KI in der Landwirtschaft
Dank Hightech-Boli sinkt der Antibiotika-Einsatz am Bauernhof
Die Künstliche Intelligenz wird schon in sehr vielen Bereichen eingesetzt, so auch in der Landwirtschaft. Im Bereich der Tiergesundheit kann sie etwa Landwirte frühzeitig auf Probleme aufmerksam machen und so oft sogar den Einsatz von Antibiotika verhindern.
BRUCK-MÜRZZUSCHLAG. Das Verhalten von Tieren beobachten und daraus Schlüsse ziehen – was bisher die Landwirte basierend auf Erfahrung in Eigenregie machen mussten, übernimmt in vielen Fällen mittlerweile die Künstliche Intelligenz (KI). Sie kann bspw. erste Anzeichen einer Erkrankung erkennen, noch bevor sie nach außen hin sichtbar wird. Das hat den riesengroßen Vorteil, dass der Landwirt bzw. die Landwirtin frühzeitig reagieren und statt Antibiotika mit Nebenwirkungen andere, harmlosere Medikamente verabreichen kann.
Überwachung mit "smax tec"
Ein Beispiel für den Einsatz von KI in Landwirtschaft ist der Hof von Kathrin Hofer in Kindberg. Ihr gehören rund 42 Hektar land- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche am Herzogberg. 2005 hat sie den Hof von ihrem Onkel übernommen und führt ihn seither als Milchviehbetrieb mitsamt Kalbinnenaufzucht.
- Jede Kuh bekommt einen so genannten Bolus eingesetzt, mit dem die Gesundheitsdaten erfasst werden.
- Foto: MeinBezirk/Angelika Kern
- hochgeladen von Angelika Kern
30 Rinder finden sich in ihrem Stall – allesamt werden sie von "smax tec" überwacht. "Die Kühe tragen in ihren Pansen einen Sensor, 'Bolus' genannt, den man selber ganz leicht einsetzen kann. Dieser Bolus macht ein Gesundheitsmonitoring und misst in bestimmten Intervallen die Körpertemperatur, die Aktivität, das Fress- und Trinkverhalten oder auch die Wiederkautätigkeit", erklärt Hofer. "Die Daten bekomme ich in die App auf meinem Handy geliefert."
Aufgrund dieser Parameter können bspw. sich anbahnende Euterentzündungen frühzeitig erkannt und gemeldet werden. "Noch bevor ich am Verhalten der Kuh merke, dass irgendetwas nicht stimmt, schlägt die KI Alarm und macht mich auf einen sich anbahnenden Infekt aufmerksam. Das gibt mir die Möglichkeit, frühzeitig entzündungshemmende Medikamente einzusetzen, die keinerlei Rückstände in der Milch hinterlassen – anders als das beim Einsatz von Antibiotika der Fall wäre", so Hofer.
Richtiger Zeitpunkt zur Besamung
Praktisch ist auch das Monitoring beim sogenannten "stieren", also wenn eine Kuh bereit für eine Befruchtung ist. "Das geschieht oft in der Nacht und wir merken es nicht. Die KI liefert mir aber die entsprechenden Daten, gibt mir sogar ein Zeitfenster dafür vor und ich kann die Kuh zum optimalen Zeitpunkt besamen", erklärt die 40-Jährige, was sie im Übrigen seit Jahren selbst erledigt und nicht mehr wie früher den Tierarzt zu Hilfe holt.
- Dank KI, sie verwendet das System "smax tec", wird der Alltag am Hof erleichtert.
- Foto: MeinBezirk/Angelika Kern
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Gemeldet wird vom System auch, wenn eine Geburt bevorsteht. "Dann fällt nämlich die Körpertemperatur ab. Früher haben wir das in regelmäßigen Abständen selbst messen müssen, um eine bevorstehende Geburt zu erkennen. Jetzt bekomme ich die Daten geliefert und ich kann die Kuh rechtzeitig separieren und per Kamera überwachen."
Investition hat sich gelohnt
Rund 8.000 Euro hat Hofer die Investition in die KI-gestützte Technologie im vorigen Jahr gekostet; monatlich fallen pro Bolus Kosten von drei bis vier Euro an. "Die Kosten waren es auch, die mich längere Zeit davon abgehalten haben, in die KI zu investieren. Aber jetzt möchte ich das System nicht mehr missen, das war eine wirklich richtig gute Investition", schwärmt Hofer.
- Kathrin Hofer inmitten ihrer Tiere; sie hat den Hof von ihrem Onkel übernommen.
- Foto: MeinBezirk/Angelika Kern
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Andere Systeme, wie etwa einen Futterroboter oder Ähnliches, hat sie nicht. "Dafür ist der Hof zu klein", sagt sie. "Ich bin froh, in das System investiert zu haben. Das ist eine ungemeine Erleichterung und man wird schon auch ein kleines bisschen verwöhnt", gibt sie zu.
Den Hof führt Kathrin Hofer gemeinsam mit ihren Eltern, die auch noch fleißig mithelfen und auch mit ihr auf den Hof des Onkels gezogen sind, als sie diesen im Alter von 19 Jahren gleich nach Abschluss der Forstschule in Bruck übernommen hat. Hofer hat drei Kinder im Alter von 22, 19 und 9 Jahren, arbeitet zusätzlich bei der Landwirtschaftskammer und stellt ihren Hof regelmäßig für begleitete Kindergeburtstagsfeiern zur Verfügung. Unterstützung durch die KI ist für die Vielbeschäftigte also die perfekte Unterstützung im Stall-Alltag.
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