Ausgrabungen am Königsberg
Tieschen ist älter als bisher angenommen

Valentina Graf, Katharina Gmeiner, Ingrid Kowatschek und Martin Weber (v.l.) zeigen Fundstücke der aktuellen Ausgrabungen. | Foto: MeinBezirk/Herwig Brucker
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Archäologen decken bei ihren aktuellen Grabungen am Königsberg in Tieschen auf, dass dort eine dreitausend Jahre alte Textilproduktion vorhanden war. Im Rahmen des Forschungsfestes am Tieschener Hauptplatz am 25. Juli kann man sich bei freiem Eintritt über die neuesten Erkenntnisse informieren. 

TIESCHEN. Seit nunmehr sechs Jahren erforschen Archäologen und Wissenschaftler unter der Leitung von Wolfgang Neubauer die Geschichte der Marktgemeinde Tieschen. Die aktuellen Ausgrabungen brachten schon wesentliche Erkenntnisse zur Späten Bronzezeit. Die Fundstelle ist besonders für zwei nahezu vollständig erhaltene Feuerböcke bekannt, welche heute im Universalmuseum Joanneum Graz ausgestellt sind. Diese bronzezeitlichen Kultobjekte sind in ganz Mitteleuropa verbreitet, jedoch ist ihre Bedeutung oder ihre Verwendung bis heute unklar.
Bei den jährlichen Ausgrabungen gehen die Archäologinnen und Archäologen gemeinsam mit Studierenden, Schülerinnen und Schülern sowie freiwilligen Helfern aus der Region der Frage nach, wie die Menschen am Königsberg gelebt haben und welche wirtschaftliche Grundlage diese große befestigte Siedlung hatte.

Dem Alltag vor 3000 Jahren auf der Spur

Bisher konnten Überreste von vier Häusern der Späten Bronzezeit untersucht werden, die in unterschiedlicher Bauweise errichtet wurden. In diesem Sommer wurde ein besonderes Wohnhaus mit einer Größe von etwa zehn Meter Breite und 25 Meter Länge freigelegt. Das Gebäude ist in sogenannter Schwellbalkenbauweise auf einem stabilen Fundament aus Bruchsteinen lokaler Herkunft errichtet. "Auf dieser Trockensteinmauer liegen Balken auf, in diese sind Ständer eingezapft, welche das Dach tragen. Die Wände wurden aus lehmverputztem Flechtwerk aufgebaut, das Dach war mit Schilf oder Stroh bedeckt, der Boden bestand aus Holzbohlen", erklärte Wolfgang Neubauer im Exklusivgespräch mit MeinBezirk direkt an der Ausgrabungsstätte.

So hat wahrscheinlich das Haus an der Ausgrabungsstelle am Königsberg ausgesehen. | Foto: 7reasons
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Der wissenschaftliche Leiter und Vereinsobmann Wolfgang Neubauer, Archäoligin Ingrid Kowatschek und Bgm. Martin Weber (v.r.) inmitten der Ausgrabungsfläche. | Foto: MeinBezirk/Herwig Brucker
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"In diesem Gebäude wurden ganz besondere Fundstücke freigelegt. Es sind Spinnwirtel (Schwunggewichte für Handspindeln zur Herstellung von Garnen), Fadenspulen in unterschiedlicher Größe und tönerne Webgewichte, welche an den Kettfäden eines Rahmenwebstuhls befestigt waren. In diesem Haus wurden Garne hergestellt, Stoffe gewebt und Kleidungsstücke genäht. Derartige Funde wurden auch bei den Grabungen der 1930-1960er Jahre in großer Zahl geborgen. Die Menge an Fundstücken aus der lokalen Textilproduktion verweist auf die wirtschaftliche Grundlage der Siedlung", ergänzte Ingrid Kowatschek, die mit ihrem Team alle Fundstücke genau untersucht und katalogisiert. 

Diese Fundstücke zeugen von der Textilproduktion am Königsberg. | Foto: MeinBezirk/Herwig Brucker
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Die charakteristischen Scherben der Keramik stammen aus einer Zeit zwischen ca. 1300 bis 1000 v. Chr. Zu dieser Zeit erreichte die Siedlung ihre größte Ausdehnung von etwa 13 ha. Zeitgleich wurde in Hallstatt mit großen Schächten, die bis in 160 m Tiefe reichten, Salz abgebaut. Das Kernsalz wurde in Stollen mit bis zu sechs Meter Durchmesser und hundert Meter Länge abgebaut, mit speziellen Tragsäcken aus Leder zum Schacht befördert und hochgezogen. Die im prähistorischen Salzbergwerk von Hallstatt ausgezeichnet erhaltenen Überreste von Textilien geben uns einen guten Einblick in die Kleidung zu dieser Zeit, die verwendeten Garne, Webarten und Farben. "Gemeinsam mit den Funden vom Königsberg bieten sie ein gutes Bild der Kleidung und Textilproduktion der Späten Bronzezeit im Südostalpenraum", so Ingrid Kowatschek weiter.
Die zahlreich über den Hausresten gefundenen Fragmente von verbrannten und zerbrochenen Keramikgefäßen belegen, dass um 1000 v. Chr. die Siedlung wahrscheinlich durch ein großes Feuer zerstört worden ist. Spätestens zwischen 900-800 v. Chr. wird die Siedlung schließlich endgültig verlassen.

Forschung zum Angreifen

Die Grabungen am Königsberg laufen noch bis Ende Juli 2026. Interessierte Personen aller Altersstufen können die Forschung hautnah miterleben und mitarbeiten. Zusätzlich gibt es am Samstag, dem 25. Juli 2026 von 10.00-18.00 Uhr das große Forschungsfest "Forschung zum Angreifen", bei dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen die Ergebnisse ihrer Forschungen am Marktplatz in Tieschen präsentieren.
Neben verschiedenen Programmpunkten, wie "Archäologie erleben", "Wissenschaft und Technik", "Einblicke in die Forschung" oder "Damals und heute" wartet auf die Gäste natürlich regionale Kulinarik mit herzhaften Spezialitäten, hausgemachten Köstlichkeiten und natürlich den erlesenen TAU-Weinen.
"Eine tolle Neuerung und ein besonderes Highlight beim heurigen Fest ist der Auftritt einer Gruppe in detailgetreuen historischen Kostümen aus der Römerzeit", gab Bürgermeister Martin Weber schon einen kleinen Einblick in das Programm.
Der Eintritt zum Forschungsfest ist kostenlos. 

Foto: MeinBezirk/Herwig Brucker

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Königsberg research

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