10.11.2016, 11:36 Uhr

Männermangel im Sozialbereich

Zum Abschluss des Boys Days wurde gemeinsam gekocht: Spaghetti Bolognese und Fruchtsalat.

Von der Kinderbetreuung bis zur Pflege: Soziale Einrichtungen und Schulen suchen Männer.

Nur fünf Mitarbeiter im Beratungszentrum Voitsberg von Jugend am Werk sind Männer - von insgesamt 34, erzählt Leiterin Petra Ofner. "Wir wünschen uns auf jeden Fall mehr Männer", sagt sie und erklärt auch warum: "Wir unterstützen sehr viele alleinerziehende Mütter. Deren Kinder wachsen nur mit Frauen auf, bräuchten aber ein männliches Rollenbild. Spätestens in der Pubertät, mit elf oder zwölf Jahren".
Dass der Männermangel nicht nur bei Jugend am Werk ein Thema ist sondern im gesamten Sozialbereich, beweist auch der österreichweit durchgeführte Boy's Day, der heuer zum neunten Mal über die Bühne geht. Dabei können interessierte Burschen im Alter von zwölf bis 14 Jahren in Sozialberufe schnuppern.

Boy's Day in Voitsberg

Elf Burschen besuchten im Rahmen des Boy's Day 2016 Jugend am Werk in Voitsberg. "In den letzten Jahren waren wir immer im LKH, heuer war erstmals Jugend am Werk bei der Aktion dabei. Die sieben Schüler stammen aus den vierten Klassen und konnten sich selbst aussuchen ob sie teilnehmen", erzählt Elfriede Meixner von der NMS Krottendorf. Renate Ofner-Rucker von der NMS Voitsberg war mit vier Burschen aus der 3. Klasse dabei, vier weitere besuchten einen Kindergarten. "Etwa ein Viertel der Burschen interessiert sich für den Sozialbereich", sagt sie.
"Sozialberufe für Männer waren früher kaum ein Thema. Damals war aber auch noch die Hälfte der Lehrer an meiner Schule Männer, heute sind es nur mehr drei von 17", sagt Meixner. Ofner-Rucker ergänzt: "Früher war es eher umgekehrt, man hat vor allem versucht Mädchen in technische Berufe zu bringen."
Die nackten Zahlen unterstützen diese Aussagen: Die Chance in einer Volksschule von einem Mann unterrichtet zu werden liegt derzeit bei etwa 8 Prozent. Die Männer-Betreuungsquote in Kindergärten lag 2014/15 bei gerade einmal 1,4 Prozent.

Vielfältige Stellen

Die Berufsaussichten für Männer im Sozialbereich sind hervorragend, das bestätigt auch Petra Ofner von Jugend am Werk: "Wir suchen immer wieder Männer, es bewerben sich aber keine." Aktuell gibt es in Voitsberg keine offenen Stellen, Bewerbungen nimmt sie trotzdem gerne entgegen: "Es geht oft schnell und ich bin froh wenn ich jemanden in Evidenz habe."
Die Jobs bei Jugend am Werk sind vielfältig, hier arbeiten klinische Psychologen, Pädagogen, Lehrer, Sozialarbeiter, Familienhelfer und Jugendarbeiter. Und auch ein niedriges Gehalt ist in Sozialberufen nicht wirklich ein Thema, so liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt von Kindergartenpädagogen zwischen 1.920 und 2.130 Euro (brutto, Stand Juni 2015). Das von Kfz-Technikern bei 1.960 bis 2.180 Euro.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.