Katholische Kirche im Salzkammergut
Predigt von Sabine Pesendorfer für 7. Juni 2026
- Sabine Pesendorfer.
- Foto: Pesendorfer
- hochgeladen von Kerstin Müller
Die Predigt für den 7. Juni 2026 stammt von Sabine Pesendorfer, Wortgottesleiterin und Begräbnisleiterin in Ohlsdorf, und beschäftigt sich mit Mathäus 9, 9-13.
OHLSDORF. Jesus hat viele kranke Menschen geheilt. Das war gut so, denn es gab keine Spitäler. Jetzt baut man ein Krankenhaus, um viele Kranke gesund zu machen. –Eigentlich müsste die Kirche auch ein Krankenhaus sein. Denn es kommen viele Menschen mit ihren Krankheiten und erwarten sich Heilung.
Früher war alles anders!
Ja, früher kamen viele Menschen zum Gottesdienst. Die Sünden beichtete man im Stillen, im Beichtstuhl. Keiner sollte hören, wie „krank“ man ist. Außer dem Pfarrer natürlich, doch der darf ohnehin mit niemandem darüber sprechen. Ja, früher kamen viele, jetzt sind es wenige. Doch alle waren und sind krank. Krank in der Seele, krank vor Schmerz oder Trauer, oder weil ihre Ehe zerbrach, oder weil sie jemandem um nichts in der Welt verzeihen können/wollen. Vielleicht sogar, weil jemand Schande auf sie/uns brachte. Jeder ist halbwegs froh, wenn die anderen unsere Fehler nicht so deutlich sehen und erkennen können.
Aber warum werden die Kirchen leerer?
Ich denke, all die Kranken, Schuldbeladenen, die Jesus gerufen hat, erfahren heute keine wirkliche Heilung! Kein Willkommen. Kein ehrliches Angenommen sein, trotz ihrer Fehler. Wo ist die Gemeinde Christi? In einigen wenigen Pfarrgemeinden spürt man das Gott sei Dank noch! Aber bei vielen ist „Kirche“ ein Haus, in dem nur Gesunde und Brave willkommen sind. Für andere, die nicht heil(ig) sind, die irgendwelche Fehler haben, ist man froh, dass sie fernbleiben.
Das ist auch im Alltag so
Stell dir vor: Du bist ein Chef/eine Chefin. Du brauchst Mitarbeiter, aber es melden sich bei dir nur Menschen, die einen schlechten Ruf haben. Ehrlich, würdest du solche Menschen einstellen? Das würde wohl keiner machen! Jesus tat es. Er ging zu einem Matthäus, der am Zoll saß. Er redete mit ihm und sagte schließlich: „Komm, mit mir! Folge mir nach! Denn ich brauche dich!“ Und der ging mit Jesus sofort mit. Er verlässt den sicheren Job. Nicht für kurze Zeit, sondern für immer. Und sie setzten sich zusammen an einen Tisch, mit vielen anderen Zöllnern, Sündern und mit den Jüngern Jesus.
Ja, beim Essen lernt man die Menschen kennen!
Die gläubigen Pharisäer, die das sahen, waren irritiert. Doch Jesus sagte zu ihnen: „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ Jesus lädt auch uns ein, ihm nachzufolgen. Heute, hier und jetzt. Was für ein Glück, auch ich bin: an seinem Tisch und in seiner Nähe jederzeit willkommen! So gesehen, bin ich ganz froh, eine Sünderin zu sein.
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