Einblicke in pro mente
„Psychische Gesundheit ist oft weniger greifbar“
- Der pro mente-Regionalleiter nimmt die Tendenz wahr, dass die Menschen vermehrt versuchen, von ihren Problemen davonzulaufen.
- Foto: Smarterpix/AndrewLozovyi
- hochgeladen von Magdalena Wimmer
Welche Trends zeichnen sich bei psychischen Erkrankungen in den Bezirken ab? Johann Gruber von der pro mente klärt auf. Zudem verrät er Tipps für mehr Wohlbefinden im Alltag.
BEZIRKE GRIESKIRCHEN, EFERDING, WELS, WELS-LAND. Die Angebote wie Therapie und Beratung seien voll ausgelastet, erklärt Johann Gruber, der als Regionalleiter von pro mente für die Bezirke Grieskirchen, Eferding, Wels und Wels-Land tätig ist:
„Wir können zum Beispiel in der psychosozialen Beratungsstelle Grieskirchen die hohe Nachfrage nicht so zeitnah abdecken, wie wir uns das wünschen.“
Seiner Meinung nach wäre es sinnvoll, mehr Geld in diese präventiven Angebote zu investieren, um später teure, stationäre Behandlungen zu verringern. „In einzelnen Angeboten bemerken wir einen Anstieg an jungen Männern, welche den Herausforderungen des Alltags nicht gewachsen sind.“
Tendenz davonzulaufen
Gründe dafür seien frühe psychische Erkrankungen, problematisches Umfeld und Drogenmissbrauch. „Das gesellschaftlich herausfordernde Umfeld schlägt sich auch immer wieder massiv auf die Befindlichkeit unserer Klienten und Klientinnen nieder, beispielsweise in Angstzuständen oder Verschwörungserzählungen“, führt Gruber aus. Jugendliche hätten mit Problemen wie Arbeit, Beziehungen, Sucht und vor allem eben dem Umgang mit Angst zu kämpfen. „Wir haben den Eindruck, dass es eine Tendenz gibt, sich den eigenen Ängsten nicht zu stellen und ‚davonlaufen‘ zu wollen“, erzählt Gruber, „Da konnten wir in der Therapie schon einiges bewirken.“
„Reden hilft“
Trotz der hohen Verbreitung werden psychische Probleme von der Gesellschaft oft noch mit „mangelnder Motivation“ verglichen, sagt er. „Das erhöht den Druck auf Betroffene noch weiter – sie wollen, aber können nicht den Erwartungen entsprechen“, so Gruber. „Psychische Gesundheit ist weniger greifbar als körperliche Gesundheit.“ Es habe sich schon einiges in Richtung Enttabuisierung getan. Aber psychische Erkrankungen würden noch immer nicht auf eine Ebene mit körperlichen Leiden gestellt. Vielen Menschen falle es deshalb schwer, darüber zu sprechen:
„Wir erleben immer wieder, dass Menschen erst zu uns kommen, wenn sie einen großen Leidensdruck erleben. Ich möchte allen, die unsicher sind, raten, einfach anzurufen und uns die Probleme zu schildern.“
Denn ein wesentlicher Aspekt ist es, über die Gefühle zu sprechen und sich jemanden anzuvertrauen, erzählt Gruber: „So banal es klingt, reden hilft. Oft regulieren sich Menschen mit Alkohol und anderen Substanzen, wenn es Ihnen psychisch nicht gut geht. Das ist keine Dauerlösung.“
Bewegung und Soziales
Wichtig sei die Frage, was einem selbst guttut. Professionelle Hilfe könne laut Gruber bei diesen Themen strukturiert unterstützen und Entwicklungsprozesse begleiten. Im Alltag würden sich soziale Kontakte und Bewegung vorteilhaft auf das psychische Wohlbefinden auswirken. „Es gilt immer zu beachten, wie es um die Psyche steht, und rechtzeitig nach belastenden Phasen Zeiten für Erholung in den Alltag zu integrieren“, rät er.
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