22.03.2017, 08:30 Uhr

Ein Regisseur von Welt – Graz persönlich mit Jakob M. Erwa

"Der kleine Jakob in der großen Oper", erinnert sich Jakob M. Erwa an seinen ersten "Diagonale"-Besuch zurück. Nun zeigt der "große" Jakob selbst Stücke auf dem Grazer und internationalen Filmfestivals. (Foto: SimonMoestl/onloph)

Der Grazer Regisseur Jakob M. Erwa erobert derzeit mit seinem neuen Film "Die Mitte der Welt" den Globus und nun auch die Diagonale in Graz.

Freitagabend noch in Mexiko, Samstagnachmittag in London, Dienstagfrüh in Schweden ... Zwischen Presseterminen, Filmtour und Flugreisen findet Jakob M. Erwa ganz unkompliziert Zeit für ein Interview per Videotelefonie. Der gebürtige Grazer, der zurzeit mit seinem neuen Film "Die Mitte der Welt" um die Welt tourt – und damit auch zur Diagonale (28. März bis 2. April) nach Graz kommt – wollte ursprünglich Rockstar werden, bevor er dann doch den Weg auf die Filmhochschule nach München einschlug.

Vom Rockstar zum Regisseur

"Ein Leben als Rockstar – das war für mich als Kind eigentlich immer klar", lacht der 35-Jährige. "Als der Traum ausgeträumt war, bin ich zum Film gegangen. Hier kann man die Musik- und Tonebene noch um das Visuelle erweitern. Und vor allem kann ich Geschichten erzählen, das habe ich immer schon geliebt", strahlt der Grazer Regisseur. Diese Liebe zum Erzählen wird während des Interviews anhand Erwas Anekdoten charmant sichtbar.
"Als ich jetzt gerade in Mexiko war, wurden für mich an der Rezeption Fangeschenke und Fanpost abgegeben. Das war ganz strange", berichtet er. So wurde zwar nichts aus Erwas Rockstar-Träumen, ein Star-Image hat er aber in den letzten Jahren – abseits jeglicher Starallüren – aufgebaut.

"Es muss mein Herz packen"

"Ich habe kein Rezept für Erfolg, ich folge meinem Bauch und mache diese Projekte, die mich ansprechen und beim Herzen packen." Gepackt hat Jakob M. Erwa die Geschichte hinter dem Buch von Andreas Steinhöfels "Die Mitte der Welt", auf dessen Filmrechte er acht Jahre lang gewartet hat. "Es ist für mich eine riesige Chance und ein großes Geschenk, dass ich dieses Buch filmisch umsetzen durfte." Der Film stammt mitten aus dem Leben. Er handelt von einem 17-Jährigen, der seinen Vater nicht kennt, aus schwierigen Familienverhältnissen kommt und homosexuell ist.

In der Mitte liegt der Mut

"Das ist ein Film, der Mut machen soll, das Leben anders zu leben. Es ist alles lebens- und liebenswert. ‚Die Mitte der Welt‘ ist ein Film voller Familienprobleme, Freundschaft, Liebe und zufällig ist ein Protagonist schwul", sagt der Filmemacher.
Bei der Weltpremiere des Films in Moskau wurde Erwa gar gefragt, wie er erzogen wurde, weil er solche Filme macht. "Das war mitunter das Schrägste, was ich erlebt habe. Ich habe geantwortet, dass ich relativ offen erzogen wurde, sodass ich mir aussuchen kann, wen ich liebe. Dafür habe ich Applaus von den über hundert Journalisten vor Ort geerntet. Das hat mir gezeigt, dass die allgemeine Meinung in Russland viel offener ist, als wir denken."

Von 15 bis 35

Diesem generellen Schwarz-Weiß-Denken möchte der Regisseur gegensteuern und sein Wissen auch an die nächste Generation weitergeben. "Ich mache jedes Jahr Filmworkshops für Jugendliche in Graz und seit Neuestem einen Schreibworkshop für Erwachsene. Mir ist es ein großes Anliegen, das, was ich in Deutschland gelernt habe, mit nach Hause zu bringen." In seine Heimat kehrt der Wahl-Berliner immer gerne zurück, so ist auch die Diagonale ein Fixpunkt im Terminkalender. "Mit 15 Jahren durfte ich meine Mutter zur Eröffnung der Diagonale in der Grazer Oper begleiten. Dort waren alle Schauspieler, die ich vorher im Eröffnungsfilm gesehen habe, live vor mir. Das war ... Wow!", erinnert er sich zurück. Und was nie auf einem Graz-Besuch fehlen darf: "Familie und so viele Freunde treffen, wie möglich. Mir geht es nicht um Orte, sondern vielmehr um die Menschen."

Steckbrief:

Geboren am 17.07.1981 in Graz, lebt in Berlin.
Besuchte in Graz die Ortweinschule.
Studierte an der Filmhochschule München.
Hat 2003 die Filmproduktionsfirma mojo:pictures mitgegründet.
Filmografie (u.a.): Heile Welt, HomeSick, Die Mitte der Welt
Anmeldung zu seinem Filmworkshop im Mai in Graz:
www.beteiligung.st/jugend

WOCHE-Wordrap

Mein Lieblingsfilm ist ... (lacht) das ist die Angstfrage jedes Regisseurs.
Meine Mama hat immer gesagt ... tu was du willst, aber dann zieh’s auch durch.
Unter der Dusche singe ich am liebsten ... im Duett mit dem Radio.

Infos zum Filmworkshop mit Jakob M. Erwa im Trailer:
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