Villach
"Westbahnhoffnung" bangt um Zukunft

Mitarbeiter und Freunde: Robert Bozanic, Marija Kac, Marc Zechner und Gerald Gratzl, Elisabeth, die so gerne hier isst, mit Marjan Kac (v. links)
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  • Mitarbeiter und Freunde: Robert Bozanic, Marija Kac, Marc Zechner und Gerald Gratzl, Elisabeth, die so gerne hier isst, mit Marjan Kac (v. links)
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Spendeneinnahmen sinken, Ausgaben steigen: Der Verein Westbahnhoffnung steht vor finanziellen Herausforderungen. Ob man weiter bestehen kann, ist derzeit ungewiss. Im kommenden Jahr wäre großes Jubiläum.

VILLACH. Es ist Mittwoch, 12 Uhr. Der Saal ist dem Empfinden nach gut gefüllt, wenige Plätze sind noch frei. Das ist längst nicht immer so. "Heute ist es eher ruhig, gestern hatten wir mehr als vierzig Personen hier", erzählt Marjan Kac, der Chef hier. Währen des Gesprächs beobachtet er das Geschehen im Speisesaal, begrüßt altbekannte Besucher, spricht mit Neuankömmlingen. Willkommen ist jeder. "Wir fragen nicht", sagt er.

20 Jahre Hoffnung

Seit 20 Jahren gibt es die Westbahnhoffnung in Villach, seit 2008 kocht man im Westbahnhof. Angefangen hätte man mit "einem Gulasch", monatlich aufgewartet, inzwischen gibt es täglich bis auf montags warmes Essen, Frühstück mit Kaffee – kostenfrei. Auch Essens- und Kleiderausgabe, Suchtprävention gehört zum Leistungsspektrum der "Bahnhofsmission", ebenso wie Deutschkurse, so Kac.
Tochter Marija ist ebenso beim Verein angestellt, ist eine helfende Hand, wo sie gebraucht wird. Ob in der Küche oder im Back-Office. "Zu tun gibt es mehr als genug", weiß sie. Neben ihr gibt es vier angestellte Mitarbeiter und 60 ehrenamtliche Mitarbeiter. "Sonst wäre das nicht zu machen", sagt Kac, vormaliger Obmann des Vereins. Die Struktur änderte sich, man hat sich vom Wiener Verein gelöst. Durch die Aktion 20.000 konnte man sich eine eigene Buchhalterin "leisten".

Frisch gekocht

Im Schnitt benötigt die Westbahnhoffnung 160.000 Euro im Jahr, um sich zu finanzieren. Die größten Kostenbrocken sind Personal (10.000 Euro) und Miete, ein sehr "entgegenkommender" Preis der ÖBB, rund 1.900 Euro für das mehrere Räume große Areal. Die Einnahmen kommen zu 70 Prozent aus Spenden, der Rest sind Fördergelder, Darlehen, Subventionen. Die letzten Jahre sei es sich "mit einem kleinen Plus" ausgegangen. Heuer werde es knapp. Gerade eben zahlte man den Mietrückstand von vier Monaten. Marija blickt auf das Jubiläumsjahr 2020, "wenn es uns dann noch gibt".

Spendeneinnahmen sinken

Die Monate ab August wären immer schwieriger gewesen, erzählt Kac, man wäre "in ein Loch gefallen". Heuer aber sei es besonders schwer. Die Spendenfreudigkeit der Menschen habe nachgelassen. Zudem stiegen die Ausgaben (s. anbei), auch die Förderung aus der AMS Aktion 20.000 lief aus, erzählt Kac. 

Aktion 1.000

Zuletzt startete man deshalb die "Aktion 1.000 – Donut werden". Das Ziel: 1.000 Menschen ("Donuts") zu finden, die monatlich Kleinbeträge übernehmen. Bisher hätte man 80 gefunden. Kac: "Das ist noch ein weiter Weg." Demnächst stünden Gespräche mit der Stadt an. Vize-Bgm. Gerda Sandriesser hätte immer ein "offenes Ohr". 

Eine Anerkennung 

Entmutigen lassen wolle man sich aber nicht, im nächsten Jahr steht das Jubiläum an, 20 Jahre Westbahnhoffnung. Der evangelische Bischof habe sich angekündigt, erzählt Kac. Es wäre eine große Anerkennung, eine wie der Kärntner Menschenrechtspreis 2015. Obgleich es nicht um Anerkennung geht, sagt Kac, sondern darum, "weiter das tun zu dürfen, was wir tun".

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Zahlen und Fakten
Im Jahr 2018 wurden in Summe 151.800 Euro eingenommen, zirka 70 Prozent daraus aus Spenden. Dem gegenüber stehen Ausgaben in der Höhe von 169.713 Euro.Im Jahr 2017 waren es 152.000, Euro an Einnahmen und 146.000 Euro an Ausgaben.
Im Jahr 2018 aßen 9.939 Personen gemeinsam in der Westbahnhoffnung zu Mittag, rund 90 Prozent davon kamen aus Villach. Die Lebensmittelausgabe nutzten 3.668 Personen, 2.622 Personen die Kleiderausgabe. 264 Personen besuchten die angebotenen Deutschkurse.

Informationen zum Verein Westbahnhoffnung sowie den Spendenmöglichkeiten, hier: www.westbahnhoffnung.at

Mitarbeiter und Freunde: Robert Bozanic, Marija Kac, Marc Zechner und Gerald Gratzl, Elisabeth, die so gerne hier isst, mit Marjan Kac (v. links)
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Autor:

Alexandra Wrann aus Villach

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