Warten auf Geld
Wiener kritisieren Bearbeitungsdauer bei Karenz-Anträgen
- Wiener Familien kritisieren gegenüber MeinBezirk lange Bearbeitungszeiten der Kinderbetreuungsgeldanträge. Die ÖGK dementiert die Vorwürfe. (Archiv)
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Viele Anträge und daher lange Bearbeitungsdauer - gegenüber MeinBezirk äußern Wiener Familien aktuelle Probleme rund um die Abwicklung von Anträgen bezüglich des Kinderbetreuungsgeldes. Die zuständige ÖGK sieht die Vorwürfe als "nicht nachvollziehbar".
WIEN. Oft ist die Zeit nach der Geburt des eigenen Nachwuchses für die Eltern besonders fordernd. Zumindest den ruhigen Nächten muss man für die nächsten Jahre Ade sagen. Ein Elternteil, oft nach wie vor die Mutter, bleibt dann einige Zeit zu Hause, um sich um das eigene Baby zu kümmern.
Man geht also in Karenz und ist daher auf das "Karenz-Geld", also die finanzielle Stütze für das entfallene Einkommen, während man daheim ist, angewiesen. Wenn dann dieses Kinderbetreuungsgeld fehlt, dann schießen die Stresspegel direkt in die Höhe. So zumindest scheint es aktuell mehreren Wienerinnen und Wienern zu gehen.
Finanzielle Herausforderung
So erklärt etwa eine mittlerweile dreifache Mutter gegenüber MeinBezirk, dass sie aufgrund des jüngsten Nachwuchses fristgerecht die Anträge für das "Karenz-Geld" eingebracht hätte. Immerhin könne sie ihrem Beruf aktuell nicht nachgehen und müsse zu Hause bleiben, um auf die Kinder aufzupassen. Der Ehemann geht währenddessen einem Job nach. Wie beide erklären, wunderten sie sich, als Anfang Juli die Auszahlung des Kinderbetreuungsgeldes ausblieb.
- Die scheinbar fehlende Auszahlung des Kinderbetreuungsgeldes stellt Wienerinnen und Wiener vor eine Herausforderung. (Symbolfoto)
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Auf Nachfrage bei der zuständigen Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) hätten sie daraufhin die Information bekommen, dass aufgrund der aktuell großen Anzahl an Anträgen ein Rückstau vorhanden sein würde. Daher müsse man mit einer Bearbeitung sowie Auszahlung bis etwa August rechnen. Bei erneuter Nachfrage einige Tage später soll gar kein Zeitraum genannt worden sein.
Die jungen Eltern schildern im Gespräch, dass sie das Ausbleiben der Zahlungen vor finanziellen Herausforderungen stellen würde. Zwar würde man das Geld nachbezahlt bekommen, aber "die Kinder möchten eben jetzt etwas unternehmen, eben jetzt schwimmen gehen, und nicht im August oder September", wie der Familienvater erklärt. Ebenso würde das Finanzieren der normalen Alltagskosten, wie Essen, Miete und Heizung, schwieriger werden. Sie erklären weiters, dass sie dieses Problem beim Beantragen des Geldes nach der Geburt ihrer ersten zwei Kinder vor einigen Jahren nicht gehabt hätten. Hier hätte alles ohne Probleme funktioniert, die Anträge wären innerhalb weniger Wochen bearbeitet worden.
Ein Einzelfall?
Doch dies scheint nicht die einzige Familie mit dem Problem zu sein. MeinBezirk mindestens ein weiterer Fall mit ähnlicher Beschreibung der Situation bekannt. So wartet eine Frau, die ebenso ihr Kind bekommen hat, auch seit einigen Wochen auf das Kinderbetreuungsgeld. Auch sie habe alle notwendigen Dokumente eingereicht, die Bearbeitung des Antrages würde aber nach wie vor ausstehen. Sie steht, ebenso wie die junge Familie, mittlerweile vor finanziellen Herausforderungen.
Aus diesem Grund hakte MeinBezirk bei der ÖGK nach, da diese, wie sie selbst erklären "im übertragenen Wirkungsbereich für die Familienministerin, angesiedelt im Bundeskanzleramt, das Kinderbetreuungsgeld, welches über den Familienlastenausgleichsfond finanziert wird", bearbeiten.
Für ÖGK "nicht nachvollziehbar"
Die Behörde zeigt sich verwundert: "In der ÖGK werden einlangende Anträge laufend bundesweit abgearbeitet, daher ist die Aussage, dass Kinderbetreuungsgeldanträge aktuell in Wien nicht bearbeitet werden für uns nicht nachvollziehbar." Ebenso verweist man darauf, dass eingebrachte Anträge laut Gesetz innerhalb von 14 Tagen geändert werden dürfen. Daher könne eine Auszahlung, sofern alle erforderlichen Nachweise vorliegen würden, ohnehin erst nach Ablauf dieser Frist erfolgen.
- Für die ÖGK seien die Vorwürfe "nicht nachvollziehbar". (Archivfoto)
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Weiters erklärt man, dass jeder Antrag individuell geprüft werden müsse und viele Unterlagen benötigt werden würden. Daher würde es zu unterschiedlichen Bearbeitungszeiten kommen. Oft würden nicht alle Unterlagen übermittelt werden, worauf es zu Nachforderungen komme. "Aufgrund der Komplexität der Fallkonstellationen sind wir des Öftern von Rückmeldungen anderer Behörden abhängig", schildert die ÖGK.
Auf die Frage nach einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer könne man aufgrund "der Komplexität der Fallkonstellationen" keine einheitliche Bearbeitungsdauer geben. Man versuche jedoch, diese Zeiten so kurz wie möglich zu halten. Die Kasse teilt abschließend mit, dass der Prozess beschleunigt werde, wenn von Beginn an alle benötigten Unterlagen übermittelt werden.
AK kennt keine Fälle
Auf Nachfrage erklärt die Arbeiterkammer (AK) Wien, dass zumindest ihnen aktuell keine weiteren Fälle wahrgenommen wurden. Sie empfehlen jedoch: "Im Falle von Verzögerungen, langen Antragsdauern usw. sollten Eltern bei der ÖGK bzw. Krankenkasse nachfragen oder sich ans politisch zuständige BKA, ans Familienservice wenden".
Das Familienservice ist per E-Mail an familienservice@bka.gv.at, sowie telefonisch unter 0800 242 262 von Montag bis Donnerstag, zwischen 9 und 15 Uhr, erreichbar.
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