offen gehalten hätten. Vor allem bei kleineren Skigebieten waren die Einbußen bzgl. der Saisondauer oft vernachlässigbar, weil einige ohnehin Mitte März geschlossen hätten. Bei jenen, die noch bis Ostermontag oder darüber hinaus offen gehalten hätten, hat sich die um einen Monat vorgezogene Schließung definitiv im Umsatz bemerkbar gemacht. Hochrechnungen haben ergeben, dass in der Steiermark so ca. 500.000 Gästezutritte verloren gegangen sind, was einem Umsatzentgang in Höhe von 14 Millionen Euro entspricht. Dazu kommt aber noch jene Wertschöpfung, die in den Branchen verloren ging, die direkt mit den Wintersportgästen der Skigebiete zusammenhängen. Der Wertschöpfungsmultiplikator den die Seilbahnwirtschaft bewirkt, beträgt in der Steiermark 7,4. Das bedeutet, dass 1 Euro an Wertschöpfung bei den Seilbahnen zu 7,4 Euro an Wertschöpfung in der Region führen.

Wie sieht die Saisonbilanz am Stuhleck aus?
Unsere Saison entsprach ziemlich genau dem Branchenbild. Die Auswirkung des Schneeanlagenausbaus war für uns jedoch besonders bemerkenswert: Obwohl die Temperaturen im Dezember alles andere als tief winterlich waren, konnten wir innerhalb kurzer Zeit im Skigebiet den Vollbetrieb aufnehmen. Der hohe Pistenöffnungsgrad hat uns am Saisonbeginn eine gute Auslastung im Gebiet gebracht.

Wie sehr spielte das das verfrühte Saisonende eine Rolle?
Nachdem wir bis Ostermontag gefahren wären, hat uns das um einen Monat vorgezogene Saisonende definitiv Umsatzeinbußen gebracht.

Haben die jetzigen Maßnahmen auf den kommenden Winter?
Das wird davon abhängen, wie sehr und wie anhaltend die wirtschaftliche Situation und damit auch die Kaufkraft bei unseren Kunden unter den notwendigen Maßnahmen leiden. Und auch davon ob die Reisebeschränkungen in und aus den Nachbarländern bis zum Beginn der nächsten Wintersaison wieder aufgehoben sind. Schließlich sind die ausländischen Märkte für uns sehr wichtig.

Wie sieht es mit geplanten Investitionen aus?
Wir haben nach unserem, mittlerweile abgeschlossenen großen Schneeanlagenprojekt, für heuer ein kleineres Optimierungsprojekt eingeplant, das vor allem im unteren Bereich des Skigebiets die Geschwindigkeit mit der wir beschneien können, nochmals deutlich steigern wird. Dieses Projekt wird nach heutigem Stand der Dinge auch im heurigen Sommer umgesetzt werden.
Bei Großprojekten in anderen Skigebieten der Steiermark sieht es da mitunter anders aus. Nachdem die Bauwirtschaft stark unter der Covid-Krise leidet wurden bereits große Seilbahnprojekte wie zum Beispiel im Ennstal verschoben.


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