21.10.2016, 12:57 Uhr

Unsere Wirte als Fels in der Brandung

Traditionsreicher Familienbetrieb: die Wirtshausgründer Maria und Erich Riegler sowie die "Jungen" Beate und Hannes Pirker-Riegler. (Foto: Privat)

Als Reaktion auf das Gasthaus-Sterben setzt die Wirtschaftskammer auf eine ganze Reihe von Maßnahmen.

Die steirische Wirtshauskultur geht den Bach hinunter: Immer mehr Traditionsbetriebe sperren zu und statt Backhendl und Jägerschnitzel werden Pizza und Kebap aufgetischt oder die Teller bleiben überhaupt ganz leer. Warum die alteingesessenen Gasthäuser und Gasthöfe vom Aussterben bedroht sind, hat die Wirtschaftskammer Steiermark in einer Umfrage unter 250 Traditionsbetrieben erheben lassen.

Rückgang um mehr als ein Viertel

Die Ergebnisse dieser Umfrage sind ernüchternd: Seit 2000 gibt es um 26,2 Prozent weniger Gasthäuser und um 25,6 Prozent weniger Gasthöfe (das sind Gasthäuser mit Übernachtungsmöglichkeit, Anm. d. Red.) . Dagegen sind die Betriebsarten Restaurant (+41,5 Prozent) und Kaffeehaus (+21,7 Prozent) erheblich gestiegen. "Das belegt, dass gerade traditionelle Betriebe in der Gastronomie einige schwerwiegende Herausforderungen zu bewältigen haben", betonen die beiden Fachgruppenobleute von Gastronomie und Hotellerie, Barbara Krenn und Hans Spreitzhofer. Für sie ist die Mehrzahl an Cafés vor allem auch mit der Zunahme an Franchisenehmern und Migrantenbetrieben zu erklären.
Alarmierend ist die Tatsache, dass knapp zwei Drittel der befragten Wirte keinen Gastro-Betrieb mehr gründen würden. Geschuldet ist dieser Frust hauptsächlich der zunehmenden Bürokratie.
Einer der wenigen erfreulichen Punkte der Befragung ist das Thema Regionalität, die ebenfalls von mehr als zwei Drittel der Gastronomen als "immer wichtiger eingeschätzt wird".

75 Pflichten auf dem Weg zur Gaststätte

Angesichts der Tatsache, dass mehr als 33.000 Menschen in der steirischen Gastronomie und Hotellerie beschäftigt sind und diese Branche auch einen nicht unerklecklichen Teil der Bruttowertschöpfung ausmacht, fordert die Wirtschaftskammer zum raschen "Handeln und Umdenken" auf: Nach Allergenverordnung, Nichtraucherschutz und vielen anderen Hürden und Vorschriften – insgesamt sind es gar 75 Prüf- und Dokumentationspflichten, die Wirten auferlegt werden – sollten "die bürokratischen Lasten spürbar reduziert und vereinfacht werden", fordern Krenn und Spreizhofer.
Daneben pochen die Fachgruppenobleute auch auf die Bedeutung der Wirtshäuser für die steirische Kulturlandschaft: "Wenn Landwirte von der öffentlichen Hand Förderungen erhalten, weil sie als Landschaftspfleger fungieren, dann sollte man dies auch analog für Gastgewerbebetriebe andenken, die als Kommunikationspfleger eine ebenso wichtige Funktion für die Dorfgemeinschaft erfüllen.“

Fels in der Brandung

Entgegen diesem weitläufigen Trend agiert das Gasthaus Riegler am Brucker Hauptplatz. Seit ziemlich genau 30 Jahren hält das Traditionsgasthaus die Wirtshauskultur hoch. 1986 haben Erich und Maria Riegler das Haus gekauft und an diesem Traditionsstandort – seit 1639 gab es hier stets ein Wirtshaus – ein Gasthaus eingerichtet; zuvor stand das Gebäude sechs Jahre lang leer. Seit 2015 führt Beate Riegler mit ihrem Mann, Hannes Pircher-Riegler, das Restaurant Riegler. Für Beate war es immer klar, dass sie das Wirtshaus übernehmen wird, ohne dass es Druck von den Eltern gegeben hat: "Auch wir müssen uns nach der Decke strecken, aber jammern hilft nicht. Ich kenne die Branche seit meiner Kindheit, vielleicht tu ich mir etwas leichter. Bereut habe ich meine Berufswahl jedoch nie."
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