Wödsteira: Wolfgang Wedan
Weltweit für die Nothilfe im Einsatz

Wolfgang Wedan ist Tag und Nacht dort im Einsatz, wo Leid und Zerstörung herrscht, wie hier in Aleppo, nach dem Erdbeben im Jahr 2023.  | Foto: Jugend Eine Welt
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  • Wolfgang Wedan ist Tag und Nacht dort im Einsatz, wo Leid und Zerstörung herrscht, wie hier in Aleppo, nach dem Erdbeben im Jahr 2023.
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Haiti, Aleppo, Ukraine. Wolfgang Wedan ist im Einsatz, wenn humanitäre Krisen ausbrechen. In unserer Wödsteira-Serie erzählt der gebürtige Voitsberger über sein Leben als Nothilfekoordinator.

VOITSBERG/VENEZUELA. "Nur wer schnell hilft, hilft wirklich gut", spricht Wolfgang Wedan den Faktor Zeit in der Nothilfe an. Wenn eine Katastrophe ausbricht, fliegt er unmittelbar zum Ort des Geschehens, um zu helfen. Seit drei Jahren arbeitet der gebürtige Voitsberger für die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt. Der Nothilfe hat sich der 63-Jährige jedoch schon seit Jahrzehnten verschrieben: Nachdem Wedan seine ersten Berufserfahrungen in der Nothilfe als Rettungshundeführer machte, zählten auch Hilfsorganisationen wie der Samariterbund, das Medizinische Katastrophen-Hilfswerk (MHW) sowie die SOS-Kinderdörfer zu seinen beruflichen Stationen. 

Einen festen Wohnsitz gibt es als Nothilfekoordinator nicht, denn "wenn etwas passiert, ist die Anreise meistens sehr weit", so Wedan, der sein Hauptquartier derzeit in Caracas in Venezuela hat. Ein Nothilfeeinsatz dauert in der Regel 14 Tage bis fünf Wochen, bei dem lebensrettende Maßnahmen gesetzt werden. Dabei geht etwa um die Bereitstellung von Trinken, Essen und Medikamente oder Hygiene.

Die "vergessenen Krisen"

Oft ergeben sich aus einem Nothilfeeinsatz auch langfristige Projekte. So etwa in Haiti, wo im Jahr 2010 ein starkes Erdbeben den Inselstaat erschütterte und über 230.000 Todesopfer forderte. "Wir haben ein langfristiges Projekt in den Bereichen Wasser und Hygiene gestartet. Das heißt, wir haben Brunnen gegraben und Hygienemaßnahmen umgesetzt, um die Cholera-Ausbreitung einzudämmen", erzählt Wedan, der Risikoprävention und Katastrophenmanagement studiert hat.

Hilfen wie diese wären ohne Spendengelder nicht möglich, so Wedan der vor allem auf "vergessene Krisen" etwa im Südsudan, Jemen oder Südmamerika aufmerksam macht:

"Ohne diese Spenden - und da hat Österreich ein sehr großes Herz - wären diese Hilfen und meine Arbeit gar nicht möglich. Daher möchte ich auch Danke sagen alle die uns, und andere NGO's in Österreich so großartig unterstützen, damit wir ein bisschen vom Leid das Krisen und Naturkatastrophen anrichten, lindern können."
Wolfgang Wedan, Nothilfekoordinator bei Jugend Eine Welt 

24 Stunden, 7 Tage verfügbar

"Eine Katastrophe oder ein Kriegsbeginn richtet sich nicht nach Uhrzeiten, Tageszeiten oder Wochenenden", spricht Wedan die Notwendigkeit der ständigen Verfügbarkeit in diesem Job an. Besonders häufig ereignen sich Katastrophen sogar nachts oder am Wochenende, so die Beobachtung Nothilfekoordinators. 
 

Ein Besuch bei dem indigenen Volk Wayuu in Venezuela zeigt: Es bleibt nicht nur bei der Nothilfe, auch viele Freundschaften entstehen durch die Arbeit des Voitsbergers.  | Foto: Jugend Eine Welt
  • Ein Besuch bei dem indigenen Volk Wayuu in Venezuela zeigt: Es bleibt nicht nur bei der Nothilfe, auch viele Freundschaften entstehen durch die Arbeit des Voitsbergers.
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Während Naturkatastrophen wie Erdbeben, Starkregen, oder Tsunamis die Bevölkerung meist unvorbereitet treffen, sind kriegerische Auseinandersetzungen für Hilfsorganisationen vorhersehbarer und es werden schon im Vorfeld Aktionen gesetzt: "Das heißt, wenn ich merke, da entwickelt sich eine kriegerische Auseinandersetzung, wie in Tigray in Äthiopien zum Beispiel, oder so wie jetzt in der Ukraine, schaut man, dass für die Flüchtlinge Auffanglager da sind, damit sie mit den lebensnotwendigen Dingen versorgt werden."

