Protest gegen S34
"Lärm und Transit nehmen zu!"

Auch Bernd Lötsch, Umweltschutz-Doyen und früherer Direktor des Naturhistorischen Museums, tritt gegen den Bau der S34 ein und besuchte die Gegner bei Sankt Georgen.
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  • Auch Bernd Lötsch, Umweltschutz-Doyen und früherer Direktor des Naturhistorischen Museums, tritt gegen den Bau der S34 ein und besuchte die Gegner bei Sankt Georgen.
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Die Gegner der geplanten S34 schickten einen offenen Brief an St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ). Man macht auf massive Flächenversiegelung sowie schwindene Ackerflächen aufmerksam und befürchtet mehr Straßen- und Transitlärm.

ST. PÖLTEN. "Die Wälder brennen, Menschen sterben und mitten in Europa machen vom menschengemachten Klimawandel befeuerte Unwetterkatastrophen inzwischen ganze Ortschaften dem Erdboden gleich" - so beginnt der offene Brief, den die Gegner der Geplanten Traisental-Schnellstraße S34 nun an St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler geschickt haben.

Bürgerinitiativen, Umweltschutzverbände und prominente Bewohner der Ortschaften, durch die die S34 einmal führen könnte, haben den Brief unterzeichnet. Darin wird mit drastischen Worten auf die Gefahren der Umweltzerstörung durch den Bau des umstrittenen Straßenprojekts, sowie auf die erwarteten Folgen wie eine Zunahme von Straßen- und Transitlärm aufmerksam gemacht.

Die Trasse der geplanten S34 soll durch Ackerflächen und grüne Erholungsgebiete hindurchführen.
  • Die Trasse der geplanten S34 soll durch Ackerflächen und grüne Erholungsgebiete hindurchführen.
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Stadler wird direkt angesprochen: "Wollen Sie sich 2021(...) tatsächlich noch für die großräumige Vernichtung unserer klimafittesten und enkeltauglichsten Landschaften hergeben? Engagieren wir uns doch lieber gemeinsam für die Erhaltung unserer Wälder, unserer Naherholungsgebiete, unseres Trinkwassers und unserer regionalen Lebensmittelversorgung.

Klimaneutralität statt Transitlärm

Statt des Baus der S34 wird im Brief auf die Einhaltung des St. Pöltner Ziels aufmerksam gemacht, bis 2030 klimaneutral zu sein: "Beschreiten wir jetzt diesen Weg, um gemeinsam den wahren Schatz unserer Stadt zu heben. Nutzen wir die Einzigartigkeit unserer Stadt, um St. Pölten zu einer Modellstadt für ganz Europa zu machen."

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird darin zitiert, der bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele eindringlich mahnte, "nach Bewältigung der Pandemie nicht mehr zu einer alten 'Normalität' zurückzukehren, in der Wirtschaft, Ökologie und soziale Verantwortung auf Kosten des Klimaschutzes fahrlässig gegeneinander ausgespielt wurden."

Die Grünflächen rund um St. Pölten sind Erholungsraum zahntausender Menschen und Ackerfläche zum Anbau von Lebensmitteln.
  • Die Grünflächen rund um St. Pölten sind Erholungsraum zahntausender Menschen und Ackerfläche zum Anbau von Lebensmitteln.
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Die Grünflächen des Wienerwaldes waren auch schon in früherer Zeit bedroht, so ging der Mödlinger Bürgermeister Josef Schöffel (1832-1910) als "Retter des Wienerwaldes" in die Geschichte ein, als er vor über 100 Jahren dazu aufgerufen hat, den Wald "auch nach seiner Zeit vor den Spekulanten zu schützen."

Zum Schluss rufen die Unterzeichner des offenen Briefes dazu auf, "den wahren Schatz unserer Stadt zu heben" und St. Pölten zur Modellstadt für ganz Europa in punkto Klimaschutz zu machen: "Mit Achtsamkeit gegenüber allem Lebendigen und durch ein gemeinsames Bekenntnis zu einer verantwortungsvollen Umwelt- und Klimapolitik ohne Lippenbekenntnisse und ohne Feigenblatt- Aktionen wollen und werden wir die Lebensgrundlagen der Kinder dieser Stadt, dieses Landes und dieser Welt schützen. (...) Gemeinsam schaffen wir das!"

