Wenn plötzlich alles anders ist

Der kleine Felix ist jetzt fleißig am kochen und basteln und zeichnen.
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  • Der kleine Felix ist jetzt fleißig am kochen und basteln und zeichnen.
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Wie es in Corona-Zeiten in einem typischen "Lehrerhaushalt" zugeht, haben wir uns bei der Brucker Familie Ulrich angesehen.

Die Maßnahmen und Ausgangsbeschränkungen rund um das Corona-Virus bringen seit etwa drei Wochen die Veränderung des gewohnten Alltags für alle mit sich. Besonders betroffen sind davon Schülerinnen und Schüler, die seit Mitte März "schulfrei", aber nicht unterrichtsfrei haben. Sie sind derzeit besonders gefordert, gilt es doch, Aufgaben und Arbeitsaufträge selbständig und allein zu erledigen. Gefordert sind in diesen Zeiten aber auch die Lehrer, die sich in dieser außergewöhnlichen Phase kreativ und auch technikaffin zeigen müssen, um ihren Schülerinnen und Schülern weiterhin genug "Stoff" liefern zu können. Wir haben uns daher jetzt einen solchen typischen "Lehrerhaushalt" in Bruck angesehen und nachgefragt, wie es derzeit so läuft.

Impressionen eines eingeschränkten Familienlebens

Mit einer kompletten Veränderung des Tagesrhythmus sahen sich Nicole, Leo und Felix Ulrich Mitte März konfrontiert. Nicole ist Volksschullehrerin in Leoben und leitet derzeit eine dritte Klasse; Leo ist Direktor einer NMS ebenfalls in Leoben und der fünfjährige Felix besucht den örtlichen Kindergarten – und plötzlich ist alles anders. Mama Nicole und der kleine Felix müssen sich von einem Tag auf den anderen auf Home Office umstellen, Papa Leo hält als Schulleiter die Stellung in der Schule. "Die völlige Tragweite der Situation ist mir erst allmählich klar geworden. Zuerst überholten die Ereignisse die Vorbereitungen, da sich innerhalb weniger Stunden oder eines Tages die Lage massiv änderte. Die Schulleiterinnen und Schulleiter waren sehr gefordert, die aktuellen Informationen an Eltern und Kinder weiterzugeben, die Anordnungen des Unterrichtsministeriums und der Bildungsdirektion im Auge zu behalten und auch auf das eigene Team nicht zu vergessen", erzählt Leo.
Vor ganz anderen Herausforderungen stand in der Zwischenzeit Nicole: "Wie erklärt man einem Kind im letzten Kindergartenjahr, das im Herbst in die Schule gehen soll, was hier vor sich geht? Warum ist ein Spielplatz plötzlich gesperrt? Warum darf es plötzlich Oma und Opa nicht mehr umarmen? Sehe ich meine Kindergartenfreunde nie mehr? Mit diesen Fragen mussten wir uns plötzlich beschäftigen", schildert sie.

Struktur aufrechterhalten

Die drei versuchen, so gut es geht trotzdem eine geregelte Arbeitsstruktur aufrechtzuerhalten. In der Früh gemeinsam aufstehen und frühstücken ist ein Fixpunkt, am Vormittag wird gearbeitet – jeder für sich. Zu Mittag wird gemeinsam gekocht und gegessen. "Ich koche jeden Tag frisch und bemühe mich um gesunde Familienkost. Felix hilft mir dabei, schneidet Gemüse, holt Zutaten aus dem Kühlschrank usw. Leo kommt zu Mittag nach Hause und wir können gemeinsam essen. Das ist eigentlich ein Vorteil der Krise", erzählt Nicole. Danach arbeitet Nicole mit Felix an seinen Vorschulblättern. Ist die Arbeit erledigt, gehts ab nach draußen – auch darauf wird in dieser Zeit großen Wert gelegt.
Am späteren Nachmittag gibts noch ein kurzes Kreativprogramm mit malen, basteln und Experimenten; Schlafenszeit ist für Felix wie gewohnt um 19 Uhr.  Mama und Papa widmen sich dann noch ihren Schülerinnen und Schülern, korrigieren Hefte und Bücher, erstellen E-learning-Material und beantworten Fragen der Eltern per mail.