Zwischen Emotion und Rationalität

In seiner Arbeit trifft Wedan auf sehr viel Leid und Elend. Um damit langfristig umgehen zu können, bedarf es an guten Bewältigungsstrategien, ist sich der 63-Jährige sicher: "Man muss das ganz genau abschätzen, wann kommt die Empathie, wann helfe ich jetzt mit dem Herzen oder wann helfe ich nur mit der Ration, mit dem Denken." Ein besonderer Moment war für Wedan, als er inmitten der Trümmer in Aleppo einen kleinen Hund fand und rettete. "Ich habe diesen Hund dann 'Hope' getauft und wollte ihn mitnehmen. Leider war er so schnell wieder weg, sodass ich ihn nicht mehr einfangen konnte."

Wolfang Wedan mit "Hope". Der 63-jährige Voitsberger hat in diesem herausfordernden Job, wie er selbst sagt, seine Berufung gefunden.
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Wichtig sei es in so einem Beruf, das Erlebte gut aufzuarbeiten. In einem Beruf, in dem für Privates wie Familie und Freundschaften sehr wenig Zeit bleibt, ist es wichtig, Kraftplätze zu haben. Für Wolfgang Wedan ist ein solcher Platz die Steiermark - genauer gesagt der Bezirk Voitsberg: "Ich habe eine so behütete Kindheit gehabt, dass aus dem ganzen extrem viel Kraft schöpfe. Wenn ich auf der Pack oder Hebalm oben bin, wird mein Geist frei und mein Herz öffnet sich. Und dort schöpfe ich meine Kraft." Was bei seinem Heimatbesuch auf gar keinen Fall fehlen darf, ist ein Erdäpfelsalat und auch ein Kernöl ist immer mit im Gepäck, wenn es wieder in Richtung Venezuela geht. An den Ruhestand denkt der 63-Jährige übrigens noch lange nicht: "Katastrophenmanagement ist mein Leben", so Wedan.

Wolfgang Wedan im Steiermark-Rap

Meine Heimatort in der Steiermark ist...
    ...Voitsberg.
Derzeit wohne ich in...
    ...in Caracas, Venezuela, aber eigentlich auf der ganzen Welt.
Mit der Steiermark verbinde ich...
    ... Demut und geerdet sein.
An meiner neuen Heimat gefällt mir..
    ....es ist eine große Gastfreundschaft da, obwohl es kein sicheres Land ist. Die Leute hier sprechen mit dem Herzen, so wie die Steirer.
Für dieses Projekt brenne ich..
    ...wir starten ein Projekt im Amazonas für indigene Mädchen und Frauen, die benachteiligt und von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Und hier schaue ich, dass Rechte für Mädchen und Frauen auch im Amazonas und Venezuela hochgehalten werden können.
Mein liebstes steirisches Dialektwort ist...
    ...."Griaß, di" und "Pfiat, di"
Auslandssteirer im Interview

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Wolfgang Wedan ist Tag und Nacht dort im Einsatz, wo Leid und Zerstörung herrscht, wie hier in Aleppo, nach dem Erdbeben im Jahr 2023.  | Foto: Jugend Eine Welt
Ein Besuch bei dem indigenen Volk Wayuu in Venezuela zeigt: Es bleibt nicht nur bei der Nothilfe, auch viele Freundschaften entstehen durch die Arbeit des Voitsbergers.  | Foto: Jugend Eine Welt
Wedan mit der 92-jährigen Anita Fernandez, die auch Teil des Wayuu Volks ist, vor ihrem Haus.
Am 6. Februar 2023 bebte die Erde in der syrisch-türkischen Grenzregion mit einer Stärke von 7,8 und forderte mehr als 57.000 Menschenleben. Wolfgang Wedan war wenige Tage nach dem Erdbeben im Krisengebiet.
Wolfang Wedan mit "Hope". Der 63-jährige Voitsberger hat in diesem herausfordernden Job, wie er selbst sagt, seine Berufung gefunden.
In seiner Arbeit hat Wedan viel mit Jugendlichen und Kindern aus aller Welt zu tun.  | Foto: Jugend Eine Welt
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