21.09.2016, 11:11 Uhr

Der perfekte Städte-Mix

Gebürtige Grazerin: Theater- und Filmschauspielerin Pia Hierzegger sieht sich selbst nicht als Star und sagt, dass auch viel Glück auf ihrem Karriereweg dabei war. (Foto: geopho.com)

Schauspielerin und Autorin Pia Hierzegger sprach mit der WOCHE über Theater, Film und ihre Heimatstadt Graz.

"Wenn ich erkläre, was ein Bobo ist, stelle ich fest, dass ich auch über mich selbst erzähle", meint Pia Hierzegger im Gastgarten der "Scherbe". Seit bereits 23 Jahren ist die Grazerin, die gerne an der Mur joggt, Theater- und seit 14 Jahren Filmschauspielerin sowie Autorin – all das mit Erfolg.

Von Bobos, Theater, Film
In ihrem neuen Film "Was hat uns bloß so ruiniert", der ab Freitag in den Kinos ist, werden drei Bobo-Paare Eltern. Aber was genau sind jetzt Bobos? "Bobos geben mehr Geld für gewisse Dinge wie Essen, Fahrräder oder Möbel aus. Bobos fotografieren und machen Sport, auch Prosecco trinken gehört dazu", lacht Pia Hierzegger über die Luxusprobleme dieser Gesellschaftsschicht. Sich selbst sieht sie als "Essens-Bobo". "Ich kaufe für die ganze Woche am Markt ein und habe dafür meinen Bobo-Fahrradkorb gekauft, um keine Plastiksackerl nehmen zu müssen", schmunzelt Pia Hierzegger und zeigt auf ihren neuen, orangen Fahrradkorb.
Seit 1993 ist sie Ensemblemitglied im "Theater im Bahnhof", 2002 kam mit "Nacktschnecken" ihr erster Film ins Kino. Seitdem war Pia Hierzegger in vielen großen österreichischen Filmproduktionen wie "Der Knochenmann", "Aufschneider", "Gruber geht" und aktuell mit "Hotel Rock’n’Roll" zu sehen. Wieso sie dem "Theater im Bahnhof" nach so vielen Jahren noch treu bleibt? "Es ist schön, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die man schon so lange kennt und denen man vertraut." Familie und Freunde sind ein weiterer Grund, wieso sie nicht ganz nach Wien gezogen ist. Pia Hierzegger mag Wien, aber auch Graz. "In Wien ist zu Fuß gehen und Radfahren nicht so lässig", meint Hierzegger, für die Graz eine lebenswerte Stadt ist. "Als Kinder haben wir immer im Mariagrünerwald gespielt. Niemand hat sich Sorgen gemacht, weil jeder gewusst hat, wo wir sind", erzählt sie von ihren Kindertagen in Graz.

Multikulti macht urban

Jetzt ist sie eher am anderen Murufer anzutreffen. "In der Pizzeria Santa Lucia oder beim Thailänder am Griesplatz bin ich gerne und oft." Es freut sie, dass es am Griesplatz so viel Multikulturalität gibt, denn das macht ihrer Meinung nach Graz urbaner. Zum Schreiben setzt sie sich von Zeit zu Zeit in die "Süße Luise" oder fährt dafür nach Italien oder Kärnten. "Ich brauche bei der Arbeit immer einen Mix aus Einsamkeit und Teamwork." Jetzt ist gerade wieder Teamwork angesagt, da sie die Produktion "Das Ende unserer Unschuld" mit dem "Theater im Bahnhof" über die türkische Community in Graz einstudiert, die am 6. Oktober Premiere feiert. Pia Hierzegger ist es wichtig, noch etwas anderes neben dem Spielen zu machen, "damit man weiß, was in der Gesellschaft gerade passiert und nicht in einer eigenen Blase lebt". "Kunst, die sich nicht mit Gesellschaftspolitik auseinandersetzt, erachte ich für wenig sinnvoll."

Spielen und Schreiben

Während des Studiums hielt sie schon mit 21 Jahren das Schauspieldiplom in Händen. Seitdem wird gespielt. Ob sie Theater oder Film lieber habe, kann sie nicht sagen. "Ein Film ist lange geplant und da gibt es meist großen Zeitdruck. Theater ist viel flexibler, es kann auf aktuelle Entwicklungen reagieren und diese Unmittelbarkeit finde ich sehr interessant", erzählt Hierzegger, die auch froh ist, dass es keine "Entweder-oder"-Entscheidung zwischen Film und Theater geben muss.
Kürzlich wurde das von ihr geschriebene Drehbuch zur "Notlüge" unter der Regie von Marie Kreutzer und mit Josef Hader in der Hauptrolle verfilmt. Selbst sieht sie sich nie Verfilmungen von Büchern an, die sie gerne hat. Deshalb möchte sie auch in keiner Verfilmung eines Literaturklassikers mitwirken, außer: "Fünf Freunde für das Theater zu realisieren würde mich reizen." Was sie persönlich noch gerne spielen würde: eine Kommissarin. "Eine Verfolgungsjagd im Wald wäre schon sehr spannend." Wenn es mit der Schauspielerei nicht geklappt hätte, hätte Pia Hierzegger sicher "etwas mit Germanistik" gemacht. Ob Pia Hierzegger Freizeit hat? Lachend gesteht sie: "Ich kann schlecht nichts tun, aber ich bemühe mich."
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