Das ist der offene Brief:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mag. Matthias Stadler,

die Wälder brennen, Menschen sterben und mitten in Europa machen vom menschengemachten Klimawandel befeuerte Unwetterkatastrophen inzwischen ganze Ortschaften dem Erdboden gleich. Immer häufigere Extremwetterlagen verringern die Erträge auf unseren wegen ungebrochener Flächenversiegelung rapide schwindenden Ackerflächen.
„How dare you?!“ empört sich Greta Thunberg mit Recht über die Verantwortungslosigkeit von Politik und Wirtschaft.

Anlässlich der Eröffnung der heurigen Salzburger Festspiele mahnt unser Herr Bundespräsident eindringlich dazu, nach Bewältigung der Pandemie nicht mehr zu einer alten „Normalität“ zurückzukehren, in der Wirtschaft, Ökologie und soziale Verantwortung auf Kosten des Klimaschutzes fahrlässig gegeneinander ausgespielt wurden.

Zahlreiche Bauern entlang der Trasse der geplanten S34 sollen enteigent werden. Ihre Ackerflächen würden für die vier Fahrbahnen der Autobahn-ähnlichen Schnellstraße versiegelt und zubetoniert werden.
  • Zahlreiche Bauern entlang der Trasse der geplanten S34 sollen enteigent werden. Ihre Ackerflächen würden für die vier Fahrbahnen der Autobahn-ähnlichen Schnellstraße versiegelt und zubetoniert werden.
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Der als Retter des Wienerwaldes in die Geschichte eingegangene Mödlinger Bürgermeister Josef Schöffel (1832-1910) hat bereits vor über 100 Jahren dazu aufgerufen, den Wald auch nach seiner Zeit vor den Spekulanten zu schützen.

Herr Bürgermeister Stadler, heute stehen Sie in ebendieser historischen Verantwortung an seiner Stelle in unserer Stadt: Wollen Sie sich 2021, mitten in einer von Klimakrise, Umweltzerstörung und Artensterben geprägten Zeit, tatsächlich noch für die großräumige Vernichtung unserer klimafittesten und enkeltauglichsten Landschaften hergeben? Engagieren wir uns doch lieber gemeinsam für die Erhaltung unserer Wälder, unserer Naherholungsgebiete, unseres Trinkwassers und unserer regionalen Lebensmittelversorgung.

„Wie geht es weiter?“ – „Have you ever had a moment, when you asked, What next?“, fragt Polly Higgins, Gründerin der weltweiten Stopp-Ökozid-Bewegung. Genau diese Frage stellen wir Ihnen angesichts der zutage getretenen Haltung der St. Pöltner Stadtpolitik nun ganz konkret.
Bisher haben wir Sie offenbar vergeblich über die zahlreichen schwerwiegenden Schäden an Mensch und Natur informiert, die mit der Realisierung der geplanten Schnellstraße S34 unzweifelhaft einhergehen werden.

Die Gegner der S34 demonstrieren, wie hoch die Trasse durch den Grüngürtel rund um St. Pölten gebaut werden würde.
  • Die Gegner der S34 demonstrieren, wie hoch die Trasse durch den Grüngürtel rund um St. Pölten gebaut werden würde.
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Wir und zahlreiche weitere engagierte Menschen sind an Sie, Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Magistraten und an weitere Vertreterinnen und Vertreter der Stadtpolitik herangetreten, um die Stadt zu einem blühenden Ort zu machen. Wir haben gemeinsam mit unserem Netzwerk von Verkehrsexpertinnen und Verkehrsexperten wirksame Verkehrsentlastungen, auch entlang der B20, vorgeschlagen.

Ungeachtet all dessen hat St. Pöltens völlig aus der Zeit gefallene Verkehrspolitik dazu geführt, dass wir schon jetzt Österreichs Stadt mit dem größten Pro-Kopf Platzverbrauch für den Verkehr sind und dass ein überwiegender Teil der Menschen unserer Region weiterhin geradezu ans Auto gebunden wird.

