Katholische Kirche im Salzkammergut
Predigt für den 8. März 2026 von Martin Krammer

Martin Krammer von der Pfarre Gmunden. | Foto: Foto art  Laakirchen
  • Martin Krammer von der Pfarre Gmunden.
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Die Predigt für Sonntag, 8. März 2026, dritter Fastensonntag, stammt von Martin Krammer von der Pfarre Gmunden.

GMUNDEN. Papst Franziskus, der von sich selbst sagte, vom Ende der Welt nach Rom gekommen zu sein, hatte die Kirche immer wieder gemahnt, sie müsse an die Ränder der Gesellschaft gehen. Wie und warum das geschehen soll, zeigt Jesus uns im heutigen Evangelium auf seine unnachahmlich radikale Weise vor. Jesus pfeift auf gesellschaftliche Normen und tradierte Vorurteile, er lässt sich auf Zöllner, Sündnerinnen und Sündner ein, es geht ihm stets ausschließlich um den Menschen. Anders wäre ihm das Gespräch, von dem das heutige Evangelium so ausführlich erzählt, niemals möglich gewesen, ein Gespräch, dass für die Frommen der damaligen Zeit aus mehrfacher Sicht eine Sünde war.

Jesus spricht mit der aus der Gemeinschaft ausgeschlossenen Frau

Jesus spricht als Mann alleine mit einer ihm fremden Frau, ein Jude mit einer Samariterin. Er spricht mit einer Frau, die von ihrer eigenen Dorfgemeinschaft ausgeschlossen worden ist und nun in der Hitze der prallen Mittagssonne am Brunnen ihr Wasser schöpfen muss, um den anderen Frauen aus dem Weg zu gehen, die nun im Schatten ihrer Häuser ruhen. Jesus bittet die Samariterin um einen Schluck Wasser und wird ihn nie bekommen, weil die beiden im folgenden Dialog ausnahmslos aneinander vorbeireden. Und doch findet sich die Frau in Jesu Rede wieder. Wort für Wort. So sehr, dass sie, als Jesus sich mit den Worten: “Ich bin es, ich, der zu dir spricht”, als der Christus zu erkennen gibt, alles stehen und liegen lässt und zu den Menschen in die Stadt eilt, um zu erzählen, was sie erfahren hat.

Jünger folgten Jesus nach

Alles stehen und liegen lassen, ohne Fragen und ohne zu zögern zu folgen, das ist der Weg in die Nachfolge Jesu, wie ihn die Jünger beschritten haben. Dietrich Bonhoeffer schreibt in seinem Buch “Nachfolge”: Die Jünger ließen alles zurück und folgten Jesus nach. Sie haben nur noch Jesus. Ja und mit ihm haben sie in der Welt nichts, gar nichts, aber alles, alles bei Gott. Es ist eine kleine Gemeinde, die Jesus gefunden hat, es ist eine große Gemeinde die er sucht.” Und er findet sie, in dem er mit den Menschen ins Gespräch kommt. Und zwar immer wieder mit jenen Menschen, die die frommen Israeliten nicht einmal eines Blickes würdigen. Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden. Und so eilt auch die Samariterin in die Stadt und ruft: Kommt her, seht, da ist ein Mensch, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe!”. Sosehr getroffen ist sie von Jesu Wort, dass sie den anderen, die sie verstoßen hatten, davon erzählen muss, so sehr ist sie getroffen von Jesu Wort, dass auch ihre Zuhörerinnen und Zuhörer zu Betroffenen werden, diesen Menschen sehen wollen und auf der Stelle aus der Stadt hinaus zu Jesus eilen. Als die dann dort Jesus selbst reden hören, werden sie von der Wahrheit ergriffen und so kommen mehr und mehr der Samariterinnen und Samariter zum Glauben.

Gespräch verstoß gegen alle Konventionen

Dies alles resultiert aus einem Gespräch, das gegen alle Konventionen der damaligen Zeit verstoßen hat. Welch Verlust, wenn sich alle an das gehalten hätten, was sich eben gehört. Wenn alle unter sich geblieben wären, die Juden bei den Juden, die Frauen bei den Frauen. Wenn Jesus nicht die Grenzen überwunden und ein Gespräch begonnen hätte. Wie viel bleibt bei uns oft ungesagt, weil man das Gespräch nicht sucht? Wie viele Gelegenheiten vergehen ungenutzt, weil Nöte, Wünsche oder Sorgen niemals artikuliert werden? Wie viele Menschen gibt es in meinem Leben, mit denen zu reden es sich ohnehin nicht zu lohnen scheint, die mich ganz einfach nicht oder nicht mehr interessieren? Stefan Schlager formuliert in seinem Gedicht “unverzichtbar”: “Ums Essen geht´s genau genommen beim Fasten nicht. Unverzichtbar hingegen ist, Augen zu haben, für den Menschen neben mir einzutreten, für jene, die Verachtung trifft. Auf das nicht zu verzichten, das ist fasten”. Wie so ein Fasten in der Praxis funktioniert, zeigt Jesus uns am Jakobsbrunnen. Ansprechbar sein, mehr noch, durch alle Vorurteile hindurch den Menschen sehen und ansprechen. Vielleicht wäre das ein guter Vorsatz für die dritte Fastenwoche, das Gespräch suchen, auch mit jenen, denen man nichts (mehr) zu sagen hat. Amen.

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