Kontakt mit Schülerinnen und Schülern

Wie funktioniert ins dieser Zeit der Kontakt zu den Schülern? "Ich bin mit allen Klasseneltern über Mail und Handy-Apps verbunden bzw. vernetzt und schicke jede Woche einen Wochenplan für die Kinder. Ich gestalte die Pläne so, dass die Kinder alleine damit arbeiten können. Ich schicke auch selbst erstellte Lernvideos zur Erarbeitung von noch nicht geläufigem Lernstoff. Die Kinder können mich jederzeit anrufen, wenn sie Fragen haben, die Eltern ebenfalls", erklärt Nicole.
Nach getaner Arbeit scannen die Schüler ihre Arbeitsblatt, Heft- oder Bucharbeit ein und schicken alles per Mail. Der Vorteil dabei: Die Kinder haben alle Hefte und Bücher zu Hause und müssen nicht zu Hause zusätzliche Arbeitsblätter ausdrucken, was auch gar nicht bei allen Kindern möglich ist, da nicht alle Drucker oder Scanner daheim haben. 
Leo dazu: "Meine Schule machte im Bereich der Digitalisierung einen gigantischen Sprung vorwärts. Vor einem Monat wäre für mich ein flächendeckender Unterricht über Lernplattformen undenkbar gewesen. Nur im Zusammenwirken von Eltern, Lehrerinnen und Lehrern und vor allem der Kinder konnten hier gewaltige Fortschritte gemacht werden. Viele Eltern berichten mir täglich von ihren Herausforderungen: Wir halten Kontakt mit den Eltern und bestärken sie in der herausgeforderten Zeit in ihrem Tun. Ich bin dankbar, dass wir als große schulische Gemeinschaft an einem Strang ziehen, um diese Krise zu meistern."

Tipps von den Pädagogen

Wir baten die beiden Pädagogen, Tipps für das häusliche Lernen und den Umgang mit der derzeitigen Situation zu geben:

  • Tag gut strukturieren, das ist vor allem für Kinder aller Altersstufen wichtig
  • Ablenkung schaffen (Fenster putzen, Wohnung putzen, kochen, backen, Kinder in Aktivitäten mit einbinden)
  • Lernen mit den Kindern: Geduld haben, keinen Druck oder Stress aufbauen, auch für Kinder ist es eine ungewohnte Situation; alles gelassen sehen, es wurde versichert, dass kein Kind auf Grund der Krise eine Klasse wiederholen muss, die Leistungsbeurteilung erfolge auf bisher erfolgten schulischen Leistungen, usw.); Kontakt zur Klassenlehrerin halten
  • Den Kindern genug Bewegungspausen anbieten: Turnübungen im Wohnzimmer, Spaziergänge im Wald (bspw. Waldspiele/„Zapfentennis“, Zapfen-weitschießen, usw.), Stiegen steigen im Treppenhaus, Treppenlauf, usw.
  • Kinder nicht anlügen, immer die Wahrheit über diese Krise kindgerecht schildern; Unwahrheiten verbreiten Angst unter den Kindern. Offene Kommunikation!
  • Aktivitäten: Basteln mit Naturmaterialien (z.B. aus dem Wald), malen, Experimente durchführen (Kinder lieben Experimente!), Bildungs-TV nutzen, Medienkonsum jedoch nach wie vor einschränken und „bewachen“
  • Osterferien: Osterrituale trotzdem mit den Kindern durchführen, jedoch eingeschränkt; Palmbuschen gestalten und mit dem Palmbuschen im Garten marschieren, anstatt in der Kirche; Osternesterl suchen im Garten oder im Wald, Osterjause im kleinen Rahmen der Familie; Kinder brauchen Rituale

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