Setzen Sie sich bitte nicht Pro S 34 ein, engagieren Sie sich stattdessen für eine tatsächlich zukunftsgewandte Verkehrspolitik:

• Das Netz an Bahnhaltestellen aus dem Traisental und entlang der Alten Westbahnstrecke wurde sukzessive ausgedünnt. Nutzen wir die bestehenden Strecken, sorgen wir für eine bedarfsgerechte Verdichtung der Intervalle und die Wiederherstellung eines durchgängigen Haltestellennetzes. Die bestehende Strecke reicht aus, um den öffentlichen Verkehr attraktiv zu gestalten.

• Das Zeitfenster ist gerade jetzt offen für wirklich innovative Verkehrslösungen wie etwa eine durchgängige Anbindung innerstädtischer Destinationen per Regionalstadtbahn.

• Es liegt in der Sphäre der Stadt St. Pölten, Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Güterverkehr und Gewerbezonen direkt über die Bahn anzubinden. Sorgen Sie bitte dafür, dass die Schiene forciert wird, auch indem gezielt solche Betriebe bevorzugt werden, die die Güter per Bahn transportieren. Das schafft attraktive Arbeitsplätze, festigt den Eisenbahn-Innovationsstandort St. Pölten und trägt wirksam zur Verkehrsentlastung bei.

So hoch wären die Lärmschutzwände, die die vierspurige S34 umrahmen würden.
  • So hoch wären die Lärmschutzwände, die die vierspurige S34 umrahmen würden.
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• Vor wenigen Jahren hat St. Pölten die um 855 Millionen € errichtete Güterzugumfahrung eröffnet. Von der Stadt werden nun zahlreiche in unmittelbarer Nähe liegende Gewerbeflächen entwickelt. Sie haben damals den Menschen mit der Güterzugumfahrung eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene und für die zukünftigen Generationen eine moderne, leistungsfähige und umweltfreundliche Verkehrsinfrastruktur versprochen. Es ist an der Zeit, dieses Versprechen durch die tatsächliche Anbindung der neuen Gewerbegebiete umzusetzen. Genau das würde aber die aktuell geforderte Komplett-Einhausung der Güterzugumfahrung unmöglich machen.

• Sie wissen wie wir, dass ein höchstmöglicher Radverkehrsanteil der entscheidendste Schlüssel für eine lebenswerte und klimaneutrale Stadt der Zukunft ist. Jeder mit
St. Pöltens Fuß- und Radwege-Flickwerk vertraute Mensch weiß, dass es hier dringend einen Masterplan und einen Neustart braucht. Die Voraussetzungen für einen europaweit vorbildhaften Radverkehrsanteil sind in unserer Stadt zweifelsfrei gegeben. Die Bereitschaft in der Bevölkerung ist da, die Infrastruktur fehlt aber genauso wie ein substanzielles Radbudget. Die in der räumlichen Erstreckung vergleichbar große Stadt Graz geht hier mit leuchtendem Beispiel voran.

Auch die Stadtplanung sowie sämtliche Umweltschutz-Beauftragte der Stadt St. Pölten sind gefragt, substantielle Hinweise in Bezug auf die Schäden, die mit dem Projekt S34 und zahlreichen anderen Infrastrukturprojekten in unserer Stadt einhergehen, ernst zu nehmen und ihnen nach bestem Wissen und Gewissen, transparent und unbeeinflusst von parteipolitischen und wirtschaftlichen Interessen auf den Grund zu gehen. Nur so können wir uns in St. Pölten künftig den tatsächlich großen Herausforderungen im Umwelt- und Klimaschutz stellen.
Wir fordern eine wirkungsvolle Entlastung der Bevölkerung an der B20 in Form von alternativen Mobilitätsangeboten abseits des motorisierten Individualverkehrs und keine neue Schnellstraße, die unsere Stadt tatsächlich mit noch mehr Verkehr flutet.

Hören Sie bitte auf, uns die S34 als Entlastung zu verkaufen, wenn es sich tatsächlich um einen Türöffner für eine künftige Lärm- und Transithölle nach Vorbild der Brennerautobahn, mitten durch den westlichen Teil unserer Stadt, mitten durch Niederösterreich handelt.

