Neiddebatte?
Kreisverkehr in Maishofen erzürnt das Glemmtal

Gegensätzlicher Meinung über den Kreisverkehr: Bürgermeister Alois Hasenauer (Saalbach) und Franz Eder (Maishofen)
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Heftige Kontroverse zwischen Maishofen und Saalbach: Grund ist ein geplanter Kreisverkehr am Eingang zum Glemmtal. Ein Diskussionsabend im Tourismusbüro von Saalbach offenbarte die Differenzen zwischen den Gemeinden.

SAALBACH. "Der Verkehr ist immer ein emotionales Thema", sagte einer der es wissen muss. Verkehrslandesrat Stefan Schnöll ist hitzige Debatten gewöhnt. Die Infoveranstaltung in Saalbach war aber auch für den routinierten Politiker eine Herausforderung.

Schließlich wurde er eingeladen eine Baumaßnahme zu erklären, die für Maishofen Vorteile bringt, für Saalbach aber Nachteile. Das wird auch gar nicht beschönigt. "Ich verspreche sicher nicht, dass das ganz super wird, es ist eine Kompromisslösung", so Schnöll. Seit Jahren wurde geplant, mehrere Varianten geprüft, dann habe man sich für dieses Projekt entschieden.

Dieser Kreisverkehr erhitzt die Gemüter in Saalbach: links die Landesstraße ins Glemmtal, die bisherige Rampe fällt weg.
  • Dieser Kreisverkehr erhitzt die Gemüter in Saalbach: links die Landesstraße ins Glemmtal, die bisherige Rampe fällt weg.
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Der Maishofner Bürgermeister Franz Eder ersuchte die Saalbacher zu respektieren, dass Maishofen Verbesserungen für die Gemeinde erzielen will. "Jeder hier soll sich überlegen, ob die kleine Verschlechterung wirklich so ein Weltuntergang wäre. Wir reden hier schließlich von rund fünf Stunden an fünf Samstagen im Jahr", so Eder.

Gemeint ist der Rückstau, den die Saalbacher durch den geplanten Kreisverkehr an der Zufahrt ins Glemmtal befürchten. Tatsächlich wurde das zu den Spitzenzeiten durch die Experte nicht ausgeschlossen. Laut den Berechnungen würden das jedoch nicht mehr als 13 PKW sein, das könne der Kreisverkehr bewältigen. Bei großer Staubelastung würden Pförtnerampeln aktiviert. Die Saalbacher bezweifeln allerdings, dass das funktionieren könnte. "Die Autos werden Schlange stehen bis zur Bundesstraße, hier ist der Rückstau vorprogrammiert", meinte ein Anwesender.

Landesrat Stefan Schnöll versucht die Wogen zu glätten
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Am meisten beunruhigt ist man durch den Umstand, dass die Rampe weg fällt, auf der man derzeit von der B311 in die Glemmtaler Landesstraße abbiegt. Dass diese Spur nicht erhalten bleiben kann stößt auf völliges Unverständnis. "Das bisherige System hat gut funktioniert und wird um viel Geld verschlechtert. Der Unmut im Ort darüber ist groß", fasste TVB-Obmann Heinz Fuchs die Stimmung zusammen.

Auch Bürgermeister Alois Hasenauer teilt diese Ansicht: "Aus unserer Sicht hatten wir bis jetzt eine gute Lösung und bekommen nun eine Verschlechterung." Saalbach solle nicht darunter leiden, dass die Betriebe in Maishofen einen besseren Anschluss für das Gewerbegebiet wollen, lautet der einhellige Tenor. "Private Firmen sollen nicht auf unsere Kosten profitieren", meinte etwa der ehemalige Bürgermeister Peter Mitterer, der auch betonte, dass er während seiner 24-jährigen Amtszeit gelernt habe den Experten zu misstrauen.

Experte Günther Eberharter von der Landesstraßenverwaltung
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Da nützte es auch nichts, dass Franz Eder mehrmals auf die bisherige gute Zusammenarbeit verwies und bei den Saalbachern um Verständnis warb: "Diese Neiddebatte finde ich nicht gut. Man soll der Nachbargemeinde eine Verbesserung vergönnen, wenn man selber nicht dramatisch verschlechtert wird", meinte der Bürgermeister und fügte hinzu: "Der Verkehr des Glemmtals muss schließlich auch bei uns vorbei und wir haben uns noch nie beschwert". Er verstehe durchaus, dass Maishofen sich entwickeln will, konterte Hasenauer, aber bei einer gemeinsamen Landesstraße müsse man Rücksicht nehmen.

Die Debatte drehte sich im wahrsten Sinne des Wortes im Kreis. Auch wenn alle Beteiligten sich bemühten höflich und sachlich zu bleiben, fielen mehr oder weniger spitze Bemerkungen, die das Ausmaß des Unmuts erahnen ließen. Schließlich wurde vereinbart, dass bis Ende des Jahres entschieden wird, ob es Möglichkeiten zur Verbesserung gibt. LR Schnöll wird seine Experten beauftragen, zu prüfen ob ein zweispuriger Kreisverkehr sinnvoller wäre und ob es einen Weg gibt die Rampe zu erhalten.

Daten und Fakten zum Kreisverkehr:

Gründe für den Bau:

  • höhere Verkehrssicherheit
  • Entschärfung der gefährlichen Zufahrt zum Gewerbegebiet Rieder, wo nun auch die Firma Transgourmet angesiedelt werden soll
  • Senkung des Geschwindigkeitsniveaus
  • bisher keine Querung für Fußgänger und Radfahrer
  • viele Fehlfahrten durch Molkerei
  • Schaffung von Park & Ride Flächen
  • Geringerer Flächenverbrauch, Rückbau von Grünflächen
  • bessere Anordnung der Bushaltestellen


Kosten:

Rund 1 Million Euro, 
Finanziert durch: 1/3 Land, 2/3 Betriebe (Rieder, Transgourmet)
Gemeinde Maishofen: 150.000 Euro für den Kreisverkehr, 150.000 Geh- und Radweg

Dimensionen:

  • Durchmesser des KV: 60 Meter, einspurig
  • Verkehr pro Stunde/Spitzenzeit: 1940 Pkw
  • (Max. Belastung bei dieser Größe: 2800 Pkw)
  • Mittlere Wartezeit für alle Fahrzeuge: rund 17 sec.
  • Ergibt einen sog. "Level of Service C"; zum Vergleich: Intersparkreuzung in Saalfelden weist Level D auf, hat demnach ungünstigere Voraussetzungen
  • Baubeginn Frühjahr 2020

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