Herr Bürgermeister, der Versuch, Menschen gegeneinander aufzubringen, indem politische Mandatare politisch motivierte Aktionen anzetteln, fällt bei uns auf keinen fruchtbaren Boden. Wir setzen auf Dialog und Transparenz, nicht auf Konfrontation.

Bitte beweisen Sie Mut: Rücken Sie von Ihrer bisherigen Haltung ab und distanzieren Sie sich in Würdigung des von Ihnen bekleideten Amtes von jenen Wirtschaftslobbyisten, Parteigranden und mit in Regierungsverantwortung befindlichen Politikerinnen und Politikern, die derzeit alle Hebel in Bewegung setzen, um für einen alles ruinierenden Straßenbau zu werben.
Auch wir beweisen Mut und gehen auf Sie zu – als St. Pöltner Zivilgesellschaft – eine echte, gewachsene, konstruktive Bürgerinnen- und Bürgerbewegung.

Mit zahlreichen Unterstützungserklärungen bekennt sich das Initiativennetzwerk der Klimahauptstadt 2024 zum tatsächlich richtungsweisendsten Projekt der Stadt St. Pölten. Ihre Stadt hat sich damit selbst zum Ziel gesetzt, bis 2030 KlimaNEUTRAL + KlimaFIT zu werden.
Beschreiten wir jetzt diesen Weg, um gemeinsam den wahren Schatz unserer Stadt zu heben. Nutzen wir die Einzigartigkeit unserer Stadt, um St. Pölten zu einer Modellstadt für ganz Europa zu machen.

Mit unseren Initiativen sind wir mit dem Ziel an den Start gegangen, unsere – Ihre – Stadt zum Blühen zu bringen: Gemeinsam schaffen wir das!

Die Grünflächen rund um St. Pölten sind Erholungsraum zahntausender Menschen und Ackerfläche zum Anbau von Lebensmitteln.
  • Die Grünflächen rund um St. Pölten sind Erholungsraum zahntausender Menschen und Ackerfläche zum Anbau von Lebensmitteln.
  • Foto: Stopp S34
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Mit Achtsamkeit gegenüber allem Lebendigen und durch ein gemeinsames Bekenntnis zu einer verantwortungsvollen Umwelt- und Klimapolitik ohne Lippenbekenntnisse und ohne Feigenblatt- Aktionen wollen und werden wir die Lebensgrundlagen der Kinder dieser Stadt, dieses Landes und dieser Welt schützen.

Ihrer Rückmeldung und Ihrer Einladung zur dazu notwendigen vertrauensvollen Zusammenarbeit von Politik und Zivilgesellschaft sehen wir mit allergrößtem Interesse entgegen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Mit besten Grüßen (die Unterzeichner):

Exit Green: Stefan Kuback und Georgina Weinhart
Extinction Rebellion NÖ: Hannes Kössl
Fridays for Future St. Pölten: Johanna Frühwald
IODE - Institut ohne direkte Eigenschaften: Robert Sommer
Landrettung St. Pölten: Maria Fahrnberger
Lebenswertes Traisental: Franz Bertl
Metamorphosis 2050: Dieter Schmidradler
NÖ Berg- und Naturwacht: Elisabeth Prochaska
Pro St. Pölten: Friedl Nesslinger
Radlobby St. Pölten: Maria Zögernitz
S34 sinnlos: Walter Heimerl-Lesnik
Stopp S34: Romana Drexler
Stopp Transit S34: Bernhard Higer
Verkehrswende.at: Elke Kastner
ZUUM - Zukunft Umwelt Traisental: Gottfried Kern
Obmann des Ausschusses für Umwelt, Agrarwirtschaft und Märkte: Josef Brader
Sprecher der von der S34 betroffenen land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitzer: Anton Higer
Jagdleiter und Jagdaufsichtsorgan der Genossenschaftsjagd Pummersdorf: Anton Zichtl
Kulturschaffender und Unternehmer: Giovanni Galilei
Unternehmens-Beratung Hagmann: Renate Hagmann
Architekt und Karikaturist: Gottfried Haselmeyer
Tierpraxis Krehon: Thomas Krehon
Steuer- und Unternehmensberater: Rainer Romstorfer
Apothekerin: Ulrike Zöchling

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